vor 1 Stunden
Neuauflage des Olympia-Dramas
Das Traumfinale der Basketball-WM ist perfekt: Die USA treffen am Sonntag auf Frankreich - und damit auf jene Mannschaft, die den großen Favoriten im Olympiafinale von Paris 2024 bis auf einen Punkt an den Rand einer Niederlage brachte. Nun bietet sich den Französinnen die Chance zur Revanche.

Die USA lösten ihr Finalticket durch ein hart erkämpftes 76:66 gegen Spanien. Lange fand das Team offensiv kaum seinen Rhythmus, ehe es sich im Schlussviertel entscheidend absetzte. "In einem Turnier wie diesem muss es nicht immer schön aussehen. Man muss einfach gewinnen", sagte Aliyah Boston nach dem Halbfinale.
Vor Frankreich hat die Center-Spielerin großen Respekt. "Sie sind extrem lang und sehr athletisch. Sie haben außerdem eine tiefe Bank", erklärte Boston. Entscheidend werde sein, gut auf den Ball aufzupassen, den offensiven Gameplan konsequent umzusetzen und das eigene hohe Tempo durchzusetzen: "Wenn wir schnell spielen, funktioniert das für uns sehr gut."
Auch Kahleah Copper erwartet ein enges Duell. "Da werden zwei großartige Mannschaften direkt aufeinandertreffen. Ich freue mich auf das Match-up und darauf, dass wir uns mit ihnen messen können", sagte die Olympiasiegerin. Aus dem dramatischen Endspiel von Paris lasse sich jedoch nur bedingt etwas ableiten: "Sie sind eine andere Mannschaft, und wir sind ebenfalls eine andere Mannschaft."
Ähnlich sieht es Breanna Stewart, Kapitänin des US-Teams und MVP beim Sieg gegen Spanien. Weniger als die Hälfte des aktuellen US-Kaders war 2024 in Paris dabei, während Frankreich noch auf einen größeren Teil seines damaligen Teams zurückgreifen kann. "Aber das ist vorbei. Wir haben dieses Spiel gewonnen. Morgen ist ein komplett neues Spiel", betonte Stewart.
Die 32-Jährige will deshalb weder den knappen Olympiasieg noch Frankreichs Revanchegedanken zu einem bestimmenden Thema werden lassen. "Wir lassen alles hinter uns und schlagen eine neue Seite auf. Es geht um ein einziges Spiel, um die Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft in Berlin zu gewinnen." Das Team müsse beim Scouting, in der Vorbereitung und auf dem Feld der Fokus sein.
Als größten Faktor sieht Stewart den Umgang mit den Emotionen, die eine Neuauflage des Olympiafinales zwangsläufig mit sich bringt. Diese könnten eine Partie schnell in die falsche Richtung kippen. "Mein Team wird voll fokussiert sein. Wir werden sehr ruhig und gefasst bleiben", kündigte sie an. Entscheidend sei, sich gegenseitig aufzubauen und auch nach Fehlern Vertrauen zu vermitteln: "Das Team, das diese Emotionen am besten kontrolliert und mit ihnen umgeht, wird einen Vorteil haben."
Frankreich geht nach dem historischen ersten WM-Finaleinzug mit viel Selbstvertrauen in das Duell. Die USA bleiben der Favorit, doch ihr mühsamer Sieg gegen Spanien hat erneut gezeigt, dass sie verwundbar sind. Gelingt es den Französinnen, mit ihrer Länge, Athletik und aggressiven Defensive den Rhythmus des Titelverteidigers zu brechen, könnte die Revanche für Paris tatsächlich gelingen.
sgm