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    NBA

    vor 7 Stunden

    NBA-Star exklusiv

    Hartenstein verzichtete auf Gehalt: "Wollte unbedingt bei diesem Team bleiben"

    Lange war Isaiah Hartenstein der deutschen Öffentlichkeit verborgen geblieben. Nun ist der NBA-Star der Oklahoma City Thunder hierzulande so aktiv wie nie zuvor. Im exklusiven Interview nannte der Champion von 2025 die Gründe dafür. Außerdem sprach er über die Playoff-Serie gegen Wemby sowie sein nahendes Comeback in der Nationalmannschaft.

    Isaiah Hartenstein wurde 2025 mit OKC Champion.
    Isaiah Hartenstein wurde 2025 mit OKC Champion. Troy Wayrynen-Imagn Images

    Unser Gespräch mit Isaiah Hartenstein fand am Rande des "Hart Of The Court"-Events in Ulm statt, das der NBA-Star zusammen mit seinem Ausrüster Skechers sowie Bundesligist ratiopharm Ulm abgehalten hat.

    Es war die zweite Ausgabe dieses Events nach dem Auftakt im vergangenen Jahr. Auch diesmal standen wieder jede Menge Streetball-Aktivitäten auf dem Programm: Eins-gegen-Eins-Turnier, 3x3-Turnier und Dunk-Contest. Dabei ging es um ein Preisgeld im fünfstelligen Bereich. Mit von der Partie waren nicht nur zahlreiche BBL-Stars wie Kostja Mushidi und Kevin Yebo, sondern auch Hartenstein selbst, der das gesamte Wochenende vor Ort begleitete und sich jede Menge Zeit für Fans und Medien nahm.

    Herr Hartenstein, Comeback in der Nationalmannschaft, Einstieg in Ulm und Streetball-Events auf dem OrangeCampus - Sie sind so aktiv in Deutschland wie nie zuvor. Woher kommt dieses neuerliche Engagement?

    Isaiah Hartenstein: Ich möchte etwas zurückgeben. Ich war in der glücklichen Situation, meine Träume verwirklichen zu können. Jetzt überlege ich, wie ich helfen kann: Ob das nun in Deutschland ist oder in OKC - ich versuche, so viel wie möglich zurückzugeben. Ich hatte damals das große Privileg, dass mein Vater da war, der selbst Profi war. Jetzt bin ich in einer Position, in der ich Leuten helfen kann, die vielleicht nicht dieses Umfeld haben. Wenn ich am Ende des Tages zurückblicke und nur einem Menschen geholfen habe, seinen Traum zu leben, dann werde ich glücklich sein.

    Hart of the Court
    Isaiah Hartenstein (2. v. l.) mit den Siegern im 3x3 bei Hart of the Court. Nicolas Leissner

    Dabei helfen auch Events wie dieses, welches Sie zusammen mit Ihrem Ausrüster Skechers abhalten. Sind Sie auch ein Sneakerhead?

    Ich bin als riesiger Sneakerhead aufgewachsen, mein Vater ist ebenfalls einer. Skechers ist neu im Basketballbereich und ich wollte einfach mit einer Marke zusammenarbeiten, mit der ich etwas aufbauen kann. Sie wollen dem deutschen Basketball wirklich etwas zurückgeben und ihn pushen. Für mich war auch wichtig: Mir haben früher oft die Füße wehgetan. Jetzt Schuhe zu haben, die gut aussehen und in denen ich mich nach dem Spiel wohlfühle, war für mich besonders cool.

    Hartenstein: Darum hat es gegen die Spurs nicht gereicht

    Kommen wir zur NBA. Die Playoff-Niederlage gegen die Spurs hat Ihnen in diesem Jahr die Titelverteidigung mit OKC vermasselt. Die Serie war sehr umkämpft. Entsteht da gerade die nächste große Rivalität der NBA?

    Das war eine richtig gute Serie. Einige Dinge sind nicht ideal gelaufen, zum Beispiel die Verletzungen - und trotzdem hatten wir eine Chance zu gewinnen. Es gab vielleicht nicht so viel Liebe auf dem Feld, aber ich glaube, so muss es auch sein. Beide Teams wollten unbedingt gewinnen. Wenn man zwei Teams hat, die sich so ähnlich sind und in denen die Spieler so eng miteinander verbunden sind, will man einfach für seine Jungs gewinnen. Man hat gemerkt, dass da zwei Top-Teams auf dem Platz standen, die alles dafür geben wollten, um zu gewinnen.

