vor 6 Stunden
Ist der All-Star noch unantastbar?
Schon seit Beginn der Halbfinalserie gegen die San Antonio Spurs war Thunder-Big Chet Holmgren Kritik ausgesetzt. Nach seiner "No-Show" im entscheidenden siebten Spiel sind die negativen Stimmen sogar existenzieller Natur. Widerspruch gab es von OKC-Trainer Mark Daigneault.

Vier Punkte, zwei Abschlüsse (1/2 FG, 2/4 FW), vier Rebounds und zwei Blocks. Der Arbeitsnachweis von Chet Holmgren in fast 33 Minuten Spielzeit in Game 7 gegen die Spurs liest sich ernüchternd - vor allem für einen amtierenden All-Star. Es war der Abschluss einer insgesamt schwachen Serie für den Center, verglichen mit seiner ansonsten starken Spielzeit.
| reg. Saison | Serie vs. Spurs | |
|---|---|---|
| Punkte | 17,1 | 10,7 |
| FG | 55,7% | 51,0% |
| Dreier | 36,2% | 27,3% |
| Rebounds | 8,9 | 7,1 |
"Einiges davon geht auf mich", sagte OKC-Trainer Mark Daigneault nach dem Playoff-Aus über die offensiv wenig ansprechende Leistung seines Schützlings. "Es liegt auch daran, wie unser Spiel ausgerichtet ist. Das kann man ihm nicht komplett anlasten." Damit entkräftet der Basketballlehrer zwar die Kritik etwas, aber auch "nicht komplett".
Noch deutlicher in seiner Kritik wurde Ex-OKC-Spieler Kendrick Perkins in seiner Expertenrolle für ESPN: "Holmgren hatte Angst, dagegenzuhalten."
Holmgren selbst stellte sich nach Spielende durchaus den Fragen der Medienvertreter, ging auf seine eigene Leistung allerdings nicht wirklich ein. "Ich muss mir das Spiel nochmal anschauen. Aber ich hatte schon das Gefühl, dass wir es gut gemacht haben, an viele gute Spots gekommen sind und den Ball gut bewegt haben."
Ebenfalls unbeantwortet blieb die Nachfrage nach der vermeintlichen Rivalität mit Gegenspieler Victor Wembanyama. Der Franzose hatte in der Vergangenheit immer wieder gegen Holmgren gestichelt, nicht zuletzt mit einem unprovozierten Bodycheck in Spiel 5. "Am Ende des Tages geht es uns nur darum, ein Basketballspiel zu gewinnen Als Team. Darum wird es immer gehen."

Kritiker wie Perkins werfen dem Thunder-Center vor, in der vom Spurs-Star initiierten Fehde sich nicht ausreichend behauptet zu haben. Wie auch nach Spiel 7 hatte Holmgren die Kommentare Wembanyamas ausnahmslos ignoriert oder unkommentiert gelassen, während sich dieser dadurch noch mehr zu motivieren versuchte.
"Wemby hat ihn nicht nur regelrecht fertiggemacht, sondern ihm auch das Herz geraubt. Er hat ihm die Seele entrissen", wurde Perkins deutlich, der jetzt darüber hinaus eine Reaktion von Kaderplaner Sam Presti fordert. Schließlich würden sich Thunder und Spurs in den kommenden Jahren noch viele Male begegnen. Daher brauche es einen Center, der Wembanyama gewachsen ist. Dabei brachte er auch den Namen Giannis Antetokounmpo ins Gespräch. Der Grieche steht zwar noch in Milwaukee unter Vertrag, sein Abgang im laufenden Sommer gilt allerdings bereits als abgemachte Sache. Unklar ist bislang nur seine Destination.
Klar ist: Die Thunder sitzen noch immer auf einem vollgepackten Draftarsenal. Allein für die kommenden zwei Jahre (2026, 2027) stehen sechs Erstrundenpicks zur Verfügung. Gleichzeitig setzt in der kommenden Saison Holmgrens Maximalvertrag von über 41 Millionen Dollar Jahresgehalt ein. Stand jetzt ist OKC in der kommenden Saison das mit Abstand teuerste Team und klar im Bereich des Second Apron, der mit einigen gravierenden Sanktionen seitens der NBA einhergeht, wie der Einfrierung von Draftpicks, dem Wegfall von Trade-Ausnahmen und dem Verbot, mehr Gehalt aufzunehmen als abzugeben.
jos