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    NBA

    vor 7 Stunden

    Ein statistischer Deepdive

    Knicks nur auf 3: Die Meister seit der Warriors-Ära gerankt

    Die NBA befindet sich in einer Ära der Parität - seit 2018 konnte kein Team mehr seinen Titel verteidigen, acht verschiedene Teams haben sich in acht Jahren die Krone aufgesetzt, ein Novum der Liga-Historie. Doch welches von diesen Teams würde ein fiktives Turnier gewinnen?

    Jalen Brunson hat seine Knicks in einem überragenden Playoff-Run angeführt.
    Jalen Brunson hat seine Knicks in einem überragenden Playoff-Run angeführt. IMAGO/Agencia EFE

    Nahezu ab ihrer Entstehung war die NBA von Dynastien geprägt - immer wieder blieben Teams für eine Weile an der Spitze, wenn sie diese einmal erreicht hatten, oder kamen zumindest mit kurzer Unterbrechung wieder oben an (wie die Duncan-Spurs, die nie einen Repeat schafften, aber trotzdem fünf Titel in 15 Jahren holten). Dieses Bild hat sich seit 2018 massiv verändert.

    Acht Teams wurden in dieser Zeit einmal Meister, und lediglich drei Teams (Golden State, Boston und Miami) erreichten in dieser Ära nach der bisher letzten Dynastie der Warriors ein zweites Mal die Finals. Insgesamt gab es 13 verschiedene Finalisten in diesem Zeitraum, beinahe die Hälfte der Liga hatte also mal wenigstens eine Hand am Pokal.

    Heute konzentrieren wir uns aber auf die Teams, die die Larry O’Brien Trophy tatsächlich gewannen. Wer von ihnen hätte die besten Karten, würde ein fiktives Turnier den ultimativen Champion der Parity-Ära krönen? Finden wir es heraus …

    Die Bucks um Giannis holten 2021 den Titel.
    Die Bucks um Giannis holten 2021 den Titel. Jeff Hanisch-USA TODAY Sports

    Rang 8: Milwaukee Bucks (Meister 2021)

    Regular Season: 46-26, Net-Rating +5,7

    Playoffs: 16-7, Net-Rating +5,7

    Eine der beiden aufgrund von Corona verkürzten Saisons produzierte den "schwächsten" Champion dieser Liste, wobei das kein Problem für Milwaukee sein sollte, ein vollwertiger Champion - und ein Top-Team - waren die Bucks ja so oder so. Im Vergleich zu den anderen Teams gab es aber doch einige Faktoren, die für dieses Gedankenspiel gegen sie sprachen.

    In der Regular Season waren die Bucks gut, aber weniger dominant als in den Vorjahren (tatsächlich war die Siegquote die zweitniedrigste der Ära Mike Budenholzer und nur die siebtbeste der NBA). Ein kreatives Offensivteam waren sie abermals nicht, ihre Playoff-Offense war sogar unterdurchschnittlich.

    Das größte Argument gegen sie ist jedoch der Fakt, dass sie eigentlich schon ausgeschieden waren. In der Zweitrundenserie gegen Brooklyn sahen sie nicht unbedingt wie das beste Team ihrer Conference aus, selbst dann nicht, als bei den Nets zwei von drei Stars ganz oder fast ganz ausfielen. Während der Serie wurde bereits lautstark über Budenholzers Nachfolger spekuliert, so schwach und ideenlos präsentierte sich sein Team phasenweise.

    Und dann kam Spiel 7, das vor allem Kevin Durants Fuß berühmt machte. Dessen Jumper mit Ablauf der Uhr hätte Milwaukee in den Urlaub geschickt, hätte sein großer Zeh nicht gerade so die Dreierlinie berührt - in der Overtime war der Ofen dann auch bei ihm aus, Brooklyn erzielte in den Extra-Minuten bloß noch 2 Punkte.

    Milwaukee überlebte also, und erledigte dann Atlanta und Phoenix, zwei Teams, die eher überraschend so weit gekommen waren und seither nicht mehr auf dieser Bühne gesehen wurden. Ultimative Dominanz erreichten die Bucks in diesen beiden 6-Spiele-Serien auch nicht.

    Draymond Green und Stephen Curry gewannen zusammen insgesamt vier Meisterschaften.
    Draymond Green und Stephen Curry gewannen zusammen insgesamt vier Meisterschaften. Getty Images

    Rang 7: Golden State Warriors (2022)

    Regular Season: 53-29, Net-Rating +5,6

    Playoffs: 16-6, Net-Rating +5,7

    Ein guter Beweis dafür, dass Erfahrung in den Playoffs doch manchmal zählt. Die Warriors hatten ihre Ära eigentlich hinter sich, wie ein garantierter Titelkandidat sahen sie in der Regular Season nicht immer aus, auch wenn sie immerhin die drittbeste Siegquote der Liga produzierten. Gerade offensiv kamen sie bei weitem nicht an die Dominanz alter Tage heran (nur Rang 17).

