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    NBA

    vor 1 Stunden

    Anwärter im Westen

    Herausforderer der Spurs und Thunder: Lakers am gefährlichsten? Muss Jokic abreißen lassen?

    Die Spurs und Thunder schweben über allem. Kann ihnen dennoch jemand gefährlich werden? Lassen die neuen Lakers bewusst eine Lücke, um an anderer Stelle Gegner zu überfallen? Entwickeln sich die Rockets endlich wie erhofft? Haben die Wolves mit Jonathan Kuminga und LaMelo Ball die richtige Mischung gefunden? Und weshalb könnte es für Nikola Jokic und die Nuggets kompliziert werden? Ein Blick auf die (möglichen) Herausforderer der beiden Top-Teams im Westen …

    Victor Wembanyama und Nikola Jokic könnten sich wieder große Duelle liefern.
    Victor Wembanyama und Nikola Jokic könnten sich wieder große Duelle liefern. Getty Images

    Minnesota Timberwolves

    Groß war die Stichprobe nicht. 349 Minuten absolvierte Jonathan Kuminga nach seinem Wechsel vergangene Saison für die Hawks. Nicht genug für finale Schlüsse. Dass Atlanta mit seinem Forward laut Cleaning the Glass pro hundert Ballbesitze 9,7 Punkte weniger zuließ, Kuminga auf seiner Position damit im 97. Perzentil steht, illustriert dennoch, was sich die Wolves erhoffen.

    Anthony Edwards sei während Minnesotas Werbeprozesses extrem aktiv gewesen, verriet Kumingas Agent Aaron Turner The Athletic. "Eine Sache, auf die er seine Botschaft konzentrierte: Hier werden wir richtig verteidigen. Jeder blickte ans offensive Ende. JK und ich fokussierten uns mehr auf die Defense."

    Mit seiner Athletik und Explosivität gilt Kuminga als potenziell hervorragender Verteidiger. Nun möchte er das Narrativ dauerhaft mit Leben füllen, und die Wolves könnten extrem profitieren. Dass der Champion von 2022 durch seine physischen Voraussetzungen körperlich die Lücke füllen kann, die die Trades von Julius Randle und Naz Reid hinterließen, ist fast ausdiskutiert. Theorie gewinnt nur keine Serien.

    • Minnesotas Kuminga-Wette: Wie kann dieser Fit funktionieren?
    • Minnesota Timberwolves: Alle Spieler, Verträge und Gehälter

    Umso sinnvoller wirkt Edwards’ und Kumingas Ansatz. Kann der Neue defensiv dort ansetzen, wo Jaden McDaniels mangels Breite aufhören muss, größere Gegenspieler verteidigen, sie hetzen, besäße Minnesota mit den beiden, ANT sowie Gobert vier gute bis exzellente Verteidiger. Das kann selbst LaMelo Ball kaum zerstören - während er sich ganz auf seine Kernkompetenz konzentrieren kann.

    Offensiv, auch das ist intensiv besprochen, nimmt der Point Guard Edwards Last und erlaubt Minnesotas Bestem, sich wieder (fast) ausschließlich seiner Hauptaufgabe zu widmen: Bälle oft, unnachgiebig, gern auch brachial durch den Ring befördern. Dank seiner schnellen Entscheidungsfindung dürfte Ball ANT auch kaum Anteile nehmen. Es könnte harmonieren.

    Wie gut Kuminga in die Rechnung passt, muss sich zeigen. All die Versprechen, druckvolle Defense und spektakuläre Offense konstant in die Realität zu übersetzen, es bleibt bislang das große Loch in seinem NBA-Lebenslauf. Dass es geht, verraten kleine Dosen. Wie damals, als Kuminga den Knicks in Spiel drei der zweiten Runde 21 Punkte einschenkte, 64,3 Prozent seiner Würfe und zwei von vier Dreiern traf und Atlanta mit 2-1 in Führung brachte.

    Die Wolves begreift der ehemalige Warrior als Chance, sein Image wieder aufzupolieren, das zuletzt arg an seiner Inkonstanz sowie den offensiven Scheuklappen litt. Für Minnesota ist Kuminga eine Chance, ein vollständiges, wenn auch etwas eigenartiges Basketballteam zu werden. Eines, das offensiv und defensiv Druck machen kann. Dazu muss vieles funktionieren.

    Klappt es, ziehen ein elitäre Point Guard und einer der besten Offensivguards der Liga die Fäden, während einer der besten Flügel- und Point-of-Attack Defender Ballführende hetzt und einer der besten Ringbeschützer der vergangenen Jahre die Zone dicht hält. Dazu käme ein athletischer Wing, der vorne und hinten Lücken schließt. Ein solches Team ist extrem gefährlich.

