26.10.2024
Auch Olympiakos wird im SAP Garden geschlagen
Der FC Bayern München bleibt daheim in der EuroLeague ungeschlagen. Auch das Spitzenteam Olympiakos Piräus wurde geschlagen. Der Start in die Saison ist geglückt, dennoch merkte Coach Gordon Herbert an, dass sein Team noch auf der Suche sei.

Gordon Herbert ist kein Trainer, der nach Spielen große Worte wählt. Während ein Andrea Trinchieri stets in bunten Bildern die Leistung seiner Mannschaft beschrieb, ist Herbert zumeist recht nüchtern, selten ist ein markiger Spruch dabei oder eine Aussage, die die Augenbraue nach oben schnellen lässt.
Nach dem dritten Heimsieg (84:80) gegen das Starensemble von Olympiakos Piräus mit den NBA-Rückkehrern Sasha Vezenkov und Evan Fournier sowie weiteren zahlreichen europäischen Topspielern war das anders. Als er von einem griechischen Journalisten nach der Wichtigkeit einer guten Bayern-Mannschaft für den deutschen Basketball gefragt wurde, nutzte Herbert die Chance, um seinem Team eine Message zu senden.
"Wir haben erst fünf Spiele absolviert. Ich kann die Frage erst nach Weihnachten beantworten", meinte Herbert und holte aus. "Haben wir eine Identität? Nicht wirklich. Wir sind noch auf der Suche, aber heute war ein guter Schritt in die richtige Richtung". Für den Moment bleiben die Bayern eine kleine Wundertüte, jeder der drei Heimsiege war knapp, alle Spiele standen bis zum Ende auf des Messers Schneide.
In diesen Momenten gelangen den Münchnern stets wichtige Stops, vorne richteten es dann jeweils Shabazz Napier - er traf in der Schlussminute von draußen den wichtigsten Wurf - und Carsen Edwards (30 Punkte) mit teils überragendem Shotmaking. Über 40 Minuten konnten die Bayern aber noch nie konstant ihr Level halten, kurz vor der Pause fing man sich einen 0:15-Lauf, der an vielen Abenden dem Team das Genick hätte brechen können.
Solche Phasen haben die Bayern in jedem Spiel. Mal stagniert die Offense, mal sind es unerklärliche Ballverluste, schlechte defensive Rotationen oder einfach ein schneller Fastbreak des Gegners. In jedem Spiel haben die Bayern gefühlt ein anderes Problem, die Partie gegen Olympiakos war wie von Herbert angesprochen, die bislang kompletteste Vorstellung mit einigen kleineren Schönheitsfehlern.
Wenn sich aber eines durch diese ersten fünf Spiele in der EuroLeague zieht, dann ist es der Umgang mit Rückschlägen. Mit Ausnahme des Paris-Spiels lagen die Münchner immer mal zweistellig hinten, zu Hause konnten nun bereits zwei dieser Partien gedreht werden und können im Hinblick auf eine potenzielle Playoff-Teilnahme eminent wichtig sein. Satte acht Teams stehen bei 3-2, nur Zalgiris mit Ex-Bayern-Coach Trinchieri und der FC Barcelona weisen eine bessere Bilanz auf (4-1).
Umso wichtiger war dieser, umso logischer war es, dass Herbert wieder nur neun Mann einsetzte und Edwards wie schon gegen Paris die zweite Halbzeit durchspielte. "Nach dem Spiel wurde mir gesagt, dass Carsen nochmal 40 Minuten hätte spielen können", witzelte Herbert, der von "Superman-Minuten" für einige seiner Spieler sprach. Während bei Piräus außer Vezenkov (27:25 Minuten) kein Spieler über 24 Minuten sah, knackten bei den Bayern gleich vier Spieler die 28 Minuten. Für den Moment sprechen die Ergebnisse für sich, über eine Saison mit 80 Spielen wird dies schwer beizuhalten sein.
Einer der "Supermen" - Nick Weiler-Babb (10 Punkte, 9 Assists) - spielte das im Anschluss herunter: "Dafür gibt es die Preseason. Man legt die Grundlagen, um seinen Körper darauf vorzubereiten", meinte der Guard, der zum Start der zweiten Halbzeit mit drei verwandelten Sprungwürfen voranging und nach der Partie von Herbert explizit gelobt wurde.
Seine Toughness stand sinnbildlich für die Bayern, auch er kämpfte sich nach verhaltenem Beginn in die Partie und schaffte es, die letzten acht Minuten ohne ein weiteres Foul durch die Partie zu kommen.
Weiler-Babb richtete auch schon den Blick nach vorne, die kommende Woche könnte erste Aufschlüsse darüber liefern, wohin die Reise für die Bayern in der EuroLeague geht. Noch warten die Bayern auf einen Sieg in der Fremde, nun geht es an einem weiteren Doppelspieltag erst nach Bologna und dann nach Lyon zu ASVEL, beides Teams, die eher unter den Bayern anzusiedeln sind.
"Diese Mannschaften haben auch gute Spieler und in jedem Spiel eine Chance", warnte Weiler-Babb und forderte sogleich: "Wir müssen nun aber auch mal in der Fremde gewinnen, wenn wir uns eine gute Position erarbeiten wollen." Und womöglich kristallisiert sich dann auch besser heraus, wie es um die Identität der Mannschaft bestellt ist.
rar