basketball-world header logo
    • Basketball Heute
    • Schlagzeilen
    • Videos
    • Wettbewerbe
  • USA
    • NBA
    • WNBA
    • NCAA
  • Deutschland
    • BBL
    • DBBL
    • Pro A
    • BBL Pokal
  • Europa
    • EuroLeague
    • Eurocup
    • Champions League
    • FIBA Europe Cup
  • FIBA World Cup
    • Basketball-WM
    • WM der Frauen in Berlin
  • Sonstiges
    • Wir über uns
    • Instagram
    • Facebook
    • Linkedin
    • Impressum
    • Datenschutz
    • Nutzungsbedingungen
Partner des kicker.de

    Basketball - EuroLeague

    vor 4 Stunden

    Litauer kommt nach Kreuzbandriss immer besser in Fahrt

    Gleicher Rokas, neue Bayern: Jokubaitis mit Verzögerung zum Star?

    384 Tage nach seinem Kreuzbandriss steht Rokas Jokubaitis endlich für den FC Bayern auf dem Parkett - in einem Klub, in dem kaum noch etwas so ist wie bei seiner Unterschrift. Der Litauer sagt, er sei derselbe Spieler wie vor der Verletzung, sein Trainer sagt, so weit sei er noch nicht. Wer recht behält, entscheidet sich auf einer Position, auf der es gerade ziemlich eng wird.

    Rokas Jokubaitis
    Rokas Jokubaitis galt vergangene Saison als Münchner Startransfer. IMAGO/Oryk HAIST

    Es waren keine Sätze, die man von einem Spieler erwartet, der gerade erst sein drittes Pflichtspiel für den FC Bayern bestritten hatte. "Was wir in der ersten Halbzeit von uns gesehen haben, war kein Basketball", sagte Rokas Jokubaitis nach dem 76:100 bei Fenerbahce Istanbul am 29. September. Die Münchner hätten dem Gegner von Beginn an zu viel gegeben, "wir hatten zu viel Respekt". Schon zur Pause stand es 31:50, am Ende waren es 100 Gegenpunkte - für Jokubaitis schlicht eine schwache Leistung.

    Mit zwölf Punkten war der Spielmacher hinter Duane Washington Jr. zweitbester Münchner Werfer, bei der Analyse nahm er trotzdem die ganze Mannschaft in die Pflicht. Vor allem die Vorbereitung kritisierte er: Die Bayern hätten sich nicht gut genug auf die einzelnen Gegenspieler eingestellt und die Partie nicht als große Herausforderung angenommen. Seine Schlussfolgerung klang wie eine Arbeitsanweisung an die Kabine: "Wir müssen es vor unseren Fans besser machen."

    Die Ansage passt zu dem, was sich der Litauer in München vorgenommen hat. Schon bei seiner Verpflichtung im August 2025 hatte er angekündigt: "Ich möchte bei Bayern viel Verantwortung übernehmen und glaube an dieses Projekt." Knapp 14 Monate, einen Kreuzbandriss und zwei Trainerwechsel später ist der Anspruch derselbe - nur das Projekt sieht inzwischen ganz anders aus.

    Jokubaitis
    Jokubaitis verzückte die Basketballwelt bei der EM 2025 mit seinen Leistungen, ehe er sich das Kreuzband riss. IMAGO/Alexander Trienitz

    384 Tage zwischen Tampere und Bamberg

    Der Einschnitt kam am 1. September 2025 im finnischen Tampere. Im EM-Gruppenspiel gegen Finnland, das Litauen 78:81 verlor, zog Jokubaitis zu Beginn des Schlussviertels zum Korb und verletzte sich bei einem unglücklichen Kontakt am linken Knie. Die Diagnose: Riss des vorderen Kreuzbands, dazu ein Meniskusschaden. Bayerns damaliger Sportchef Dragan Tarlac nannte die Verletzung "vor allem für Rokas niederschmetternd" und versprach: "Wir warten auf ihn."

    Der Zeitpunkt hätte kaum ungünstiger sein können. Mit Maccabi Tel Aviv hatte Jokubaitis in der EuroLeague-Saison 2024/25 im Schnitt 12,6 Punkte und 4,6 Assists aufgelegt, zum EM-Auftakt gegen Großbritannien kam er in weniger als 18 Minuten auf zwölf Punkte und sechs Vorlagen. Es sei "im schlechtesten Moment" passiert, sagte er später dem Portal Eurohoops, "weil ich den besten Basketball meiner Karriere gespielt habe". Am härtesten seien in der Reha der fünfte und der sechste Monat gewesen, erzählte er im Sommer im Interview mit heidelberg24 - als sich der Körper bereit anfühlte, er der Mannschaft aber trotzdem nicht helfen konnte.

