23.01.2026
Das Katz-und-Maus-Spiel mit dem Griechen
Die Trade-Saga um Giannis Antetokounmpo zieht sich seit Monaten wie Kaugummi. Seit vergangenem Sommer wechseln sich Meldungen steigender Unzufriedenheit mit Loyalitätsbekundungen ab. Dabei ist ein Trade für beide Seiten längst unausweichlich.

Dass Giannis Antetokounmpo um Titel mitspielen will, machte der Grieche inzwischen zur Genüge klar. Es sei nicht sein Anspruch, im Mittelfeld der Tabelle herumzudümpeln. Gleichzeitig sei er auch niemand, der die Franchise, die ihm zu millionenschwerem Reichtum verholfen hat, einfach so im Stich lässt. Zumindest denkt er das noch von sich selbst.
Dieser innere Konflikt Antetokounmpos lodert nun schon seit vielen Monaten und ist mitnichten gelöst - im Gegenteil. Sahen die Bucks in der vergangenen Saison noch ihren Status als Titelanwärter gefährdet, muss sich das Team nun mit einer Realität auseinandersetzen, in der die Playoffs gänzlich ohne sie stattfinden. Entsprechend verwundert es auch nicht, wenn der Grieche wie nach der Niederlage gegen die OKC Thunder deutliche Worte findet und die Teamkollegen anzählt. Er ist eben Besseres gewöhnt und fordert das auch ein.
Ihren Ursprung hat die sportliche Misere auch in den Entscheidungen des vergangenen Sommers. In der Hoffnung gegenüber ihrem Franchise-Spieler Stärke zu beweisen, kauften die Bucks Damian Lillard aus dessen Vertrag aus - eine klassische Verschlimmbesserung. Der Move sollte das Team angesichts Lillards Achillessehnenriss kurzfristig konkurrenzfähig machen, bewirkte aber genau das Gegenteil. Eine große Ersatz-Verpflichtung blieb aus - war angesichts des ohnehin teuren Kaders aber auch gar nicht möglich. Lillards Vertrag, der nun für fünf Jahre mit je knapp 22,5 Millionen Dollar zu Buche schlägt, tat daran sein Übriges.
Seit dem Verlust seines Co-Stars, mit dem Giannis auch nie so richtig warm wurde, zeigte sich die Abhängigkeit der Bucks von Antetokounmpo umso mehr. Unfassbare 20,6 Punkte ist das Team mit dem Griechen auf dem Parkett besser als ohne. Keine Mannschaft der Liga ist so sehr auf einen einzelnen Spieler angewiesen. Die Bilanz von 3-11 in den Spielen ohne Antetokounmpo geben einen Ausblick auf die Post-Giannis-Ära.
Der Starspieler selbst scheut die Presse in dieser Angelegenheit bekanntlich nicht, nutzt sie dagegen immer wieder auch zu seinem Vorteil. Begonnen hatte dieses unverblümte Ausüben von Druck bereits im sommerlichen Trainingscamp, als der 31-Jährige klarstellte: "Ich habe das bereits mehrmals gesagt: Ich möchte in einer Position sein, zu gewinnen." Damals sei er noch davon überzeugt gewesen, sich mit den Bucks in diese Position bringen zu können. "Wenn ich in sechs, sieben Monaten meine Meinung ändere, dann ist das, glaube ich, auch menschlich."
Nun, nicht sechs oder sieben, sondern gerade einmal drei Monate später laufen die Trade-Diskussionen rund um seine Person auf Hochtouren. Ob er bis Saisonende das Trikot Milwaukees tragen werde, wurde er kürzlich gefragt. "Das kann ich nicht sagen", so die in der Tat vielsagende Antwort. "Ich schaue jetzt einfach von Tag zu Tag."

Mit jedem Spiel, mit dem sich die Bucks weiter von ihrem Ziel - der Rückkehr auf den NBA-Thron oder zumindest einer realistischen Chance - entfernen, entfremden sich auch beide Parteien. Antetokounmpo hat es nochmal auf den großen Wurf abgesehen. Milwaukee hingegen hat längst nicht mehr die notwendigen Ressourcen dafür. Die Franchise ist schließlich nicht ein oder zwei Moves von seinen Ambitionen entfernt, sondern eher drei oder vier.
Dazu drängt die Vertragsfrage. Der garantierte Teil von Antetokounmpos Arbeitspapier endet im Sommer 2027, ehe er über seine Spieleroption entscheiden darf. Ob Milwaukee oder nicht -, dass Giannis von dieser Klausel Gebrauch machen wird, ist höchst unwahrscheinlich. Sehr viel realistischer ist, dass er mit dann 32 Jahren den letzten großen Vertrag seiner Karriere verhandeln möchte. Vier Jahre, 275 Millionen Dollar, ein Deal bis 2031.
Milwaukee muss daher klar sein, dass ihr Blatt von nun an nur noch schlechter wird. Zumal eine langfristige Verlängerung bei den Bucks überhaupt nicht mehr denkbar ist.
Nach ihrem Titel befindet sich die Franchise kontinuierlich auf dem absteigenden Ast und zunehmend zwischen den Stühlen. Playoff-Ambitionen einerseits, Realismus andererseits. Gleichzeitig ist es auch ein Katz-und-Maus-Spiel. Giannis ist zu stolz, einen Trade zu fordern, das derzeitige Regime will durch einen Trade (der womöglich nicht genug Gegenwert bringt) nicht sein Gesicht verlieren.
Dennoch kann man in Milwaukee eigentlich zu keinem anderen Schluss kommen, als das eine Trennung die einzig richtige Lösung ist. Giannis zu Liebe, aber auch im Sinne der eigenen Zukunft.
Julius Ostendorf