vor 4 Stunden
Nationalspielerin im Gespräch
Platz vier bei der Heim-WM ist das beste Ergebnis, das eine deutsche Frauen-Nationalmannschaft je bei einer Weltmeisterschaft erreicht hat. Frieda Bühner hat die beiden letzten Spiele von Berlin trotzdem bis heute nicht angeschaut. Warum der Frust bei der 22-Jährigen noch immer nachwirkt, was sie aus der WNBA mitgebracht hat und wie sie damit in Prag und in die EM-Qualifikation geht.

Wenn Frieda Bühner an den September zurückdenkt, meldet sich zuerst nicht der Stolz. "Die Frustration ist noch ziemlich hoch, und das ist auch immer noch so die erste Emotion, die da ist, wenn ich an die WM zurückdenke", sagte die Nationalspielerin in einer Medienrunde. Dabei hatte das DBB-Team in Berlin Geschichte geschrieben: erstes WM-Viertelfinale, erstes WM-Halbfinale, am Ende Rang vier.
Der Weg dorthin begann holprig. Zum Auftakt kassierte Deutschland gegen Spanien ein 53:83, Bühner kam nach frühen Foulproblemen nur auf vier Punkte. Danach drehte die Forward auf: Gegen Japan traf sie acht ihrer zwölf Würfe aus dem Feld, gegen Mali legte sie nach Angaben der Berliner Lokalpresse 21 Punkte auf.
Nach dem Fehlstart spürte Bühner zum ersten Mal einen Druck, der über das Sportliche hinausging. Die negativen Reaktionen in den sozialen Medien hätten etwas in ihr ausgelöst, erzählte sie. "Boah, da möchte ich aber eigentlich nochmal den Leuten zeigen, dass wir viel besser sind", beschrieb sie ihren Gedanken von damals. Inzwischen erlebe sie in den sozialen Medien eher das Gegenteil, dort werde deutlich mehr über Frauenbasketball berichtet als früher.
Gezeigt hat das Team es: Nach dem 94:56 gegen Südkorea fegte es Europameister Belgien im Viertelfinale mit 93:74 vom Parkett. Danach war allerdings Schluss mit dem Höhenflug. Im Halbfinale war Frankreich beim 64:86 eine Nummer zu groß, im Spiel um Bronze misslang die Revanche gegen Spanien beim 58:81 deutlich.
| Datum | Runde | Gegner | Ergebnis (aus deutscher Sicht) |
|---|---|---|---|
| 04.09.2026 | Vorrunde | Spanien | 53:83 |
| 05.09.2026 | Vorrunde | Japan | 74:58 |
| 07.09.2026 | Vorrunde | Mali | 83:58 |
| 08.09.2026 | Zwischenrunde | Südkorea | 94:56 |
| 10.09.2026 | Viertelfinale | Belgien | 93:74 |
| 12.09.2026 | Halbfinale | Frankreich | 64:86 |
| 13.09.2026 | Spiel um Platz 3 | Spanien | 58:81 |
Normalerweise schaut sich Bühner ihre Spiele kurz danach noch einmal an. Bei den beiden letzten Partien des Turniers macht sie eine Ausnahme. "Ich habe die letzten zwei Spiele noch nicht geschaut. (…) Aber der Frust ist einfach noch zu groß", gab sie offen zu.
Woran es gegen die ganz Großen hakte, kann sie dennoch klar benennen. Teams wie Spanien und Frankreich seien "total physisch und machen viel Druck in der Defense", damit komme Deutschland noch nicht gut klar. Hinzu komme, dass diese Nationen seit Jahren auf höchstem Niveau zusammenspielten, eine Erfahrung, die das deutsche Team erst sammeln müsse. Was bleibt, ist ein Bild aus der Halle, das sie trotz allem mitnimmt: "Ich habe wirklich nicht gedacht, dass so viele Leute kommen."
Viel Zeit zum Verdauen blieb nicht. Direkt nach der WM flog Bühner zurück zu Portland Fire, dem Expansion-Team, das sie im April an 17. Stelle gedraftet hatte. Sie sei "gerade von so einem Hoch" gekommen, "und der Frust war noch so groß", schilderte sie den mentalen Spagat. Körperlich habe sie das lange Jahr dagegen gut weggesteckt.
Aus ihrer Rookie-Saison zieht sie vor allem eine Erkenntnis: "Ich hätte mir, glaube ich, gar nicht so viel Angst davor machen müssen und nicht so nervös sein müssen. Die kochen da auch nur mit Wasser", sagte sie. Das höhere Tempo habe sie gezwungen, schneller zu entscheiden, und genau diese Entscheidungsfreude helfe ihr nun weiter. Ihr Wunsch ist eindeutig: Sie will auch in der kommenden Saison in der WNBA spielen.
Inzwischen trägt Bühner das Trikot von USK Prag, dem EuroLeague-Sieger von 2025, und dort ist sie keine Ergänzungsspielerin mehr. Nach drei Spieltagen stand Prag in Gruppe D ungeschlagen an der Spitze. Beim 80:65 gegen Emlak Konut steuerte Bühner 15 Punkte bei. Zufrieden ist sie trotzdem nicht: "Ich habe jetzt eine andere Rolle, mehr Verantwortung, und da muss ich auch ein bisschen reinfinden."
| Wettbewerb | Team | Teambilanz | Bühner |
|---|---|---|---|
| WNBA 2026 | Portland Fire | 17 Siege - 27 Niederlagen (Playoffs verpasst) | 6,3 Punkte und 2,1 Rebounds in 39 Spielen |
| FIBA-WM 2026 | Deutschland | Platz 4 | 21 Punkte gegen Mali |
| EuroLeague 2026/27 | ZVVZ USK Prag | 3 Siege - 0 Niederlagen (Stand 29.10.) | 15 Punkte gegen Emlak Konut |
Schon in der kommenden Woche geht es weiter, denn im November-Fenster der Qualifikation zur EuroBasket 2027 trifft Deutschland auf Ungarn, Portugal und Dänemark. Den Auftakt bestreitet das Team am 11. November gegen Ungarn in der Hamburger Inselpark Arena. Bühner ist dabei und freut sich, auch wenn es sich komisch anfühle, weil sie das Gefühl habe, gerade erst bei der WM gewesen zu sein.
Die Zielvorgabe formuliert sie ohne Umschweife. "Unser Ziel ist es, auf alle Fälle alle Gruppenspiele zu gewinnen", sagte Bühner, das Team habe bei der WM ein Statement gesetzt und wolle daran anknüpfen. Leicht wird das nicht: Gegen Dänemark und Portugal hat Deutschland eine klar positive Bilanz, gegen Ungarn mit elf Siegen und 21 Niederlagen eine deutlich negative - zuletzt verlor man auch im Rahmen der WM-Vorbereitung.
Ob die Halle in Hamburg der neuen Begeisterung gerecht wird, ließ Bühner diplomatisch offen; über eine größere Arena hätte sie sich grundsätzlich gefreut. Vor dem Lehrgang stehen noch drei Tage bei der Familie an, mit Bäckerei, Döner und Schnitzel als festem Programm. Der Hunger auf eine Medaille lässt sich so allerdings nicht stillen: "Ich möchte so unbedingt mit der deutschen Nationalmannschaft auch eine Medaille gewinnen und mehr Erfolg haben. Und das pusht mich extrem."
jos