vor 13 Stunden
"Werde ihn wohl einfach nicht los"
Die Basketball-Weltmeisterschaft rückt immer näher - und damit auch für Lokalmatadorin Nyara Sabally. Für die 26-Jährige ist das Turnier der Höhepunkt einer Karriere, die ohne ihren Trainer Olaf Lange nicht erzählt werden kann.

Als Nyara Sabally 2022 mit dem 5. Pick im WNBA-Draft ausgewählt wurde, waren Freude und Sorge nah beieinander. Einerseits folgte die Berlinerin Schwester Satou in die beste Frauen-Basketballliga der Welt. Die Nominierung von den New York Liberty war der bis dato größte Erfolg ihrer Karriere. Andererseits hatte die Forward schon damals massiv mit Verletzungen zu kämpfen und eine Operation gerade hinter sich.
Ein Duo, das aber schon damals an sie glaubte, waren Sandy Brondello und Olaf Lange - seinerzeit Chef- respektive Co-Trainer der New York Liberty. "Wir haben sie damals gedraftet, obwohl sie ja gerade die OP hinter sich hatte", sagte Brondello im Mai gegenüber basketball-world.news. "Wir wussten einfach, was sie für ein Potenzial hat. Sie ist 1,95 Meter groß, mobil und wird immer besser. Sie hatte bislang einfach Pech mit den Verletzungen."
Das galt nicht nur für ihre Rookiesaison, die Sabally verpasste, sondern auch für die folgenden Jahre. Trotz der im Vergleich zur NBA deutlich überschaubareren Spielpläne in der "W" fehlte sie große Teile ihrer bisherigen Karriere. 2025 stand die deutsche Nationalspielerin sogar nur 17 Mal für die Liberty auf dem Feld.
Die Verletzungen standen einerseits allerdings schon immer im Kontrast zu ihren Leistungen andererseits. "Wer die WNBA-Finals 2024 gesehen hat, weiß das", so Brondello. „Wir haben damals nicht gut gespielt. Dann meinte ich zu Nyara: 'Mach dich bereit, denn wir werden jetzt groß spielen'. Und das war sie auch!" Im entscheidenden fünften Spiel trug die Berlinerin entscheidend dazu bei, dass New York die Partie nach der Pause drehte. In 17 Minuten erzielte sie 13 Punkte und sieben Rebounds bei starken 5/7 aus dem Feld. Für Brondello war seither klar: "Wenn sie gesund bleibt, dann ist nur der Himmel ihre Grenze!"

Nach dem Titelerfolg von 2024 folgte eine durchwachsene Saison im Big Apple, an deren Ende Brondello und Lange ihre Jobs verloren. Die gemeinsame Geschichte mit Sabally war damit aber noch nicht zu Ende geschrieben. Zur Spielzeit 2026 übernahm das Paar die Geschicke beim neu gegründeten Franchise Toronto Tempo und schnappte sich beim Expansion Draft Nyara gleich zum zweiten Mal.
"Als New York sie für den Draft nicht beschützt hat - was mir bis heute unverständlich ist -, war es natürlich klar, dass wir sie auf jeden Fall draften müssen", so Olaf Lange im Gespräch. "Sie ist einfach eine Spielerin auf einem Niveau, das man nicht alle Tage bekommen kann. Daher war das natürlich kein Thema."
Zugleich sei die Auswahl aber auch menschlich bedingt gewesen. Besonders Lange pflege schon seit Jahren einen engen Draht zu Sabally, was freilich auch durch die gemeinsame Herkunft aus Deutschland und insbesondere aus Berlin rührt. "Sie ist Berlinerin, ich bin Berliner. Wir reden immer mal wieder darüber, wenn einer von uns beiden nach Hause fliegt. Sie kommt zwar aus einem anderen Teil von Berlin als ich, aber trotzdem ist da natürlich eine ganz andere Verbindung gegeben. Zudem ist Nyara einfach ein toller Mensch."
Der zwanghafte Wechsel nach Kanada sei für Sabally selbst zwar erstmal schwierig gewesen, sportlich hat sich der Schritt aber bislang durchaus ausbezahlt. In Toronto erhält die Big die größte Rolle ihrer bisherigen Karriere und zahlt das Vertrauen mit 12,3 Punkten und 5,3 Rebounds (allesamt persönliche Bestwerte) in 24 Spielen bislang vollends zurück.
Den Wind aus ihrem bis dato besten Karrierejahr soll Sabally auch direkt mit ins bevorstehende WM-Turnier nehmen, wobei ihr Wirken auch hier unter dem Einfluss einer Verletzung steht. Erst vor knapp zwei Wochen hatte sich die 26-Jährige eine Wadenverletzung zugezogen, die selbst im optimalsten Verlauf mehrere Wochen Pause bedeuten würde. Bereits Anfang dieser Woche feierte Sabally überraschend ihr Blitz-Comeback im DBB-Training. Einer Turnierteilnahme steht damit wohl nicht mehr viel im Wege.
Für sie entgegenkommend: Trainer des Nationalteams ist ausgerechnet auch Olaf Lange, also ihr derzeitiger Co-Trainer aus Toronto: "Ich werd ihn wohl einfach nicht los", scherzte Sabally gegenüber basketball-world.news sarkastisch über ihre nun jahrelange Verbindung zum Basketballlehrer. "Es ist schon übertrieben cool, dass man auch abseits des Spielfelds eine Beziehung zueinander hat. Die beiden [Lange und Brondello, Anm. d. Red.] sind super Menschen und eine super Familie, die echt gut auf mich aufpassen."
Letzteres wird Lange auch bei der WM nicht zu kurz kommen lassen. Trotz Nyaras Rückkehr zum DBB-Team wird sie während des Turniers nur unter Einschränkungen spielen: "Die Frage ist, wie viele Minuten sie uns - wenn überhaupt - aufgrund ihres Fitnesslevels geben kann", erklärte Lange gegenüber MagentaSport. "Das wird auf jeden Fall keine Nyara sein, die über 25 Minuten spielt - das kann ich schon mal jetzt sagen", betonte der 54-Jährige.
Aber auch ohne strahlend grünes Licht ist Sabally aus dem DBB-Kader nicht wegzudenken. Mit einem Career Year im Rücken und ihrem konstanten Wegbegleiter Lange ist die WNBA-Meisterin von 2024 eine Schlüsselspielerin auf der "Road zur WM-Medaille".
Julius Ostendorf