vor 13 Stunden
Berliner nimmt Herausforderung an
Die Orlando Magic siegten in Spiel 1 etwas überraschend beim Top-Seed Detroit Pistons. Der Außenseiter aus Florida wählte dabei eine Strategie, die den Gegner ein wenig überraschte. Das hatte auch mit Franz Wagner zu tun.

Die Schlagzeilen um Franz Wagner handelten letztlich davon, dass der Berliner elf seiner 19 Punkte im vierten Viertel erzielte. Gleichzeitig war der Deutsche aber vor allem in der Defensive sehr wertvoll. Denn: Coach Jamahl Mosley überraschte zu Beginn mit der Entscheidung, Wagner als primären Verteidiger gegen Pistons-Spielmacher Cade Cunningham anzusetzen.
Der erzielte zwar letztlich 39 Punkte, doch nur sechs davon erzielte der All-Star im direkten Duell mit Wagner. Gleichzeitig punktete mit Tobias Harris (17) nur ein weiterer Spieler zweistellig für die Gastgeber. Es ist eine durchaus eine Qualität, dass Wagner diese Aufgabe annahm, sich um Blöcke kämpfte und versuchte dem besten Spieler des Gegners das Leben so schwer wie möglich zu machen.
Für einen Forward, der zumeist andere Aufgaben in der Defensive hat, ist das nicht leicht, half dem Team aber enorm. Eigentlich hätte man hier Defensiv-Spezialist Jalen Suggs erwartet, doch Mosley stellte seinen besten Verteidiger auf den Flügel zu Ausar Thompson, was ein guter Schachzug war.
Suggs ist am Perimeter mit guter Fußarbeit und seiner Athletik eine exzellente Option, die volle Wucht seiner Qualitäten spielt er aber abseits des Balles aus. Thompson ist kein Schütze, deswegen konnte Suggs immer wieder in die Zone absinken, um mit seinen schnellen Händen auszuhelfen und den Druck auf die Gegenspieler zu erhöhen.
Drei Steals holte der 25-Jährige, doch sein Impact ist in Zahlen kaum zu messen. Immer wieder störte er das gefürchtete Pick’n’Roll zwischen Cunningham und Center Jalen Duren (nur 4 FGA in 32 Minuten), was Detroits beste Waffe in der Halbfeld-Offense ist. So gelangen jede Menge Stops und so konnte Orlando im Gegenzug viele leichte Punkte generieren. In dieser Verfassung erinnerte das Magic-Team eher an die Version aus den vergangenen beiden Jahren, als man hart verteidigte und so Spiele für sich entschied.
Detroit ist dabei recht ähnlich. Auch sie definieren sich über Defense und können trotz Top-Seed Probleme im Angriff bekommen. Auf allen Positionen sind sie groß und lang und doch wirkte Orlando größer und länger - und somit nicht als der Außenseiter, wie es die Seeds vermuten lassen.

Endlich schöpften die Magic ihr Potenzial aus. Zur Erinnerung: Es gab durchaus Stimmen, die den Magic Chancen auf eine Finals-Teilnahme gaben. Herzstück ist dabei Suggs, der defensiv für Orlando nicht zu ersetzen ist. Zusammen mit Wagner stand er in dieser Saison nur 27 Partien auf dem Feld, rechnet man es auf 82 Spiele hoch, wären die Magic deutlich über 50 Siege gekommen. Eben genau da, wo man sie vermutet hätte.
Wagner hat also recht, wenn er nach dem Spiel sagte, dass das Team zurecht da hingehöre. Das Talent ist schließlich da, nur muss Orlando konstant Wege finden, um diese PS auch auf die Straße zu bringen. Der erste Schritt dafür ist gemacht, nun wird man sehen, wie die Pistons den ersten Schachzug der Magic kontern wollen. Auch auf der anderen Seite des Balles wirkten die Pistons bisweilen etwas ratlos, auch gegen Wagner.
Cunningham wurde im Post einige Male vernascht, Harris war dagegen zu langsam für Wagner, der zwar zunächst nur einen von sieben Würfen traf, dann aber im vierten Viertel immer wieder die Defense schlug und mit elf Zählern (5/5 FG) und vier Assists das Spiel spät an sich riss. Damit bescherte Wagner den Magic den ersten Auswärtssieg in den Playoffs in der Ära Mosley. Detroit braucht Antworten, denn das klassische 1-8-Matchup ist das nicht.
Robert Arndt