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    NBA

    vor 7 Stunden

    Bricht New York noch einen Fluch?

    Knicks nach dem Titel: So (un)wahrscheinlich ist ein Repeat

    Die New York Knicks sind nach 53 Jahren zurück an der Spitze der NBA. Während das Team und die Stadt feiern, stellt sich für die Liga bereits die nächste Frage: Kann dieser ungewöhnliche Champion sein Kunststück direkt noch einmal wiederholen?

    Jalen Brunson und Karl-Anthony Towns
    Jalen Brunson und Karl-Anthony Towns haben die Knicks zum Titel geführt. Rick Osentoski-Imagn Images

    Sonderlich viel Zeit bleibt in der NBA nie zum Durchatmen. Oder zum Feiern; am Donnerstag wird die offizielle Meisterparade in New York City stattfinden, am Dienstag danach findet bereits der Draft statt. Gerüchteweise ist es gut möglich, dass in der Zwischenzeit außerdem ein Superstar-Trade die Kräfteverhältnisse in der Liga durchrütteln wird.

    Nicht, dass dies die Feierlichkeiten in der Stadt, die niemals schläft, beeinträchtigen sollte. Plump gesagt schläft die Konkurrenz allerdings auch nicht. Sie will dorthin, wo die Knicks jetzt gerade angekommen sind, lieber früher als später. 29 Teams arbeiten an Strategien, um New York zu entthronen.

    Die Erfahrungen aus den letzten Jahren sprechen dafür, dass eins von ihnen dabei erfolgreich sein wird.

    Der verfluchte Champion

    Seit 2018 ist es keinem Team mehr gelungen, seinen Titel zu verteidigen. Seit 2019 schaffte es auch kein amtierender Champion wieder in die Finals. Ganz egal, wie viele Dynastien in dem jeweiligen Moment ausgerufen wurden - über die letzten acht Jahre gab es acht verschiedene Meister. Nur Miami, Boston und Golden State nahmen in dieser Zeit an zwei Final-Serien teil.

    Allein die letzten drei Champions vor New York dienen bestens zur Veranschaulichung dieses Fluchs. Denver brach 2023 durch, hatte den besten Spieler der Welt, eine dominante Postseason - im Jahr danach flogen die Nuggets trotzdem in der zweiten Runde raus, gegen ein Team, das explizit dafür konstruiert wurde, um sie zu schlagen. Die Celtics verloren 2024 bloß drei Playoff-Spiele auf dem Weg zum Titel, wirkten fast unschlagbar; auch sie flogen im Folgejahr in der zweiten Runde gegen New York, verloren dabei ihren besten Spieler an einen Achillessehnenriss und danach weitere Leistungsträger wegen Salary-Cap-Komplikationen.

    Und dann kam 2025 OKC: ein Team, das jünger und tiefer war als seine Vorgänger, noch eher prädestiniert dafür, um zu repeaten - dank Verletzungen (unter anderem des zweitbesten Spielers) und eines Horror-Matchups in der eigenen Conference war 2026 trotzdem in Spiel 7 der Conference Finals Endstation.

    Die Lektion ist eigentlich immer wieder dieselbe: Es ist schwer, einen Titel zu holen, und noch schwerer zu repeaten - es gibt keine Garantien. Es braucht Gesundheit und Glück, mal abgesehen von der spielerischen Qualität natürlich. Es braucht nicht zuletzt auch das richtige Timing.

    New York Knicks: Das perfekte Timing

    Die Knicks konnten über die vergangenen Jahre ein Liedchen davon singen. Als sie 2024 in sieben Spielen in Runde zwei an den Pacers scheiterten, war OG Anunoby in nur zwei Spielen der Serie richtig dabei und schleppte sich in Spiel 7 für knapp fünf Minuten auf einem Bein über den Court, Mitchell Robinson konnte in der gesamten Serie ganze zwölf Minuten spielen.

    2025 scheiterten sie in Runde drei erneut an den Pacers und erlebten in Spiel 1 die Art von Schlag in die Magengrube, die Anunoby nun in Spiel 4 den Spurs verpasst hat: Eine 15-Punkte-Führung schmolz binnen fünf Minuten in sich zusammen, mit der Sirene traf Tyrese Haliburton dann einen Wurf zum Ausgleich, der erst bis zur Hallendecke hochsprang, ehe er durch die Reuse fiel - eine traumatische Erfahrung, von der sich die Knicks zumindest in der Serie nicht mehr erholten.

