vor 1 Tag
Minnesota steht vor einem Problem
Die Denver Nuggets haben sich Spiel 1 gegen die Minnesota Timberwolves geholt. Nikola Jokic machte dabei nicht einmal sein bestes Spiel, doch die Nuggets konnten sich diesmal auf die Bank und Jamal Murray verlassen.

Dass die Nuggets vor zwei Jahren gegen Minnesota überraschend unterlagen, wurde stets mit einem Spieler verbunden - Jamal Murray. Der Kanadier spielte damals statistisch gesehen seine schlechteste Playoff-Serie (nur 18,4 Punkte im Schnitt), die Wolves zogen dem Guard damals mit extrem physischer Defense den Zahn.
Das war auch am Samstag wieder zu sehen, doch diesmal hatte Murray mehr Antworten. 30 Punkte erzielte der erstmalige All-Star, wenn auch nicht besonders effizient. 7/22 aus dem Feld und kein verwandelter Dreier (0/8) sind kein Ruhmesblatt, doch Murray marschierte 16-mal an die Freiwurflinie - und verwandelte alle 16.
Dazu lieferte er in Phasen, in denen Denver Scoring benötigte, unter anderem, als Nikola Jokic zu Beginn des zweiten Viertels auf der Bank saß. Dort erzielte er acht Zähler, traf zwei schwierige lange Zweier und zog zweimal ein Foul, was zu Freiwürfen führte. "Für mich ist das nicht nachvollziehbar", ärgerte sich Wolves-Coach Chris Finch, als er auf Murrays Freiwürfe angesprochen wurde. Minnesota ging nur 19-mal an die Linie.
Bevorteilung Denver? Es ist immer leicht, auf die Freiwürfe zu zeigen, doch es ist eben auch eine Stilfrage. Minnesota ging wieder sehr aggressiv zu Werke und verhielt sich bisweilen einfach nicht clever gegen Murray, was zu den vielen Freiwürfen führte. "Er hat viele Freiwürfe gezogen, weil er sehr viel gefoult wurde", meinte Nuggets-Coach David Adelman nüchtern.
Hier machte sich bemerkbar, dass die Wolves den abgewanderten Nickeil Alexander-Walker vermissen. Jaden McDaniels und Ayo Dosunmu waren weniger effektiv, dazu fehlte auch die Option, dass Anthony Edwards auf den Kanadier losgelassen wird.

Denn: Edwards kann einer der besten Guard-Verteidiger der Liga sein, vor allem in den Playoffs schaltet der Ant-Mann beständig einen Gang hoch. In Spiel 1 ging das nicht, weil der Shooting Guard offensichtlich Probleme mit seinem rechten Knie hat. Jenes Knie, dass ihn bei elf der letzten 14 Partien zum Zuschauen zwang.
Edwards scorte in den vergangenen Jahren fast schon spielerisch leicht gegen die Nuggets, weil diese wenig Athletik entgegensetzen können. 22 Punkte (7/19 FG) und sieben Assists sind in dieser Hinsicht einfach zu wenig für ein Wolves-Team, welches sehr abhängig von Edwards ist. Der schnelle explosive erste Schritt war einfach nicht da, vor allem je länger das Spiel dauerte.
Ein Paradebeispiel dafür gab es Mitte des vierten Viertels, als Edwards eigentlich in guter Position für einen Defensiv-Rebound war, doch Christian Braun hinter ihm einfach deutlich höher sprang, den Ball bekam und zwei Freiwürfe zog. Einem Edwards in Topform wäre das sicherlich nicht passiert.
"Er hat über die Jahre immer mit Verletzungen gespielt", meinte Finch. "Diesmal wirkt es aber so, als es sein Spiel durchaus beeinflussen würde." Keine guten Nachrichten für die Wolves.
Und noch mehr schlechte Nachrichten. Nikola Jokic verbuchte mit 25 Punkten, 13 Rebounds und elf Assists zwar ein weiteres Triple-Double, war aber nicht so dominant wie er es sein kann. In Halbzeit eins hielt sich der Serbe fast nur am Perimeter auf, dazu kamen fünf Turnover des Centers, vier davon in der ersten Halbzeit. Erst nach dem Wechsel suchte der Joker mehr seinen Wurf - hier zogen dann die Nuggets etwas davon.
Vor der Pause gewann Denver die Minuten ohne Jokic sogar deutlich, weil Bruce Brown und Tim Hardaway Jr. wichtige Produktion lieferten. Als sich der Serbe auf die Bank setzte, lagen die Nuggets mit zehn Punkten hinten, doch die Offense brach eben nicht ein. Stattdessen machte Denver in fünf Minuten 16 Zähler und bekam ein wenig Momentum.
Das sind vielleicht Kleinigkeiten, doch die Wolves verpassten es in dieser Phase, ein Polster aufzubauen, welches sie in der zweiten Halbzeit gebraucht hätten.
Robert Arndt