    Warum hat es am Ende dennoch nicht für Sie gereicht?

    Wir haben im siebten Spiel ohne zwei unserer besten Scorer gespielt. Das hat es natürlich erschwert. Wenn wir einfach wieder gesund sind und auf diesem Top-Niveau spielen können, sieht das gut aus. Aber wir wollen jetzt keine Ausreden suchen, deshalb haben wir nicht verloren. Sie haben verdient gewonnen. Wir sind kein Team, das sagt, der Gegner hätte nur wegen dieser oder jener Sache gewonnen. Wir gehen wieder in die Saison rein und wissen, dass wir da oben mitspielen können und man manchmal eben auch ein bisschen Glück braucht. In unserer Titelsaison waren wir verletzungsfrei. Das Gleiche galt jetzt für New York.

    Sie gehen nicht mehr als Titelverteidiger in die neue Saison. Nimmt das etwas Last von den Schultern?

    Wir sind ein Team, das diese Zielscheibe immer noch auf dem Rücken hat. Das ist das Business in der NBA: Man verdient gut, man kann sich um seine Familie kümmern, gleichzeitig muss man damit umgehen, dass die Medien bestimmte Themen pushen. Man bekommt dann schnell eine Zielscheibe verpasst. Wir sind aber zufrieden damit, wir wollen mit diesem Druck spielen. Erst wenn man diesen Druck hat, weiß man, dass man etwas gut macht.

    Hartenstein verzichtete auf Geld: "Wollte unbedingt bei diesem Team bleiben"

    Ihr Verbleib in Oklahoma City war nach dem Saisonende nicht gesichert. Jetzt haben Sie einen neuen Dreijahresvertrag unterschrieben. Wie wichtig war es Ihnen, Teil dieses Projekts zu bleiben?

    Ich wollte unbedingt für längere Zeit in diesem Team bleiben und weiterhin bei einem Titelkandidaten spielen. Natürlich kennt man auch seinen Marktwert. Der war schon höher als das, was wir da ausgehandelt haben. Aber wegen des Second Aprons und der Art, wie das Team zusammengestellt ist, musste ich halt etwas weniger nehmen. Es ist natürlich immer noch viel Geld, aber es ist eben schon eine Gehaltskürzung, die ich für das Team in Kauf nehmen musste.

    Andere Spieler mussten hingegen gehen. Lu Dort ist ein prominentes Beispiel, der bis dato der "älteste Thunder" in der Mannschaft war. Was machen Wechsel wie diese mit einem Team, das sich über seine Zusammengehörigkeit definiert?

    Es schwingt immer eine menschliche Komponente mit. Man verbringt über die ganze Saison hinweg wahrscheinlich mehr Zeit mit seinen Mitspielern als mit der eigenen Familie. Man wächst also schon sehr eng zusammen. Aber am Ende des Tages wissen wir alle, dass es ein Business ist. Ich glaube, Sam Presti [General Manager der Thunder, Anm. d. Red.] hat ihn wenigstens in eine gute Situation gebracht. Es gibt viele General Manager, die Spieler einfach zu irgendeinem anderen Verein schicken, wo sie keine Chance haben, zu gewinnen oder sich gut zu präsentieren. So weiß ich wenigstens, dass er in einer guten Situation ist und spielen kann. Aber wir alle wissen, dass es ein Geschäft ist und man nie weiß, was passieren wird. Wenn Luka [Doncic] getradet wird, dann kannst du auch getradet werden.