    In den Playoffs fanden die Dubs jedoch einen anderen Gang, auch dadurch bedingt, dass Klay Thompson (nur 32 Spiele in der Regular Season) und Draymond Green (46) nun wieder vollständig zur Stelle waren. Ein relativ großzügiger Draw im Westen half ebenfalls dabei, der alten Big 3 noch einen letzten Tanz zu erlauben.

    Den erfahreneren Teams und schwierigeren Matchups gingen die Dubs weitestgehend aus dem Weg, stattdessen ging es gegen junge Grizzlies und Mavs sowie ein Nuggets-Team, dem Jamal Murray und Michael Porter Jr. fehlten. Brenzlig wurde es temporär nur in den Finals, als die Dubs gegen ein jüngeres Celtics-Team mit 1-2 in Rückstand gerieten und auswärts in Spiel 4 de facto um ihr Überleben kämpften.

    Es war ein guter Zeitpunkt für Stephen Curry, um das vielleicht beste Finals-Spiel seiner Karriere hinzulegen. Die Warriors gewannen Spiel und Serie, nicht unbedingt weil sie klar besser waren, sondern abgezockter, bereiter für diesen Moment. Und weil sie den besten Spieler hatten.

    Dennoch: Mit Ausnahme von Andrew Wiggins und Jordan Poole (!) waren fast alle Spieler im Kader eher Post-Prime, im übergreifenden Vergleich der Meister-Teams waren sie klein und nicht übermäßig athletisch. Das hätte ihnen in den fiktiven Matchups hier mehr wehgetan, als es 2022 geschah.

    Mit MVP Nikola Jokic gewannen die Nuggets die NBA.
    Mit MVP Nikola Jokic gewannen die Nuggets die NBA. IMAGO/ZUMA Wire

    Rang 6: Denver Nuggets (2023)

    Regular Season: 53-29, Net-Rating +3,4

    Playoffs: 16-4, Net-Rating +9,2

    Von allen hier aufgeführten Teams das schwächste Regular-Season-Team, obwohl 53 Siege immerhin für die beste Bilanz im Westen reichten (im Osten waren drei Teams stärker). Die Nuggets hoben sich ihre beste Arbeit für die Postseason auf, in der sie ziemlich eindrucksvoll durch die Liga pflügten.

    Lediglich gegen die Suns gab Denver mehr als ein Spiel ab (es waren 2), kein einziges Mal gerieten sie in einer Serie in Rückstand. Nie war das Zusammenspiel von Nikola Jokic (30-14-10 in den Playoffs) und Jamal Murray (26-6-7) besser, nie fand der restliche Kader so eindrucksvoll die Balance und die Antworten auf jeden Gegner.

    Die einzigen Abzüge in der B-Note: Auf dem Weg zum Titel musste Denver kein einziges Team schlagen, das mehr als 45 (!) Siege in der Regular Season geholt hatte - drei ihrer vier Serien gewannen sie gegen Play-In-Teams, darunter die Conference Finals (4-0 gegen die Lakers) und die Finals (4-1 gegen die Heat).

    Überdies waren die Nuggets für einen Meister dünn besetzt, neben den Startern spielten lediglich Bruce Brown, der 36-jährige Jeff Green und Rookie Christian Braun regelmäßige Playoff-Minuten. Die Starting Five war gut genug, um das aufzufangen, aber wie hätte das ausgesehen, wenn die Prüfungen etwas schwerer - und die Serien etwas länger - gewesen wären?

    Die Raptors um Kawhi Leonard wurden 2019 NBA-Champion.
    Die Raptors um Kawhi Leonard wurden 2019 NBA-Champion. IMAGO/USA TODAY Network

    Rang 5: Toronto Raptors (2019)

    Regular Season: 56-26, Net-Rating +6

    Playoffs: 16-8, Net-Rating +5,8

    Rückblickend ist dieses Team sicherlich unterschätzt, was so einiges damit zu tun hat, dass die Finals vor allem aufgrund der Verletzungen von Kevin Durant und Klay Thompson in Erinnerung blieben und vielerorts angezweifelt wird, dass die Kanadier diesen Titel auch sonst gewonnen hätten.

    Das mag auch richtig sein, gleichzeitig strotzte der Raptors-Kader vor Talent und Erfahrung und war gut genug, um 56 Spiele zu gewinnen, obwohl Kawhi Leonard bloß in 60 Spielen dabei war. Künftige Stars wie Pascal Siakam und Fred VanVleet trafen auf etablierte Veteranen wie Kyle Lowry, Danny Green oder Marc Gasol, dazu war auch noch ein junger OG Anunoby Teil des Teams, wobei er die Playoffs verpasste (und deswegen auch hier nicht „zählt“).

