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Coach Splitter gibt sich skeptisch
Noa Essengue sorgte einst in der Basketball-Bundesliga für ratiopharm Ulm für Aufsehen. Der Youngster wurde von den Chicago Bulls früh gedraftet, doch nach nur einem Jahr stehen bereits die ersten Fragezeichen hinter der Zukunft des Franzosen.

Ein gutes Jahr ist es her, als ratiopharm Ulm auf die Bayern in den BBL-Finals traf und eine Debatte darüber geführt wurde, warum die Finalserie so spät stattfindet. Grund war die Kollision mit dem NBA Draft, die die Youngster Noa Essengue und Ben Saraf in eine schwierige Situation brachte.
Saraf blieb, Essengue reiste dagegen in die USA und die Ulmer unterlagen den Bayern in fünf Spielen. Einen Vorwurf machte dem damals 18-Jährigen keiner, am Ende zahlte es sich aus und die Chicago Bulls schlugen an Position 12 zu. Als Langzeitprojekt wurde der schüchterne Forward angekündigt und schon nach den ersten Wochen sah man, warum.
Essengue spielte fast gar nicht und sollte zunächst in der G-League Fuß fassen, doch im Dezember musste der Youngster wegen einer Schulterverletzung unters Messer. Zeit zum Empfehlen blieb da wenig, dann wurde im Sommer auch noch Tabula Rasa im Front Office gemacht und mit Tiago Splitter sitzt nun ein anderer Coach an der Seitenlinie.
Und das, was Splitter vor dem Start der Summer League sagte, war nicht besonders euphorisch. "Er hat letztes Jahr kaum gespielt. Er ist so lang, kann dribbeln und ein bisschen werfen, da sind die Erwartungen natürlich höher. Aber so ehrlich muss ich sein, ich würde ihn zunächst einmal gerne in einem Spiel erleben."
Das, was Essengue dann in Las Vegas zeigte, war jedoch ernüchternd. In vier Partien und knapp 19 Minuten im Schnitt erzielte er 6,5 Punkte, 4,5 Rebounds sowie 1,8 Blocks und traf lediglich 44 Prozent aus dem Feld. Im zweiten Spiel wurde der Franzose sogar auf die Bank gesetzt. Zitat Splitter: "Ich habe mir mehr von ihm erwartet."

Die fehlende Physis ist weiterhin ein Problem. Immer wieder ging Essengue zu leicht zu Boden und ließ sich einfach wegschieben, was auch den brasilianischen Coach irritierte. "Ich habe dafür ehrlich gesagt keine Antwort", versuchte es Splitter wegzulächeln.
Es zeigt, dass Essengue vermutlich wirklich noch einige Zeit braucht, bevor er bereit für die NBA ist. Doch hat das neue Front Office Geduld? Normalerweise zeigen Teams eben jene, wenn es um junge Spieler geht, die erst recht frisch gedraftet wurden. Dazu bauen die Bulls ohnehin wieder neu auf, mit den Playoffs werden sie nichts zu tun haben. Und doch ist es leichter, sich zu trennen, da das Front Office immer sagen kann, dass sie es nicht waren, die den Spieler geholt haben.
Auf der Forward-Position hat Chicago zudem mit Matas Buzelis und Nr.-4-Pick Caleb Wilson andere Youngster, die schon mehr gezeigt haben und womöglich auch talentierter sind. Umso schwieriger wird es, für Essengue Minuten zu finden. Überhaupt fehlt derzeit noch die Vision, was ihn zu einem NBA-Spieler machen könnte. Eigentlich müssten die Bulls diese Saison dafür nutzen, Essengue die nötigen Freiheiten zu geben. Gleichzeitig ist der Franzose offensichtlich nicht dafür bereit.
Es ist eine verzwickte Situation und zeigt, wie schwer es sein kann, in der NBA Fuß zu fassen, vor allem für junge Europäer.
Robert Arndt