04.02.2026
Ehemaliger MVP mit letzter Chance auf einen Titel?
Die Cleveland Cavaliers fuhren im Vorjahr 64 Siege ein und sind in dieser Saison Vierter im Westen. Dennoch rissen sie ihren Kern aus vier Stars für James Harden auseinander. Ergibt das Sinn und bringt Cleveland näher zu einem Titel?

Wenn man den Cavs in diesen Tagen etwas nicht vorwerfen kann, dann ist es fehlender Tatendrang. Über Jahre hielt Cleveland das Fundament um Darius Garland, Donovan Mitchell, Evan Mobley und Jarrett Allen zusammen, obwohl es immer wieder leichte Zweifel gab, ob diese Konstruktion wirklich Erfolg haben kann.
Zuletzt war zweimal in der zweiten Playoff-Runde Schluss, 2025 reichte es auch trotz des Top-Seeds und satten 64 Siegen nicht für mehr. In dieser Saison rumpelte es dagegen ein wenig, auch wenn die schwache Eastern Conference dies nicht so bestraft wie in anderen Jahren. Eine Bilanz von 30-21 reicht derzeit für Platz vier, doch mit dem teuren Kader sowie den hohen Erwartungen war dies zu wenig.
Auch die zahlreichen kleineren Verletzungen von Darius Garland spielten hierbei eine Rolle. Der Spielmacher absolvierte in nur einer Saison mehr als 70 Partien, in der Hälfte seiner Zeit bei den Cavs waren es weniger als 60. In dieser Spielzeit fehlte die Effizienz (Cleveland verlor sogar die Minuten mit Garland), nur in seiner Rookie-Saison traf Garland schlechter von draußen als 2025/26 (36,0 Prozent).
| Harden | Stat | Garland |
|---|---|---|
| 44 | Spiele | 26 |
| 25,4 | Punkte | 18,0 |
| 8.1 | Assists | 6,9 |
| 3,7 | Turnover | 2,8 |
| 41,9 | FG% | 45,1 |
| 34,7 | 3P% | 36,0 |
| 90,1 | FT% | 86,1 |
So blieb vieles an Backcourt-Partner Donovan Mitchell hängen, der zwar eine Monster-Saison spielt, aber Cleveland offensiv nicht allein schultern kann. Der All-Star kann 2027 aus seinem Vertrag aussteigen, womöglich sahen die Cavs auch darum die Not zu reagieren, um Mitchell zu zeigen, dass die Franchise alles auf Erfolg auslegt.
Dennis Schröder wurde zur Entlastung geholt - und nun eben Harden, der das Spiel gerne kontrolliert und den Ball in den Händen hält. Mit 36 Jahren hat der ehemalige MVP aber nicht mehr viel Zeit, gleichzeitig spielt Harden auf einem so hohen Niveau, wie man es ihm eigentlich nicht mehr zugetraut hätte.
Was ihn von Garland unterscheidet, ist seine Verfügbarkeit. Auch im hohen Alter verpasst der frühere Rockets-Star kaum ein Spiel und spult in dieser Saison auch über 35 Minuten pro Spiel ab. Die Frage ist nun, ob es mit Mitchell passt, der ebenfalls sehr gerne den Ball in der Hand hat. Bei den Clippers deutete Harden zumindest an, dass er auch abseits der Kugel inzwischen mehr Gefahr ausstrahlt, auch Mitchell kann das.

Zudem wird Coach Kenny Atkinson dafür sorgen, dass die Minuten der beiden so gestaffelt sind, dass zumindest einer der beiden immer auf dem Feld stehen wird. Dazu ist Harden auch defensiv ein Upgrade - ein Satz, der absurd klingt, aber womöglich wahr ist. Clevelands kleiner Backcourt mit Garland (1,85 Meter) und Mitchell (1,88 Meter) war stets anfällig, der bullige Harden (1,96 Meter) ist zumindest in der Lage physisch zu sein und in der Defense auf den Flügel auszuweichen.
Gleichzeitig schwingt bei Harden und den Playoffs stets eine gewisse Skepsis mit. Seine Geschichte mit teils unerklärlich schwachen Auftritten, vor allem in Do-or-Die-Spielen, ist belegt, in fast jeder Saison lässt sich mindestens einer dieser Aussetzer finden. Das muss man stets einrechnen.
Aber: Auch die Cavs bekleckerten sich in den vergangenen Jahren in den Serien mit New York, Orlando oder Indiana in dieser Hinsicht nicht mit Ruhm. Ohne einen fitten Garland wäre es vermutlich wieder schnell in den Playoffs Essig gewesen, sodass dieser Trade vertretbar ist, auch wenn man Garland für einen alternden Superstar eintauschte.
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| J. Harden | D. Mitchell | J. Tyson | E. Mobley | J. Allen |
| D. Schröder | S. Merrill | K. Ellis | D. Wade | T. Bryant |
| C. Porter Jr. | T. Proctor | M. Strus | - | L. Nance Jr. |
| L. Ball | - | - | - | - |
Da die Cavs zudem ein Second-Apron-Team sind, konnten sie auch kein weiteres Geld aufnehmen. Da Garland und Harden fast das Gleiche verdienen, war die Akquise des 36-Jährigen fast schon das Beste, was mit eingeschränkter Flexibilität möglich war.
Ein Risiko schwingt natürlich mit. Harden wird - auch das zeigt die Vergangenheit - im Sommer auf einen neuen (hoch dotierten) Vertrag pochen, dazu stehen im Sommer Verhandlungen mit Mitchell an. Die kommenden Monate werden richtungsweisend für Cleveland, die auf jeden Fall zu den Finals-Anwärtern im Osten zu zählen sind. Ob es klappt? Wer weiß, aber Tatenlosigkeit kann man der Franchise sicher nicht vorwerfen.
Robert Arndt