    Hartenstein übt Kritik an Salary-Cap-Regeln: "Hat den Spielern nicht wirklich geholfen"

    Grund für die Veränderungen sind ja, zumindest teilweise, die verschärften Salary-Cap-Regeln mitsamt des First und Second Aprons. Die Kritik daran wird lauter …

    Für uns ist das immer schwierig. Diese Regeln wurden damals aufgrund des Wechsels von Kevin Durant zu den Golden State Warriors eingeführt, damit man nicht zu viele Spieler auf diesem hohen Niveau in einem Team versammeln kann. Aber aktuell klappt das nicht so, wie man sich das gedacht hat. Wir sind ein Team, das Spieler selbst aufgebaut hat, die dann wegen des Second Aprons wieder getradet werden müssen. Das ist schade. Auch bei meinem Vertrag war es das Problem. Es ist ja nicht so, dass das Team dich nicht bezahlen will. Aber wenn man im Second Apron ist, ist es nicht mehr nur eine finanzielle Frage, sondern man wird auch bei Trades stark eingeschränkt. Das macht es für ein Team richtig schwer und ich glaube, letztlich hat es den Spielern auch nicht wirklich geholfen.

    Sie haben jetzt eine lange Saison hinter sich. Dennoch haben Sie sich bewusst dafür entschieden, in diesem Sommer Ihr Comeback in der Nationalmannschaft zu geben. Hat das etwas mit dem "Commitment" zu tun, das DBB-Kapitän Dennis Schröder seit Jahren einfordert?

    Auf jeden Fall will ich das Commitment zeigen. Aber jede Saison ist anders und jeder Körper ist anders. Nicht jeder braucht das Gleiche. Manche Spieler brauchen im Sommer mehr Zeit für Reha-Maßnahmen. Aber am Ende des Tages will ich spielen und dieses Commitment zeigen.

    DBB-Comeback? "Viele in Deutschland sehen das vielleicht ein bisschen anders"

    Sie sind nun erstmals seit über acht Jahren wieder dabei. Wie sehr freuen Sie sich auf die Spiele im August?

    Ich freue mich sehr. Ich wollte eigentlich in den letzten zwei Jahren schon spielen. Ich bin da immer ehrlich: In den ersten vier, fünf Jahren musste ich mich in der NBA beweisen. Da war es mir wichtig, was die Teams denken und wie ich mich dort etablieren kann. Es hieß oft, ich solle lieber dableiben und trainieren. Aber jetzt, wo ich fest in der NBA etabliert bin und meine Rolle gefunden habe, wollte ich immer spielen und etwas zurückgeben. Ich bin sehr froh, wieder dabei zu sein.

    Hartenstein absolvierte sein letztes Länderspiel im Februar 2018.
    Hartenstein absolvierte sein letztes Länderspiel im Februar 2018. imago/Nordphoto

    Viele in Deutschland sehen das vielleicht ein bisschen anders und denken, ich hätte nicht so viel Commitment gezeigt. Aber ich versuche im Hintergrund, dem deutschen Basketball so viel wie möglich zurückzugeben. Ich hatte in manchen Sommern einfach viel Pech wegen Verletzungen und Reha-Maßnahmen. Am Ende des Tages will ich spielen - und das nicht nur für mich. Ich möchte der nächsten Generation helfen und den deutschen Basketball so pushen, dass der Sport, wenn mein Sohn hoffentlich irgendwann spielt, noch viel größer ist. Ich möchte, dass man zurückblicken und sagen kann: Wir haben wirklich etwas für den deutschen Basketball getan.

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    Das Erfolgsteam der vergangenen Jahre ist im Kern immer gleichgeblieben. Wie schwer könnte es da werden, sich in diesem Gefüge einzufinden?

    Sehr einfach. Wenn du dir meine NBA-Karriere ansiehst: Ich war schon in einigen Teams und bin da immer sehr leicht reingekommen. So wie ich spiele, mache ich meinen Mitspielern das Leben einfacher. Bei den Jungs, die wir im Kader haben, gibt es ohnehin niemanden, mit dem es schwierig wäre, zusammenzuspielen. Für mich wird das nicht schwer. Ich weiß, wie man mit anderen agiert, wie ich mich einbinden soll und wie viel oder wenig von mir gefragt ist.

    Das bevorstehende Länderspielfenster ist das erste gemeinsame in dieser Konstellation und könnte auch das letzte vor der WM 2027 sein...

    Ja, wir schauen auf die WM nächstes Jahr. Man will diese Teamchemie aufbauen und einfach mit den Leuten zusammen sein. Während der NBA-Saison hat man nie die Zeit, so viel miteinander zu reden und diese Chemie wirklich zu entwickeln.

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    Interview: Julius Ostendorf