vor 12 Stunden
DBB-Team überzeugt nur ein Viertel
Nach wochenlanger Sommerpause startet Deutschland zunächst moderat in den optionalen Supercup und dreht dann doch beeindruckend auf. Dass Bundestrainer den Abend "unglücklich" in Erinnerung behält, ist der inzwischen Normalität gewordene deutsche Luxus.

Ein dezenter Rost war der deutschen Nationalmannschaft zunächst anzumerken. Defensiv war wenig Zug drin, was insbesondere BBL-Spieler Richard Balint von den Bamberg Baskets eiskalt bestrafte. Wirklich gefährlich wurde Tschechien dem DBB-Team allerdings nie. Es brauchte nur ein ernstgemeintes Viertel, da war die Messe am Freitagabend auch schon gelesen und Deutschland fürs Supercup-Finale qualifiziert.
So einfach über die erste Halbzeit hinweggehen wollte die Beteiligten im Anschluss dann allerdings nicht. "Ich bin mit unserer ersten Halbzeit ganz sicher nicht glücklich", sagte ein scheinbar immer noch konsternierter Bundestrainer Alex Mumbru am MagentaSport-Mikrofon. Dabei hatte nur Minuten zuvor die Sirene einen Schlussstrich unter den 115:82-Kantersieg seiner Mannschaft gezogen. +33 Punkte lautete die eindeutige Differenz.
Den Katalanen schien das wenig zu interessieren: "Wir waren nicht wir selbst", machte er seinem Unmut weiter Luft. "Wir sind immer zu spät in den Aktionen gewesen. Unsere Ballbewegung war nicht gut. Selbst in der zweiten Hälfte, in der es ein bisschen besser war, lief es noch nicht perfekt. Ich bin mit dem heutigen Spiel nicht glücklich."
Ähnlich äußerte sich auch Kay Bruhnke. Der Forward von Rytas Vilnius gestand ein, dass sein Team den Gameplan zunächst "gar nicht" durchgezogen habe. "Wir haben geschwächelt. Wir haben eher auf deren Niveau gespielt als auf unserem."
In der zweiten Halbzeit habe das DBB-Team dann "den Ton setzen" wollen, was durchaus auch gelang. Der dritte Durchgang ging mit 36:17 an die Hausherren. Die gesamte zweite Hälfte sogar mit 65:33.
Die Ernsthaftigkeit der Aussagen zeigt das veränderte und längst verinnerlichte Selbstverständnis, mit dem die deutschen Basketballer heutzutage auftreten. Freilich ist Tschechien kein guter Gradmesser. Dennoch war zu erwarten, dass nach wochenlanger Urlaubspause und mageren vier Trainingstagen nicht sofort alle Räder ineinandergreifen würden. Auch kann wohl niemand ahnen, dass Balint 19 Punkte in einer Halbzeit erzielt und das Spiel damit bis zur Pause ansatzweise spannend gestaltete.
Dass man gegen diese junge Tschechen zur Pause jedoch nur mit einem Zähler führte, kratzte dann wohl doch etwas am mühselig aufgebauten Stolz der letzten Jahre. Und das ist ein gutes Zeichen. Deutschland ist Welt- und Europameister - und will diesen internationalen Status beibehalten.

Die Weltmeisterschaft steigt erst im kommenden Jahr. Ein anderes wichtiges Event steht 2026 nicht mehr an. Das Schlagwort "Commitment" war aber dennoch heute so allgegenwärtig, wie in den vergangenen Turnierjahren. Das Aufbauen von Chemie mit personellen Änderungen beginnt deshalb schon heute.
Umso glücklicher war Mumbru auch, dass mit Hartenstein und Hukporti zwei Spieler von der Bank aus mitfieberten, wenngleich sie verletzungsbedingt nicht selbst eingreifen konnten: "Das bedeutet mir eine Menge, und genauso dem Team", versicherte der EM-Erfolgstrainer und begründete das mit dem Aufbau einer gemeinsamen Teamidentität: "Es sind nicht die besten Spieler, die das beste Team machen. Man braucht eine Atmosphäre, man braucht Zeit zusammen."
Bis zum bereits heute Abend stattfindenden Supercup-Finale gegen Kroatien wird es davon allerdings nicht viel geben. Mumbru betont: "Wir müssen uns für morgen verbessern. Wir gehen einen Schritt nach dem anderen."
Julius Ostendorf