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Detroit beendet Playoff-Niederlagenserie gegen Cleveland
Die Detroit Pistons haben zum Auftakt der Eastern-Conference-Halbfinalserie direkt ein Ausrufezeichen gesetzt. Nach dem 111:101 gegen die Cleveland Cavaliers sprachen die Pistons vor allem über ihre neue Mentalität - während die Cavs ihre vielen Fehler selbstkritisch analysierten.

Detroit kam mit deutlich mehr Energie aus den Startlöchern und überrollte Cleveland im ersten Viertel direkt mit 37:21. Für Pistons-Coach J.B. Bickerstaff war genau das eine Konsequenz aus der dramatischen ersten Runde gegen Orlando, in der Detroit nach einem 1:3-Rückstand noch zurückgekommen war. "Wenn du in im Grunde drei Eliminierungsspielen spielst, verstehst du die Wichtigkeit von Starts und diese Dringlichkeit", erklärte Bickerstaff. "Du verstehst, wie man Spiele beendet und wie man zu seinen Spots kommt. Und dann wächst auch der Glaube daran, dass man es schaffen kann."
Dieser neue Glaube zeigte sich besonders in den entscheidenden Minuten der Partie. Cleveland kämpfte sich zwar im vierten Viertel noch zum 93:93-Ausgleich zurück, doch Detroit antwortete sofort mit sieben Punkten in Serie. Vor allem Jalen Duren machte in der Schlussphase den Unterschied, blockte zunächst einen Wurf von James Harden und verwandelte anschließend drei Dunks in Folge nach Zuspielen von Cade Cunningham.
Gleichzeitig beendeten die Pistons ihre zwölf Spiele andauernde Playoff-Niederlagenserie gegen Cleveland, die bis in die Eastern Conference Finals 2007 zurückgereicht hatte. Zudem führt Detroit erstmals seit den East Semifinals 2008 gegen Orlando wieder eine Playoff-Serie an.
Cunningham sah darin vor allem die gewachsene Reife seines Teams. "Wir haben schon viel erlebt und viele Situationen gesehen", sagte der All-Star nach dem Spiel. "Wir haben einfach gelesen, wie sie uns verteidigen und versucht, den bestmöglichen Wurf zu bekommen." Duren ging sogar noch weiter und erklärte, dass die Pistons trotz ihres erfolgreichen Comebacks gegen Orlando weiterhin mit einer gewissen Underdog-Mentalität auftreten. "Wir spielen immer noch so, als wären wir mit dem Rücken zur Wand", sagte der Big Man und verwies auf die angesprochene Dringlichkeit innerhalb des Teams: "Jeder Ballbesitz zählt."
Auch Duncan Robinson betonte, dass die Energie und vor allem die Tiefe längst zur Identität der Pistons geworden seien. Alle fünf Starter punkteten zweistellig, Cunningham führte Detroit mit 23 Punkten und sieben Assists an, Tobias Harris steuerte 20 Punkte bei und Robinson traf fünf Dreier für 19 Zähler. "Das ist unsere Identität das ganze Jahr gewesen", sagte Robinson. "Diese Energie und solche Auftritte bekommen wir praktisch von eins bis elf oder zwölf Spielern."

Auf der Gegenseite haderte Cleveland vor allem mit den eigenen Ballverlusten. Insgesamt leisteten sich die Cavaliers 20 Turnover, aus denen Detroit 31 Punkte erzielte. Besonders James Harden (7 TO) nahm die Verantwortung dafür auf sich. "Viele dieser Ballverluste lagen einfach an mir und nicht daran, was sie gemacht haben. Das waren viel zu viele." Der Guard bezeichnete die Turnover sogar als spielentscheidend: "Wenn ich auf eine Sache zeigen müsste, die das Spiel entschieden hat, dann genau das."
Auch Dennis Schröder leistete sich in nur 16 Minuten Spielzeit vier Ballverluste, von denen einige durchaus vermeidbar waren.
Trotz der Niederlage sah Harden aber auch positive Ansätze bei den Cavaliers. "Abgesehen davon haben wir eigentlich ein ziemlich solides Spiel gemacht", erklärte er. "Aber ich muss besser sein. Ich werde besser sein, den Ball nicht verlieren und Abschlüsse kreieren. Das gibt unserer Defense die Chance, rechtzeitig zurückzukommen." Donovan Mitchell kam zwar auf 23 Punkte, verpasste jedoch erstmals nach neun Serien-Auftakten in Folge die 30-Punkte-Marke.
Sam Müller