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    NBA

    vor 49 Minuten

    Ein Kommentar von Julius Ostendorf

    Kann man der Salary Cap in der NBA noch vertrauen? Nein!

    Der Skandal um die Umgehung der Gehaltsobergrenze durch die Los Angeles Clippers beschäftigte die NBA über ein ganzes Jahr und endete in einer historischen Sanktion für die Franchise. Zu glauben, dass diese Strafen ähnliches Verhalten in der Zukunft verhindern werden, ist allerdings naiv. Viel mehr steht das amerikanische Sportmodell auf der Kippe.

    Steve Ballmer
    Clippers-Besitzer Steve Ballmer wurde infolge des Kawhi-Skandals für ein Jahr von der NBA gesperrt. IMAGO/ZUMA Wire

    Während im internationalen Fußballgeschäft seit jeher Geldvermögen die sportliche Vorentscheidung trifft, hat sich in den USA historisch ein anderes Modell entwickelt. Ausgerechnet in den sonst finanziell grenzenlos agierenden Vereinigten Staaten erlegen sich alle großen Sportligen einen Gehaltsdeckel auf, der für annähernde Gleichberechtigung und Wettbewerbsfähigkeit aller Teilnehmer sorgt.

    Das ist jetzt schon seit so vielen Jahrzehnten der Fall, dass man sich kaum noch ein anderes System vorstellen kann. Dabei muss man nicht zuletzt nach der Causa Leonard die Frage stellen, ob dieser Gedanke heute noch realitätsgetreu ist.

    Ja, die Liga hat den Betrug hinreichend und gründlich untersucht und anschließend ein historisch hohes Strafmaß gewählt, indem man den Clippers fünf zukünftige Erstrundenpicks aberkannte. Passieren keine Wunder, dann ist mit der Franchise in der kommenden Dekade auch weiterhin nicht zu rechnen. Aber genügt all das, um Nachahmer abzuschrecken?

    Fakt ist, dass die Liga die Einhaltung der Gehaltsobergrenze keineswegs vollumfänglich garantieren kann. Zwar müssen Teams große Teile ihrer Finanzen offenlegen und auch Spieler Werbeverträge genehmigen lassen, und doch gibt es kaum überprüfbare Schlupflöcher, wie das Beispiel Leonard zeigte.

    Investigativjournalist Pablo Torre (l.) initiierte die Aufdeckung des Skandals.
    Investigativjournalist Pablo Torre (l.) initiierte die Aufdeckung des Skandals. Getty Images for The New York Times

    Kawhi-Skandal flog nur aus Zufall auf

    Milliardenschwere Besitzer können Millionenzahlungen über Drittfirmen umleiten, Spieler können auf die Registrierung von Werbedeals ganz einfach (illegalerweise) verzichten. Steve Ballmer, Kawhi Leonard und Co. würden ja einen Teufel tun, ihre privaten Konten zur Einsicht preiszugeben.

    Dass der Betrug in diesem Fall doch aufgeflogen ist, verdankt die Liga lediglich der Insolvenz der Drittfirma Aspiration, die im Zuge der Unternehmensauflösung interne Dokumente offenlegen musste, sowie dem investigativen Journalisten Pablo Torre, dem diese Dokumente zugespielt wurden.

    Hier konnte ein langjähriges Betrugssystem dank günstiger, zufälliger Umstände aufgedeckt werden. Doch, niemand kann ernsthaft glauben, dass auf dieser Basis langfristig Vertrauen wiederhergestellt werden kann.

    Selbst NBA-Boss Adam Silver gab nach dem Board-of-Governors-Meeting dieser Tage zu: "Wir wissen, dass es in Bezug auf die Grenzen im Laufe der Jahre zu Verfehlungen gekommen ist, aber meines Wissens nach nichts dieser Art." Heißt: Ja, es ist noch viel mehr passiert, aber nicht in der Größenordnung Leonard/Clippers ... glaube ich.

    Draymond Green
    Warriors-Forward Draymond Green ist bekannt dafür, stets eine starke Meinung zu vertreten. IMAGO/ZUMA Press

    Diskursverschiebung übt zusätzlichen Druck auf die Salary Cap aus

    Silver meint, ein gutes Gespür dafür zu haben, ob innerhalb der Franchises alles mit rechten Dingen zugeht. Den Leonard-Fall ließ er aber erst nach der Torre-Recherche überprüfen. Wie ernst kann man solche Aussagen dann nehmen?

    Wie sehr das amerikanische Sportmodell unter Beschuss steht, zeigt sich allerdings nicht nur anhand von Vermutungen, die noch mehr betrügerische Aktivitäten in der Liga unterstellen, sondern auch anhand einer Diskursverschiebung.

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    Der viermalige NBA-Champion Draymond Green stellte sich in seinem Podcast nach Bekanntgabe des Strafmaßes nicht nur unverblümt hinter Kawhi Leonard und dessen Recht, so viel Geld einzustreichen, wie eben möglich, sondern zweifelte auch ganz offen am System insgesamt: "Warum gibt es überhaupt eine Gehaltsobergrenze?", fragte er. "Warum wollt ihr uns daran hindern, Geld mit Team- und Ligasponsoren oder sonst wem zu verdienen?"

    Zwar ist die Darstellung Greens zweifelhaft (Spieler werden in hohem Maße an den Umsätzen der Liga beteiligt und dürfen freilich darüber hinaus private Werbeverträge abschließen), aber selbstverständlich darf diese Frage gestellt werden. Die relevante Frage ist an diesem Punkt jedoch nicht "Warum gibt es die Salary Cap?", sondern "Ist die Salary Cap überhaupt noch umsetzbar?"

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    Julius Ostendorf