11.03.2026
Erster Lockout der Geschichte droht
Die WNBA hat sich mit der Liga nicht über einen neuen Tarifvertrag zur Deadline am 10. März einigen können, weshalb nun ein Lockout bevorsteht. Wir blicken auf die Situation und beantworten alle wichtigen Fragen.

Zunächst einmal stellt sich die Frage, wie wir überhaupt an diesem Punkt angelangen konnten. Wie bei vielen Dingen im Leben lautet die kurze Antwort darauf: Geld. Die lange Antwort ist dagegen etwas komplizierter.
Die beiden Parteien verhandeln schon seit nunmehr 17 Monaten über den neuen Vertrag, wobei sich die Fronten dabei zunehmend verhärtet haben. Einfach gesagt wollen die Spielerinnen finanziell mehr am enormen Wachstum der Liga der vergangenen Jahre beteiligt werden, während die WNBA ihrerseits daran interessiert ist, Gewinn zu machen.
Trotz der Zunahme an Popularität und des steigenden Umsatzes in den vergangenen Jahren machte die WNBA nämlich weiterhin jedes Jahr mehrere Millionen Dollar Miese, vergangenes Jahr sollen es sogar 50 Mio. gewesen sein. Grund dafür sind hohe Investitionen in Marketing, Infrastruktur etc., die sich in der Zukunft auszahlen sollen, das aktuell aber noch nicht tun. Entsprechend knauserig ist die Liga auch, wenn es um die Verhandlungen bezüglich des neuen Tarifvertrags (CBA) geht.
Konkret fordert die Spielerinnengewerkschaft, vertreten durch die beiden Superstars Nneka Ogwumike und Breanna Stewart (Vizepräsidentin), dass die Spielerinnen durchschnittlich etwa 26 Prozent der Bruttoeinnahmen der Liga über die Laufzeit des Vertrages erhalten, nachdem es bisher nur rund 9,6 Prozent waren. Dazu fordern sie, wie in der NBA seit langem üblich, ein fixes Revenue-Share-Modell.
Bisher war es nämlich so, dass die Spielerinnen einen fixen Anteil an den Netto-Einnahmen der Liga bekamen. Das ist für die Liga super, da sie ihre ganzen Betriebskosten abziehen kann und die Spielerinnen nur am Netto-Umsatz beteiligen muss und zusätzlich bei steigendem Umsatz am meisten profitiert.
Das wollen die Spielerinnen aber ändern und fordern, dass diese 26 Prozent eben vom basketballrelevanten Einkommen (BRI) direkt an sie fließen. Dazu zählen Einnahmen aus Merchandising, Ticketverkäufen, TV-Deals, Sponsoring, Spieleinnahmen etc. Zum Vergleich: In der NBA bekommen die Spieler knapp 50 Prozent vom BRI. Die Folge davon wäre, dass bei steigenden Einnahmen durch TV-Deals, Tickets usw. auch der Salary Cap auch automatisch steigen würde.

Die Liga will sich darauf aber nicht einlassen und bot zuletzt an, 70 Prozent der Netto-Einnahmen an die Spielerinnen abzugeben, was rund 15 Prozent des BRI entspräche. Ein entsprechendes Angebot der Liga lehnte die Spielerinnengewerkschaft am 4. März ab und verkündete öffentlich, dass das Angebot "nicht wert ist", angenommen zu werden. Anschließend gab es laut ESPN weitere Verhandlungen, die aber auch ohne Ergebnis blieben.
Apropos Salary Cap, auch hier liegen die beiden Parteien deutlich auseinander. Die Gewerkschaft schlägt eine Gehaltsobergrenze von knapp 9,5 Mio. pro Team vor, die Liga ein Modell mit 5,75 Mio., das mit steigenden Einnahmen bis 2031 auf etwa 8,5 Mio. Dollar wachsen soll.
Dadurch, dass kein Deal zur Deadline am 10. März zustandegekommen ist, befinden sich die Spielerinnen nun inoffiziell im Lockout. Sollte er dann offiziell werden, wäre es der erste seiner Art in der 30-jährigen Geschichte der Liga. 2003 mussten schon mal die Preseason und der Draft aufgrund von CBA-Verhandlungen verschoben werden. Bereits im Dezember stimmten 98 Prozent der Spielerinnen einem potenziellen Lockout zu, sollten die Verhandlungen erfolglos bleiben.
Durch die geplatzten Verhandlungen ist nun der gesamte Zeitplan für die neue Saison in Gefahr. Diese sollte eigentlich am 8. Mai beginnen, was nun schon nicht mehr realistisch ist. Dazu steht davor noch die vielleicht wildeste Free Agency der Ligageschichte an, da mehr als 100 Spielerinnen aufgrund der potenziell steigenden Gehälter bisher keine neuen Verträge unterschrieben haben.
Dazwischen ist dann noch ein mit Talenten gespickter WNBA-Draft (13. April) geplant sowie der Expansion Draft für die zwei neuen Teams Toronto Tempo und Portland Fire, die 2026 erstmals an den Start gehen sollen, aktuell aber noch komplett in der Luft hängen. Wenn es nach den Spielerinnen geht, soll aber bald Klarheit herrschen.
| Datum | Event |
|---|---|
| 8. Mai | Start reg. Saison |
| 1. bis 19. Juni | Commissioners Cup |
| 24. und 25. Juli | WNBA-All-Star |
| 24. September | Ende reg. Saison |
| n.n. | Playoffs |
"Trotz unserer Differenzen und schwierigen Momente müssen wir ganz klar machen, dass wir fokussiert, entschlossen und geschlossen sind. Wir wollen 2026 Basketball spielen. Wir wollen vor unseren Fans stehen und das Spiel spielen, das wir lieben. Wir werden nicht aufhören, zu kämpfen. Ohne die Spielerinnen gibt es keine WNBA", erklärten die Spielerinnengewerkschaft in einem offenen Brief Anfang März.
Wie es nun weitergeht, ist komplett offen. 1998/99 dauerte der Lockout in der NBA 204 Tage, ehe die Saison dann erst im Februar begann und auf 50 Saisonspiele reduziert werden musste. Das ist natürlich ein Extrembeispiel, zeigt aber, dass sich solche Verhandlungen lange ziehen können.
Aufgrund der steigenden Popularität der vergangenen Jahre wird die Liga jedoch daran interessiert sein, bald einen neuen Deal über die Bühne zu bringen und das Momentum nicht abreißen zu lassen, zumal die beiden neuen Teams zusätzlich Druck machen werden. Es ist im Endeffekt alles nur eine Frage der Zeit, wann wieder gespielt wird. Es scheint allerdings schwer vorstellbar, dass die Liga es riskiert, dass viele Spiele dieser mit Spannung erwarteten Saison ausfallen werden.
Gianluca Fraccalvieri