    Kam von den Hornets nach Minnesota: LaMelo Ball.
    Kam von den Hornets nach Minnesota: LaMelo Ball. IMAGO/Marty Jean Louis

    Die Kehrseite: Angesichts seiner Reboundschwäche sollte Kuminga Randles und Reids Abgänge am Brett nur schwer kompensieren können. Zudem haben die Wolves mit ANT, Ball, Kuminga und Gobert nun vier in ihren Reihen, die über ihre Karriere nicht immer als einfach galten. Abseits von Ayo Dosunmu und ohne den Langzeitverletzungen Donte DiVincenzo (Achillessehnenriss) stellen sich zudem Fragen in Sachen Tiefe - und was Victor Wembanyama vergangene Playoffs mit Gobert anstellte, ist bekannt…

    Houston Rockets

    Wer sind eigentlich die Houston Rockets? Ein junges Team, irgendwo auf dem Weg einer Entwicklungsreise? Oder eine ambitionierte Franchise, die eigentlich besser heute als morgen gewinnen möchte? Wahrscheinlich wollen die Rockets tatsächlich. Nur haben sie dafür noch ein gutes Stück Entwicklung vor sich.

    Dass Fred vanVleet nach seinem Kreuzbandriss zurückkehrt, dürfte, sofern er annähernd sein altes Niveau erreicht, helfen. Ebenso die Verpflichtung von Marcus Smart. Beide sollten den Ball wieder etwas mehr aus den Händen von Amen Thompson nehmen, der damit weniger Point-Guard-Aufgaben übernehmen muss, was sein Spiel stimulieren könnte. Erstrecht mithilfe der Lektionen der vergangenen Saison.

    Überhaupt Thompson: Der Flügel ist wahrscheinlich Houstons größter Hebel auf dem Weg Richtung Spitze. Obwohl er 2025/26 sehr viel (womöglich zu viel) Verantwortung am Ball übernehmen musste, machte Thompson wieder einen Schritt nach vorne. Seine Explosivität, vor allem defensiv, teilt er sich ligaweit eigentlich nur mit seinem Zwillingsbruder Ausar.

    • Houston Rockets: Alle Spieler, Verträge und Gehälter

    Offensiv wirkt Amen jedoch bereits jetzt geschliffener. Und wer weiß, was Chip Engelland bewirkt. Den Shooting-Guru verpflichteten die Rockets im Sommer. Er soll allen, vor allem Thomson, dabei helfen, den Wurf zu verbessern - was angesichts von 21,9 Prozent von draußen in drei Jahren auch zwingend notwendig ist. Vielleicht bekommt auch Jabari Smith Jr. mehr Konstanz in seine Versuche aus der Distanz (36,3 Prozent 3FG).

    Beides wäre für eine in den Playoffs sehr zittrige und einfallslose Offense essenziell. Ebenso mehr Harmonie. Ein wenig spielten die Rockets wie sie wirkten: wie ein Team, das irgendwie noch keinen gemeinsamen Rhythmus gefunden hat, auch auf persönlicher Ebene. Genügen ein Sommer und vanVleet, der als guter Teamguy gilt?

    Ein Team mit Kevin Durant hat offensiv immer eine Exitstrategie, wobei KD individuell zwar vergangene Saison glänzte, an der überschaubaren Teamchemie aber nicht schuldlos zu sein schien. Umso wichtiger, dass Reed Sheppard in Jahr drei noch mal einen Sprung macht und sich noch mehr Vertrauen von Coach Ime Udoka erspielt. Das Shooting des Guards ist für ein Team, dem es an Schützen und damit Raum fehlt essenziell und arbeitet im Sommer offenbar extrem hart an seine Physis und ist für Udoka so vielleicht spielbarer.

    Der Coach liebt Physis - und Rebounding. Während der ersten Saisonhälfte stellte Houston auch deshalb eine der besten Offenses der Liga, weil das Team trotz schwacher Quoten viel warf, um dann den Offensivrebound einzusammeln. Steven Adams war ja da. Bis er nicht mehr da war. Als der Center wegen einer Fußverletzung für den Rest der Saison ausfiel, ging es bergab. Adams ist exzellent am offensiven Brett, ein guter Center, war am Ende aber ein Stück zu wichtig.

    Insgesamt sollte sich der Coaching Staff einen vielseitigeren offensiven Plan zurechtlegen. Einen, bei dem Alperen Sengün sowohl am Zonenrand abschließen als auch seine Passfähigkeiten nutzen kann. Ebenso einen, der Platz für Sheppard findet und Thompson Raum für seinen explosiven Zug in die Zone gibt. Houston braucht mehr offensive Kontrolle und Vielseitigkeit.

    Star-Duo in Houston: Kevin Durant und Alperen Sengün.
    Star-Duo in Houston: Kevin Durant und Alperen Sengün. Troy Taormina-Imagn Images

    Physisch können die Rockets mit San Antonio und OKC mithalten. Beide scheinen in punkto offensiver Vielseitigkeit allerdings ein gutes Stück voraus zu sein.

    Los Angeles Lakers

    Dass die Lakers mit Austin Reaves, verteidigenden Schützen wie Quentin Grimes und dem großen Ringbeschützer und offensiven Blocksteller Walker Kessler nun ein Team, sehr nach Luka Doncic’ Geschmack sind, dürfte bekannt sein. Bleibt die Frage, wie weit der Philosophiewechsel trägt.