    Im Prinzip war Toronto einer der ersten Champs moderner Bauart, der Qualität auf jeder Position hatte, tief war und eine passende Antwort auf nahezu jeden Gegner und Spielstil finden konnte. Andernfalls hätten sie auf dem Weg zum Titel nicht ein 51-, ein 57- und ein 60-Siege-Team ausschalten können.

    Wobei die Qualität der Gegner mit dazu führte, dass die Playoff-Leistungen nicht durch die Bank dominant waren. Schon in Runde zwei wurde es richtig brenzlig, als die Raptors sieben Spiele und den Wunderwurf von Kawhi brauchten, um an Philly vorbeizukommen. Gegen die Bucks lag man eine Runde später mit 0-2 hinten. Die Finals waren die Finals.

    Trotzdem: Mit ihrem Mix aus Offense und Defense, ihrer Resilienz, ihrer Tiefe und dem wohl besten Playoff-Kawhi, den die Liga je gesehen hat, wären die Raptors in keinem Matchup chancenlos; vielleicht hätten sie die Parity-Ära sogar verhindert oder zumindest aufgeschoben, wenn Leonard dieses Team nicht nach bloß einem Jahr direkt wieder verlassen hätte.

    LeBron James gewann mit den Lakers 2020 den Titel.
    LeBron James gewann mit den Lakers 2020 den Titel. Kim Klement-USA TODAY Sports

    Rang 4: Los Angeles Lakers (2020)

    Regular Season: 52-19, Net-Rating +5,7

    Playoffs: 16-5, Net-Rating +9

    Eine großartige Defense hatten die Lakers die ganze Saison über, was bei ihrem Personal auch nicht verwunderte: Neben Anthony Davis verfügte L.A. unter anderem über die exzellenten Defensiv-Rollenspieler Alex Caruso, Kentavious Caldwell-Pope, Danny Green und Dwight Howard - und dann war ja auch noch LeBron James Teil der Verlosung.

    Was in den Playoffs jedoch dazukam, war eher nicht vorherzusehen gewesen. Als der Spielbetrieb nach der Coronapandemie in der Disney-Bubble wieder aufgenommen wurde, war aus Davis auf einmal - temporär, wie sich herausstellte - ein exzellenter Jump-Shooter geworden. Das machte die Lakers nahezu unschlagbar.

    Kein Team konnte sie in den Playoffs wirklich fordern, nur gegen Finals-Gegner Miami wurden zwei Spiele abgegeben, Portland, Houston und Denver wurden jeweils per Gentleman’s Sweep geschlagen. Mit LeBron (28-11-9 in den Playoffs) und Davis (28-10) stellten die Lakers zwei der fünf besten Spieler der Saison und Postseason. Ihre Physis und Defense wären auch in unserem fiktiven Turnier wertvolle Attribute.

    Auf der anderen Seite würden wir das Turnier nicht vor leeren Rängen abhalten wollen. Würde sich das wiederum negativ auf Davis‘ Shooting auswirken?

    New York gewann erstmals seit über 50 Jahren wieder eine NBA-Meisterschaft.
    New York gewann erstmals seit über 50 Jahren wieder eine NBA-Meisterschaft. Dustin Safranek

    Rang 3: New York Knicks (2026)

    Regular Season: 53-29, Net-Rating +6,5

    Playoffs: 16-3, Net-Rating +16,9

    Eins der schwächeren Regular-Season-Teams in der Verlosung - und das beste Playoff-Team, dem Net-Rating zufolge jedenfalls, nicht nur in diesem Feld. Sondern All-Time. Noch nie hat ein Meister seine Konkurrenz mit einem höheren Point-Differential aus dem Weg geräumt als die diesjährigen Knicks. Was machen wir nun daraus?

    Die Knicks sind in vielerlei Hinsicht ein Sonderfall, nicht zuletzt deshalb, weil sie in Runde eins gegen ein nicht wirklich überragendes Hawks-Team mit 1-2 hinten lagen, ehe sie ihren Groove fanden und dann wie ein nahezu perfektes Basketball-Team wirkten. Im Osten reihte sich ein Blowout an den nächsten, ehe sie dann in den Finals gegen San Antonio in jedem Spiel zweistellig hinten lagen, um in vier von fünf Fällen am Ende doch noch zu gewinnen. Sie waren resilient, wandlungsfähig, abgezockt und gaben sich nie auf.

