vor 7 Stunden
Nächste "unnötige Niederlage" für die Bayern
In der Bundesliga ist der FC Bayern ungeschlagen, in der EuroLeague steht er nach vier Spieltagen bei einem einzigen Sieg. Bezeichnend ist dabei aber vor allem das Zustandekommen. Nach dem 87:94 gegen Virtus Bologna richtete Trainer Anton Gavel erstmals klare Worte an sein Team.

Die Schlussphase im SAP Garden lieferte das Lehrstück gleich mit. Bayern war nach einem 21:35 im ersten Viertel mehrfach in Schlagdistanz, doch in den letzten Minuten häuften sich die Fehler. 15 Ballverluste standen am Ende zu Buche, allein MarJon Beauchamp verlor in der Crunchtime dreimal hintereinander den Ball.
"Unsere Execution war einfach nicht gut", sagte Gavel auf der Pressekonferenz. Man habe die vorbereiteten Sachen nicht durchgezogen, "sondern wir sind ausgestiegen oder waren undiszipliniert. Und das kostet uns das Spiel." Seine Mannschaft habe versucht, alles mit Hero Ball zu lösen, "was es bei uns nicht geben darf".
Der Kontrast zur Liga könnte kaum größer sein. In der BBL führt der Vizemeister die Tabelle mit drei Siegen aus drei Spielen an, Meister Alba Berlin wurde Ende September mit 95:61 aus dem BMW Park geschickt, am vergangenen Wochenende besiegte man das bis dato ungeschlagene Oldenburg mit fast 60 Punkten Vorsprung. In Europa dagegen stehen nach vier Spieltagen ein Sieg und drei Niederlagen sowie Tabellenplatz 18 zu Buche.
| Datum | Gegner | Ergebnis | Knackpunkt |
|---|---|---|---|
| 24.09.2026 | Hapoel Tel Aviv | 86:84 (S) | 18-Punkte-Führung im Schlussviertel fast verspielt |
| 29.09.2026 | Fenerbahce Istanbul | 76:100 (N) | klar unterlegen |
| 02.10.2026 | Partizan Belgrad | 84:86 (N) | 81:74 vier Minuten vor Schluss |
| 08.10.2026 | Virtus Bologna | 87:94 (N) | Aufholjagd scheitert an Ballverlusten |
Schon der Auftakt am 24. September hätte als Warnung taugen können. Bei Hapoel Tel Aviv, das seine Heimspiele in Sofia austrägt, führte Bayern im Schlussviertel mit 18 Punkten und lag 34 Sekunden vor dem Ende trotzdem mit 83:84 hinten. Erst ein Dreier von Johannes Voigtmann rettete das 86:84.
Gegen Partizan Belgrad ging das Spiel mit dem Feuer ebenfalls schief. Die Münchner führten im dritten Viertel mit 65:52 und vier Minuten vor Schluss noch mit 81:74, dann folgte ein 0:9-Lauf der Serben. Ein Fehlpass 24 Sekunden vor dem Ende besiegelte das 84:86, Johannes Thiemann sprach anschließend von einer "unnötigen Niederlage".
Gegen Bologna lief es andersherum, das Ergebnis war dasselbe. Nach dem 21:35 im ersten Viertel kämpfte sich Bayern zurück, Andreas Obst verkürzte in der 23. Minute per Dreier auf 52:55 - postwendend folgte ein 0:9-Lauf. "Jedes Mal, wenn wir die Chance hatten, auf drei oder fünf Punkte heranzukommen, hatten wir eine schlechte Offensiv-Execution", sagte Gavel.

Woran es hakt, benannte der Trainer ohne Umschweife. Seine Spieler vergäßen teilweise die Plays oder versuchten, Situationen "mit der Brechstange" zu lösen, erklärte Gavel. Gerade gegen athletische Mannschaften wie Bologna "werde das aber kaum funktionieren".
Ex-NBA-Spieler Marjon Beauchamp, mit 15 Punkten und neun Rebounds einer der Besten, nahm die späten Fehler auf seine Kappe. "Wir sind nah dran, es sind nur ein paar Fehler", sagte der US-Amerikaner nach dem Spiel gegenüber basketball-world.news. "Am Ende hatte ich drei Turnover in Folge. In engen Spielen wie diesem darfst du dir das nicht erlauben."
Der Flügelspieler sieht auch ein strukturelles Problem: Viele Gegner würden die Münchner Spielzüge inzwischen kennen, also brauche es Alternativen und besseres Spacing. Der Hebel liege aber hinten, so Beauchamp: Mehr Stopps bedeuteten mehr leichte Punkte im Umschaltspiel, statt sich jedes Mal im Halbfeld gegen gut organisierte Defensiven abzumühen.
Eine Ausrede will Gavel aus dem engen Terminkalender nicht machen, obwohl die Preseason nur wenige Trainingseinheiten zuließ. Das gelte für die anderen Mannschaften genauso, sagte der Coach und nahm sich selbst in die Pflicht: Er müsse die Mannschaft besser auf das vorbereiten, was jetzt komme. Auch die beiden Trainingstage vor Bologna hätten schon nicht gut ausgesehen.
Viel Zeit zur Aufarbeitung bleibt nicht. Bereits am Samstag um 16 Uhr gastiert Bayern in Chemnitz, danach folgen am 14. Oktober das Auswärtsspiel bei Anadolu Efes und zwei Tage später das bei Besiktas. "Da müssen die Siege herkommen", sagte Gavel, die Mannschaft müsse sich an die eigene Nase fassen und die Leistung steigern. Blickt man auf die vergangenen Wochen, wird das aber wohl kaum reichen. Es sind die letzten fünf Minuten, die Kopfzerbrechen bereiten.
Julius Ostendorf