    Und dann kam dieses Jahr. Zwar war Anunoby erneut kurz verletzt, aber das war’s; nach Spiel 3 gegen die Hawks legten die Knicks einen wahrlich magischen Durchmarsch hin, waren gesund und spielten wie aus einem Guss, holten zeitweise 13 Siege in Folge. Sie wurden zu einem besonderen Champion, in vielerlei Hinsicht.

    Knicks: Dominant, aber kein Favorit

    Die Knicks waren, objektiv betrachtet, ein besseres Playoff-Team als die meisten ihrer Vorgänger, hatten geteilt mit Boston die beste Bilanz (16-3) seit den 2017er Warriors und das beste Point-Differential der NBA-Geschichte (+283). Sie waren eines der besten Playoff-Teams jemals, gerieten deutlich weniger in Bedrängnis als etwa OKC im Vorjahr, das immerhin zwei siebte Spiele überstehen musste.

    Trotzdem gehen die Knicks bei den Buchmachern nicht als Topfavorit in die neue Saison, anders als OKC oder Boston in den Jahren zuvor; gleich drei Teams werden in Las Vegas Stand jetzt bessere Chancen auf den Titel eingeräumt. Und das kann eigentlich kaum verwundern, selbst wenn es auf den ersten Blick paradox wirkt.

    Was gegen sie spricht: Die Knicks waren und sind ein ungewöhnlicher Meister. Sie waren kein dominantes Team in der Regular Season; 53 Siege und ein Net-Rating von +6 in einer Conference mit drei Hardcore-Tanking-Teams (60+ Niederlagen) ist gut, aber nicht überragend. Sie hatten keinen MVP-Kandidaten im Team, selbst wenn Jalen Brunson in den Playoffs bewiesen hat, dass er unter Druck wertvoller ist als nahezu jeder andere Spieler auf dem Planeten.

    Die Konkurrenz ist zudem heftig: OKC ist immer noch jünger und tiefer, hofft auf bessere Gesundheit in 2027. San Antonio wird dann ein Jahr älter und reifer sein, am Talent mangelte es auch in diesem Jahr nicht. Die Pacers könnten zurück in der Verlosung sein, wenn Haliburton sich stark zurückmeldet. Boston dürfte wieder ein Faktor werden, gerade dann, wenn die Celtics sich Giannis Antetokounmpo angeln sollten.

    Gut möglich, dass noch das eine oder andere Team ebenfalls Ansprüche anmelden wird. Das dürfte in die Quoten eingepreist sein - wie auch die Lektion, die womöglich Stück für Stück ankommt: Es ist schwer! Die Wahrscheinlichkeit, zwei perfekte Runs in Serie hinzulegen, wird in der Second-Apron-Ära beziehungsweise der Ära der "Parität" vorerst eher nicht mehr steigen.

    Brunson gegen die Pacers
    Die Pacers könnten den Knicks 2027 wieder gefährlich werden. Trevor Ruszkowski-Imagn Images

    Kontinuität ist Trumpf

    Für die Knicks spricht immerhin, dass sie vermutlich in der "richtigen" Conference spielen, wobei sich der Osten kommende Saison deutlich stärker präsentieren könnte als in diesem etwas merkwürdigen Jahr. Sie sind außerdem gefestigt; der Kern des Teams steht, die gesamte Starting Five steht mindestens noch für die kommende Saison fix unter Vertrag.

    Interessante Personalien gibt es trotzdem. Bei Josh Hart und Karl-Anthony Towns könnten Vertragsverlängerungen anstehen. José Alvarado verfügt über eine günstige Spieler-Option für die kommende Saison (4,5 Mio. Dollar) - bis zum 22. Juni kann der Backup-Guard entscheiden, ob er diese ziehen oder seinen Marktwert testen will.

