vor 16 Stunden
Frankfurt in der Offseason-Analyse
Die Skyliners Frankfurt kehren in dieser Saison nach acht Jahren wieder auf die internationale Bühne zurück. Die langfristigen Ambitionen in der Mainmetropole sind groß, doch noch müssen beim Ex-Meister kleinere Brötchen gebacken werden.

In Frankfurt wird groß gedacht. In der FAZ kündigte Klubchef Gunnar Wöbke an, dass man in fünf Jahren wieder auf dem höchsten europäischen Level spielen wolle. Ob dies EuroLeague oder NBA Europe ist, das ist zweitrangig, doch wenn 2030 die neue Arena im Stadtwald eröffnet werden soll, dann muss auch ein konkurrenzfähiges Team bereit stehen.
Die ersten Schritte gingen die Skyliners in diesem Sommer, nach acht Jahren kehrt Frankfurt in den EuroCup zurück und hat dort zunächst eine Lizenz über drei Jahre erhalten. "Wir wollen bis 2030 dort im Finale stehen", kündigte Wöbke an, dazu will man sich natürlich auch in der easycredit BBL nach oben arbeiten und wenn möglich zeitnah wieder in den Playoffs stehen.
Kein leichtes Unterfangen, schließlich haben die Skyliners nun auch mindestens 14 Spiele mehr als in der Vorsaison. Dass dies kein Pappenstiel ist, wissen unter anderem die Towers aus Hamburg, die mit der Doppelbelastung so ihre Schwierigkeiten hatten. Und auch der Frankfurter Kader ist nicht wirklich üppig bestückt. Mit Isaiah Swope, Till Pape und Will Christmas konnten zumindest die drei besten Scorer gehalten werden, sie bilden das Fundament für die Mannschaft.
Dazu verstärkten sich die Skyliners im Backcourt prominent mit dem Pass-First-Spielmacher Ryan Arcidiacono (257 NBA-Spiele) und BBL-Routinier Tommy Klepeisz, der die deutsche Rotation massiv aufwertet. Hier bliebt natürlich die Frage, ob der gebürtige Österreicher eine ganze Saison fit bleiben kann. Starten dürfte auf der Eins aber Judah Mintz, der in der Türkei 15 Punkte im Schnitt machte, allerdings kein guter Schütze ist. Marcus Garrett war dagegen nur wenige Wochen da, das Engagement wurde schnell beendet.
Deutlich spärlicher präsentiert sich der Frontcourt, weswegen man davon ausgehen kann, dass Coach Klaus Perwas auch mit kleinen Lineups experimentieren wird. Nationalspieler Till Pape ist als Stretch Four eine Bank, dazu kam im Sommer mit Roman Bedime ein flexibler Big Man aus Chemnitz. Dieser hat aber Probleme an der Schulter, eine Operation steht im Raum.
So wird vieles von Race Thompson abhängen, der aber selbst nur 2,03 Meter groß ist. Dieser schoss immerhin fast 40 Prozent Dreier in Polen, war aber auf dem College ein eher mäßiger Schütze. Dennoch ist seine Kombination aus Shooting und Shotblocking sehr interessant. Überhaupt gibt es viele gute Schützen im Kader, Spielmacher Mintz mal ausgenommen.
Und dann sind da noch die Youngster. Albert-Schweitzer-MVP Jaime Edoka durfte zwar schon ein wenig schnuppern, wartet aber noch auf seinen Durchbruch bei Skyliners. Gleiches gilt für Ivan Crnjac, der ebenfalls Jugend-Nationalspieler ist. Durch den deutlich kompakteren Spielplan könnten die beiden nun womöglich mehr Einsatzzeiten bekommen.

| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| J. Mintz | T. Klepeisz | W. Christmas | T. Pape | R. Thompson |
| R. Arcidiacono | I. Swope | N. Alleyne | R. Bedime | J. Knauf |
| J. Edoka | D. Nikolic | R. Caisin | M. Pölking | |
| I. Crnjac |
Zugänge: Roman Bedime (Chemnitz), Race Thompson (Legia Warschau), Tommy Klepeisz (Ulm), Judah Mintz (Manisa Basket), Ryan Arcidiacono (Osos de Manati)
Abgänge: Garai Zeeb (Bremerhaven), Logan Johnson, Jacob Holt (Brisbane), Tyger Campbell, Ryan Hawkins (Bosna)
Nach acht und zwölf Siegen in den vergangenen beiden Jahren wollen die Hessen den Trend fortsetzen und sich nach dem Wiederaufstieg weiter in der easycredit BBL etablieren. Der Kader kommt zumindest deutlich breiter daher, das ist für den EuroCup aber auch notwendig.
Die Doppelbelastung ist dennoch nicht zu unterschätzen, dafür sieht es vor allem auf den großen Positionen nicht besonders rosig aus. Thompson muss fast schon einschlagen, sonst muss Frankfurt hier noch einmal nachlegen - erst recht, wenn Bedime länger fehlen wird. Das Potenzial, zumindest die Play-Ins zu erreichen, ist aber definitiv da.
Robert Arndt