    Am 29. August 2026 stand Jokubaitis im Testspiel gegen Ulm (91:86) erstmals im Bayern-Trikot auf dem Feld, am 20. September folgte beim 108:72 gegen die Bamberg Baskets das Pflichtspieldebüt. Zwischen Verletzung und Comeback lagen 384 Tage, auf dem Statistikbogen standen am Ende sieben Punkte. Was ihm das lange Jahr gezeigt hat, fasste der 25-Jährige in einem Satz zusammen: "Ohne Basketball bin ich nicht derselbe Mensch."

    Kopf gegen Knie

    Ob nun der Kopf oder das Knie der größere Gegner sei, wollte ein Reporter beim Pressegespräch vor dem Heimspiel gegen Virtus Bologna wissen. Das Knie fühle sich gut an, antwortete Jokubaitis, und auch mental gehe es ihm großartig: "Ich habe keine Angst, wenn ich aufs Feld gehe - das ist das Wichtigste." Inzwischen denke er ehrlich gesagt nicht einmal mehr an die Verletzung, alles laufe "besser als erwartet".

    Dass in BBL und EuroLeague nach seiner Rechnung 80 bis 90 Spiele pro Saison zusammenkommen, sieht der Litauer als Vorteil: Nach einem schwachen Auftritt komme die nächste Chance schnell, der Rhythmus kehre durch Wettkampf zurück. Werde die Belastung zu groß, stimmten sich Physios und Ärzte ab und gönnten ihm eine Pause - beim 95:61 gegen Alba Berlin am 26. September blieb er ebenso wie Justinian Jessup und Johannes Voigtmann ohne Einsatz. In seinen fünf Pflichtspielen kommt Jokubaitis bislang auf 40 Punkte, also acht pro Partie. Die Bestmarke setzte er mit zwölf Zählern ausgerechnet in Istanbul.

    Bayerns Saisonstart 2026/27

    DatumWettbewerbGegnerErgebnisPunkte JokubaitisBester Bayern-Werfer
    20.09.2026BBLBamberg Baskets (H)108:727Voigtmann und Jessup (je 15)
    24.09.2026EuroLeagueHapoel Tel Aviv (A, in Sofia)86:846 (dazu 6 Assists)Obst (19)
    26.09.2026BBLAlba Berlin (H)95:61nicht eingesetztda Silva und Baldwin (je 14)
    29.09.2026EuroLeagueFenerbahce Istanbul (A)76:10012Washington (20)
    02.10.2026EuroLeaguePartizan Belgrad (H)84:865Washington (20)
    04.10.2026BBLEWE Baskets Oldenburg (H)113:6010Washington (19)

    Anton Gavel wählt die vorsichtigeren Worte. Man wisse, dass Jokubaitis noch nicht dort sei, wo er selbst sein wolle oder wo er vor der Verletzung gewesen sei, sagte der Bayern-Coach beim selben Termin: "Das ist absolut normal." Jokubaitis gebe sich Mühe und sei immer positiv, bis er wieder "der alte Rokas" sei, werde es aber noch dauern. Es gehe eben nicht nur um Jokubaitis' Zustand, "sondern darum, dass wir mit ihm die Spiele gewinnen".

    Svetislav Pesic, Gordon Herbert
    Svetislav Pesic und Gordon Herbert scheiterten mit den Münchnern in der vergangenen Saison. imago/Eibner

    Drei Trainer später

    Als Jokubaitis am 12. August 2025 seinen Vertrag bis 2028 unterschrieb, war der FC Bayern amtierender deutscher Meister, an der Seitenlinie stand Weltmeistertrainer Gordon Herbert, Sportchef war Dragan Tarlac. Von diesen drei Konstanten ist keine geblieben. Herbert musste am 20. Dezember 2025 nach einer Niederlagenserie gehen, für den Rest der Saison übernahm der damals 76-jährige Svetislav Pesic.

    Einen Titel brachte auch die Rückkehr des Altmeisters nicht. In der EuroLeague beendeten die Bayern die Hauptrunde mit einer Bilanz von 17:21 und verpassten das Play-in, im Pokal war im Halbfinale gegen Bamberg Schluss. Im BBL-Finale führten die Münchner gegen Alba Berlin schon 2:1, ehe sie das entscheidende fünfte Spiel am 21. Juni trotz zweistelliger Führung mit 81:84 verloren - es war das letzte Spiel der Trainerkarriere von Pesic.

    Beim Umbau im Sommer wurde Thorsten Leibenath aus Ulm neuer Sportdirektor, neuer Cheftrainer wurde Anton Gavel, der Bamberg zuvor zum Pokalsieg geführt hatte und zum BBL-Trainer des Jahres gewählt worden war. Rund die Hälfte der Spieler sei neu, dazu das Trainerteam, schätzt Jokubaitis. Was sich für ihn am meisten verändert habe? "Der größte Unterschied ist, dass ich dem Team endlich helfen kann - und es nicht nur von der Seitenlinie aus unterstütze", sagte er, die vielen Wechsel bereiteten ihm "wirklich keine Sorgen".