    Aus der fixen Playoff-Rotation werden außerdem zwei Spieler Unrestricted Free Agents. Landry Shamet begann die Spielzeit auf einem ungarantierten Minimalvertrag, ehe er in den Playoffs zur menschlichen Fackel avancierte (11/12 Dreiern in den Conference Finals … 47,5% Dreier in den Playoffs). Es dürfte beidseitiges Interesse geben, gemeinsam weiterzumachen. Der wichtigste Free Agent allerdings wird Robinson sein.

    Ein besonderer Spezialist

    Der dienstälteste Knick war zwar in den Playoffs ein Bit-Player, der bloß 14 Minuten pro Spiel sah, und dessen Freiwurfschwäche dem Gegner immer mal wieder ein Mittel bot, den Offensivrhythmus der Knicks zu durchbrechen. In den Finals war er überdies verletzt, nachdem er sich aus ungeklärten Gründen vor der Serie den kleinen Finger an der rechten Hand brach.

    Robinson ist gleichzeitig aber ein Spieler, der Spiele durch sein Offensiv-Rebounding und oft auch seine Defense transformieren kann. Nicht aus Zufall angelte er sich den Offensiv-Rebound zur Vorentscheidung von Spiel 5 im direkten Duell mit Wemby, seinen sechsten des Spiels. In dieser Disziplin gibt es ligaweit keinen besseren Spieler; er ist für die Knicks kein Luxus, sondern eine echte Stärke und ein Sicherheitsnetz in den Spielen, in denen Towns in Foul-Trouble gerät.

    Zwar haben die Knicks im werdenden Restricted Free Agent Ariel Hukporti auch noch einen weiteren defensivstarken Big in der Reserve, und Robinson dürfte auf dem offenen Markt einige Angebote bekommen. Eine Extension für ihn könnte das ohnehin schon recht teure Team in die Second-Apron-Sphären katapultieren, in denen kein Team gerne weilt.

    Es wäre angesichts seines Stellenwerts für das Team dennoch eine vertretbare Entscheidung. Berichten zufolge haben die Knicks entsprechend auch bereits signalisiert, dass ein neuer Deal für Robinson in der Offseason klare Priorität haben wird. Welche Formen dieser annimmt und ob sie dafür anderswo Einsparungen vornehmen werden, um dem Second Apron zu entgehen, wird sich zeigen.

    Mike Brown
    Mike Brown hat die Knicks zum Titel gecoacht. Ken Blaze

    New York Knicks sind in guten Händen

    Überdies werden die Knicks an den Positionen 24, 31 und 55 draften, wenn sie ihre Picks behalten; da viele ihrer künftigen Picks aufgrund des Mikal-Bridges-Trades an die Nets gehen, könnte dies eine gute Gelegenheit darstellen, um den Kader günstig zu verjüngen und etwas breiter zu machen.

    Mike Brown hat in Jahr eins bewiesen, dass er eine tiefere Rotation spielen lässt als sein Vorgänger Tom Thibodeau, dass er die Bank entwickeln und als Stärke nutzen will, um seine Starter frisch zu halten und auch mal unterschiedliche Stilmittel bringen zu können. Dabei ist es dem Front Office um Leon Rose gut gelungen, auch auf der Resterampe (siehe Shamet) oder auf dem Trade-Markt (siehe Alvarado) günstige Optionen zu finden, die dem Team helfen konnten.

    Überhaupt, die Arbeit von Rose und Co. ist ein weiterer Trumpf auf der Knicks-Seite. Das Front Office weiß recht offensichtlich, was es tut. Der Kern, der via Trades und Free Agency über die Jahre zusammengestellt wurde, befindet sich in seinen besten Jahren (zwischen 28 und 30), kennt seine Hierarchie und sollte, wenn die Gesundheit mitspielt, auch in den kommenden Jahren einen ziemlich hohen sportlichen Level ermöglichen können.

    Natürlich garantiert all das keinen Repeat. Aus den genannten Gründen spricht sogar mehr dafür, dass kommendes Jahr wieder ein anderes Team an der Reihe sein wird. Früher oder später wird es allerdings auch wieder ein Team geben, das diesen Anti-Repeat-Fluch bricht. Mit solchen Exorzismen haben die Knicks nun immerhin einige Erfahrung.

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    Ole Frerks