    Gerade die beiden Topteams im Westen scheinen den Lakers in Sachen Two-Way-Fähigkeiten überlegen zu sein. Defensiv offenbaren weder die Spurs noch OKC die Angriffsfläche, die die Lakers mit Doncic und Reaves bieten. Das mindert, Stand jetzt, die Chancen auf den ganz tiefen Playoff-Run.

    Gleichzeitig scheint Doncic maximal motiviert zu sein. Bereits im August lud er das Team zum gemeinsamen Training nach Slowenien ein, und womöglich entsteht eine gewisse Underdog-Dynamik, die das Team trägt - weil Doncic es noch mehr trägt.

    • Los Angeles Lakers: Alle Spieler, Verträge und Gehälter

    Sieben Mal knackte Luka im März die 40-, davon zwei Mal die 50- und einmal die 60 Punkte, im gesamten Monat verlor LA nur zwei Spiele. Spielt Doncic auf MVP-Level, und das kann er, ist viel möglich. Zumal die Lakers mit den neuen ein stringenteres Team sind. Mehr konzentriert sich um Doncic und auch Reaves.

    Was das reine Talentlevel angeht, schmerzt der Verlust von LeBron James natürlich. Gleichzeitig könnte Coach JJ Redick aus den neuen Lakers eine Einheit formen, die schwer zu bespielen ist. Zumal der Fokus offenbar sehr darauf liegt, das perfekte offensive Ökosystem plus Ringbeschützer hinten zu schaffen.

    Luka Doncic ist ohne LeBron James künftig der Franchise-Star der Lakers.
    Luka Doncic ist ohne LeBron James künftig der Franchise-Star der Lakers. picture alliance / ASSOCIATED PRESS

    Eine perfekte Defense können die Lakers mit Reaves und Doncic kaum basteln. Doch sie können hart spielen und Luka sowie Reaves vorne den nötigen Platz schaffen, um Defenses gnadenlos auseinander zu nehmen. Womöglich sind sie damit der gefährlichste Herausforderer der beiden Top-Teams…

    Denver Nuggets

    Mit Nikola Jokic und Jamal Murray bleibt den Nuggets ein exzellentes Fundament. Drumherum bilden sich jedoch so viele Fragezeichen wie lange nicht. In Tim Hardaway Jr. verlor Denver seinen besten Scorer von der Bank, zudem einen seiner besten Schützen, mit Jonas Valanciunas seinen Backup-Center. Vor allem tradeten die Nuggets Peyton Watson nach Cleveland - was die Verbesserungsaussichten deutlich eintrübt.

    Minnesota konnte dem Favoriten während der Playoffs auch deshalb derart starke Schmerzen zufügen, weil Denver niemanden hatte, der Jaden McDaniels, Anthony Edwards oder Ayo Dosnumu Athletik hätte entgegensetzen können. Die Nuggets wirkten langsam, behäbig. Watson, der verletzt fehlte, wäre das Gegenmittel gewesen. Auch für kommende Saison.

    • Denver Nuggets: Alle Spieler, Verträge und Gehälter

    Nun wirken die Nuggets weiter langsam und behäbig. Gerade im Vergleich zu den Topteams im Westen. Zumal nach den vergangenen beiden Jahren nicht klar ist, wie fit Aaron Gordon durch die Saison und vor allem die Playoffs kommt. Um mitzuhalten, bräuchte Denver theoretisch mehr Athletik. Stattdessen verloren die Nuggets Explosivität.

    Die Denver Nuggets um Superstar Nikola Jokic.
    Die Denver Nuggets um Superstar Nikola Jokic. Ron Chenoy-Imagn Images

    Interessant wird, wie gut Alpha Diallo, der beste Verteidiger der vergangenen Euroleauge-Saison, seine Defensivkunst auf die NBA übersetzen kann. Womöglich haben die Nuggets mit dem Forward eine Wildcard. Wichtig wird auch sein, inwieweit Christian Braun wieder an seine Leistung von vor zwei Jahren anknüpft.

    Wegen diverser Verletzungen fand Murrays Partner im Backcourt nie in die vergangene Saison. Abschreiben sollte ihn deshalb niemand. Gleiches gilt für Cameron Johnson, dessen erste Spielzeit in Denver enttäuschend verlief. Bringt der Forward sein Shooting, seine Fähigkeiten beim Attackieren mit Ball im zweiten Jahr besser ein? Es wäre essenziell.

    DeMar DeRozan gibt den Nuggets eine zusätzlich Angriffsoption. Noch dazu eine autarke: Unabhängig von seiner Umgebung kann DeRozan scoren. Defense und Explosivität dürfte er mit 37 aber nicht mehr bringen. Viel ruht damit mal wieder auf Jokic - und das hat oft genug funktioniert. Mit Blick auf die anderen Teams scheint Denver allerdings den Anschluss zu verlieren.

    • Die Spielpläne aller 30 NBA-Teams für die Saison 2026/27

    Max Marbeiter