    Was sich seit der Jokubaitis-Verpflichtung verändert hat

    BereichAugust 2025Oktober 2026
    CheftrainerGordon HerbertAnton Gavel
    Trainer dazwischen-Svetislav Pesic (Dezember 2025 bis Juni 2026)
    SportchefDragan TarlacThorsten Leibenath
    Status in der BBLAmtierender MeisterVizemeister hinter Alba Berlin
    Pflichtspiele Jokubaitis für Bayern05

    Gedränge auf der Eins

    Beim Neustart haben die Bayern auch im Backcourt kräftig nachgelegt. Duane Washington Jr. kam von Partizan Belgrad, wo er zuletzt 14,9 Punkte pro Spiel erzielte, und war in drei der ersten sechs Pflichtspiele bester Münchner Werfer. Kamar Baldwin, der in der Vorsaison monatelang mit einer Oberschenkelverletzung gefehlt hatte, führte das Team gegen Alba gemeinsam mit Oscar da Silva mit 14 Punkten an. Dazu kommen Justus Hollatz und der dänische Combo-Guard Tobias Jensen, den Gavel aus gemeinsamen Ulmer Zeiten kennt. Washington kündigte bei seiner Vorstellung an, in München "noch mehr Leadership" zeigen zu wollen - ein Satz, den man auch als Bewerbung lesen kann.

    Gegen Partizan setzte Gavel am 2. Oktober mehrere Spieler auf der Eins ein. Nach dem 84:86 trotz 13-Punkte-Führung räumte er ein, man habe auf dieser Position nicht das richtige Lineup gefunden. Vor dem Bologna-Spiel machte er klar, dass das kein Dauerzustand werden soll. "Wir müssen auch langsam Richtung einer gewissen Hierarchie kommen und wissen: Mit wem wollen wir am Ende spielen, mit wem wollen wir die Spiele beenden?", sagte der Coach. Drei bis vier Spieler pro Partie auf der Point-Guard-Position könne man jedenfalls nicht dauerhaft einsetzen.

    Jokubaitis selbst will von einem internen Duell nichts wissen. "Ich suche den Konkurrenzkampf nicht innerhalb unseres Teams, ich will mich mit den Gegnern messen", sagte er, alles andere sei "nicht wirklich gesund". In der EuroLeague spielten kluge, erfahrene Profis, jeder werde seine Rolle finden, und die Trainer sähen das Gesamtbild. Gute Spieler, so seine Überzeugung, bekämen ihre Chancen ohnehin.

    Derselbe Rokas, höhere Ansprüche

    Deutlicher wird Jokubaitis, wenn es um seine eigene Rolle geht. Auf die Frage, ob er im Laufe der Saison zum Anführer der Mannschaft werden wolle, sagte er: "Natürlich, immer - deshalb bin ich hier." Das sei schon im vergangenen Jahr seine Aufgabe gewesen, er habe sie verletzungsbedingt nur nicht erfüllen können. "Es hat sich nichts verändert", betonte er, "ich bin derselbe Rokas wie vor der Verletzung."

    Mehr zum Thema
    • "Das darf nicht passieren": Bayern-Frust und ein suchender Gavel
    • Ein Amerikaner für Deutschland? Washington spielt bei Mumbru vor

    Im Klub sieht man das grundsätzlich ähnlich. "Idealerweise ist es schon so gedacht, dass er der Kopf wird", hatte Gavel Ende August gesagt, zugleich aber gewarnt, es wäre nicht fair, sofort das EM-Niveau von ihm zu erwarten. Jokubaitis hatte die Probleme der Vorsaison im Sommer selbst analysiert und unter anderem die zu große Abhängigkeit von Andreas Obst ausgemacht: "Wir brauchen mehr Spieler, die Gefahr ausstrahlen und den Druck von ihm nehmen." Dass Gavel einst selbst Point Guard war, sah er dabei als Vorteil - solche Trainer gäben einem Spielmacher Verantwortung und Vertrauen.

    "Das müssen wir auch in der EuroLeague zeigen", sagte Jokubaitis nach dem 113:60 gegen Oldenburg, zu dem er zehn Punkte beisteuerte. Vor dem Bologna-Spiel legte er nach: Die deutlichen Siege in der Bundesliga seien kein Grund zu glauben, man sei schon gut. In der EuroLeague stehen die Bayern nach drei Spieltagen bei 1:2. Heute Abend (20 Uhr) kommt Virtus Bologna in den SAP Garden. Gavel sucht seine Hierarchie, Jokubaitis hat seinen Platz darin längst beantragt - bewilligt wird er an Abenden wie diesem.

    Folge basketball-world.news auf Instagram!

    Julius Ostendorf