    Sie profitierten dabei zweifellos auch von einer überschaubar besetzten Eastern Conference, die sie nicht fordern konnte, und der Unerfahrenheit der Spurs, die es nie konstant schafften, die defensiv in manchen Matchups durchaus angreifbaren Knicks-Stars Jalen Brunson und Karl-Anthony Towns wirklich vor Probleme zu stellen. Wir spekulieren, dass das gegen andere Teams auch anders hätte aussehen können. Etwa gegen …

    Die Oklahoma City Thunder um MVP SGA dominierten die Liga.
    Die Oklahoma City Thunder um MVP SGA dominierten die Liga. Alonzo Adams-Imagn Images

    Rang 2: OKC Thunder (2025)

    Regular Season: 68-14, Net-Rating +12,8

    Playoffs: 16-7, Net-Rating +8,4

    Das beste Regular-Season-Team. Tief wie niemand sonst, dadurch stets in der Lage, über die kompletten 48 Minuten beinharte, energetische Defense zu spielen, enormen Druck insbesondere auf gegnerische Ballhandler auszuüben. Und mit einem MVP ausgestattet, der in engen Spielen im Zweifel immer wieder übernehmen konnte.

    OKC hatte eigentlich alles, und wohl auch den besten Repeat-Case, wenn nicht während der Folgesaison und vor allem den Playoffs ständig der zweitbeste Spieler ausgefallen wäre. Selbst ohne Jalen Williams (und Ajay Mitchell) fehlte den Thunder bloß ein Sieg, um zumindest ein zweites Mal in Serie die Finals zu erreichen.

    Für unser Turnier fehlte außerdem die adäquate Playoff-Dominanz. Das gute Net-Rating vernebelt ein wenig, wie brenzlig es für OKC 2025 in gleich zwei Serien wurde. Gegen ziemlich dezimierte Nuggets (Gordon auf einem Bein, Porter Jr. mit einem funktionsfähigen Arm) brauchten die Thunder in Runde zwei sieben Spiele. Gegen die Pacers hätten sie die Finals gut und gerne verlieren können, wenn sich früh in Spiel 7 nicht deren bester Spieler die Achillessehne gerissen hätte. Es gab mehrere Situationen, in denen die Thunder gerade offensiv etwas eindimensional wirkten und in denen ihre Saison am seidenen Faden hing.

    All das ändert nichts daran, wie stark und vielseitig dieser Thunder-Kader besetzt war und ist, von dem sicherlich auch in den kommenden Jahren einiges zu hören sein wird. Es führt aber dazu, dass wir OKC hier nicht den Spitzenplatz geben können.

    Jayson Tatum führte Boston zum Titel.
    Jayson Tatum führte Boston zum Titel. Pool Photo-USA TODAY Sports

    Rang 1: Boston Celtics (2024)

    Regular Season: 64-18, Net-Rating +11,6

    Playoffs: 16-3, Net-Rating +8,4

    Der beste Mix aus Regular-Season- und Playoff-Dominanz im gesamten Feld. Auch das Playoff-Net-Rating hätte noch um einiges besser ausgesehen, wenn die Celtics nicht in Spiel 4 gegen die Mavs, als die Serie schon entschieden war, einmal im Kollektiv die Körperspannung verloren hätten (-38).

    Gemeinsam mit den Knicks stellten sie trotzdem die beste Playoff-Bilanz aller hier aufgeführten Teams, die historisch auch bloß von neun Teams jemals übertroffen wurde (und von lediglich einem, seitdem 16 Siege für den Titel nötig sind).

    Sie profitierten in mehreren Serien auf dem Weg von Ausfällen beim Gegner, gleichzeitig verpasste mit Kristaps Porzingis auch einer ihrer eigentlichen Starter zwölf von 19 Playoff-Spielen. Allen voran profitierten die Celtics davon, dass sie unter dem Radar so etwas wie ein Superteam hatten, selbst wenn fast niemand sie in dem Moment so bezeichnete.

    Neben den etablierten Superstars Jayson Tatum und Jaylen Brown hatten sie in Porzingis, Al Horford und Jrue Holiday drei weitere Spieler, die schon mindestens einmal All-Star waren, und in Derrick White NOCH einen Akteur auf All-Star-Niveau. Und Luke Kornet, und Payton Pritchard, und Sam Hauser … es gab nicht viel, worauf dieser Kader keine Antwort hatte, weshalb die Celtics auch während der Regular Season lediglich gegen ein einziges Team (die Nuggets) keine mindestens ausgeglichene Bilanz herausspielen konnten.

    Luxuskader dieser Art sind in der modernen Ära eigentlich nicht vorgesehen, jedenfalls nicht mit Veteranen. Nicht zuletzt deshalb sind von der damaligen Top 6 nur noch Tatum und White in Boston. Für dieses fiktive Turnier würden wir die Band aber nochmal zusammenbringen. Und darauf setzen, dass sich alle Beteiligten noch einmal vertragen würden …

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    Ole Frerks