vor 5 Stunden
Die Offseason Miamis in der Analyse
Giannis Antetokounmpo ist der neue Heilsbringer bei den Miami Heat. Kann der Grieche die einst so erfolgsverwöhnte Franchise zurück in den Kreis der Titelanwärter bringen?

Dass die Heat scharf auf Giannis Antetokounmpo waren, das wusste seit Jahren jeder in der NBA. Nur gab es immer wieder Zweifel, ob Miami in einem Trade-Poker auch wirklich erfolgreich sein könnte. Ende Juni klappte es dann wirklich, für den zweimaligen MVP und Bobby Portis schickten die Heat mit Tyler Herro, Kel’el Ware, Jaime Jaquez Jr. und Youngster Kasparas Jakucionis gleich vier Spieler nach Milwaukee. Dazu wurden drei Erstrundenpicks (2026, 2031, 2033), ein Pick-Swap (2030) sowie ein Zweitrundenpick abgegeben.
Das war Schritt eins und gleichzeitig der Wichtigste in diesem Sommer. Danach zeigte sich aber, dass es nicht leicht werden würde, den Kader noch aufzufüllen. Immerhin gewann man mit Tim Hardaway Jr. und Klay Thompson zwei erfahrene Dreierschützen für sich, zusammengerechnet verwandelten die beiden in der Vorsaison 426 Dreier.
Shooting, welches die Heat um Giannis und Bam Adebayo dringend gebrauchen werden. Dazu ist natürlich auch Portis von der Big-Man-Position sehr treffsicher. Einen eigenen Erstrundenpick hatte man durch den Trade aber nicht, stattdessen wurde in der zweiten Runde mit Ryan Conwell ebenfalls ein potenter Schütze geholt. In der Preseason funktionierte es noch nicht (2/15), dennoch sollte der 22-Jährige aufgrund seiner Guard-Qualitäten einen Platz in der Rotation haben.
Gleiches hofft auch Nick Richards, der einen nicht-garantierten Vertrag bekam. Miami hat auf Center ansonsten aber nicht mehr viel anzubieten, weswegen es wahrscheinlich ist, dass der Jamaikaner auch noch zum Saisonauftakt im Kader steht.
Zugänge: Giannis Antetokounmpo, Bobby Portis (beide Bucks), Tim Hardaway Jr. (Nuggets), Klay Thompson (Mavericks), Nick Richards (Bulls)
Abgänge: Tyler Herro, Kel’el Ware, Jaime Jaquez Jr., Kasparas Jakucionis (alle Bucks), Norman Powell (Bulls), Jahmir Young
Draft: Ryan Conwell (#37)
Extension: Andrew Wiggins (2 Jahre, 33,9 Mio. Dollar), Pelle Larsson (4 Jahre, 60 Mio.)
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| D. Mitchell | K. Thompson | A. Wiggins | G. Antetokounmpo | B. Adebayo |
| T. Hardaway Jr. | P. Larsson | S. Fontecchio | N. Jovic | B. Portis |
| D. Smith | R. Conwell | N. Richards | ||
| M. Gardner |
Präsident Pat Riley möchte es noch einmal wissen. Tanking ist in Miami verpönt, mit Antetokounmpo gibt man sich zumindest noch einmal eine Chance, um ins Titelrennen einzugreifen. Im Vorjahr wurde noch einmal deutlich, dass Bam Adebayo eher Co- als Superstar ist, nun wird der Center der Robin seines Kumpels Giannis.
Der wird im Sommer nun 32 Jahre alt und hat seit der Meisterschaft 2021 mit Milwaukee nur eine Playoff-Serie gewonnen. Der Kader der Heat sollte jedoch besser sein, da er auf dem Flügel jede Menge Alternativen hergibt und es mit Pelle Larsson oder Nikola Jovic Kandidaten gibt, die sich in dieser Saison deutlich verbessern.
Dazu ist die Mannschaft darauf ausgerichtet, zu verteidigen. Adebayo ist natürlich der Anker, auch Andrew Wiggins ist weiterhin ein guter Two-Way-Player und mit Davion Mitchell besitzen die Heat auf der Guard-Position einen echten Kettenhund. Es wird auf jeden Fall spannend, wie der ewige Erik Spoelstra (seit 2008) dieses Puzzle zusammensetzen wird. Wenn es aber jemand kann, dann der Taktikfuchs aus Florida.

Was dem Kader definitiv fehlt, ist ein echter Spielmacher. In Sachen Kreation wird viel Last auf Antetokounmpo lasten, der sich über die Jahre aber zu einem exzellenten Creator von Dreiern entwickelt hat. Auch in der Vorbereitung konnte man dies schon erkennen. Die Frage wird aber sein, wie das dann in Richtung Playoffs funktioniert, wenn sich Teams darauf zielgerichtet vorbereiten.
Auf dem Flügel ballt sich der Großteil der Qualität, auf der Eins klafft dagegen ein großes Loch. Seit dem Abgang von Goran Dragic fehlt schlichtweg ein guter Einser, der auch mal für sich selbst einen guten Wurf kreiert oder das Spiel beruhigen kann. Miami setzt hier notgedrungen auf Rollenspieler, deren Stärken eher in der Verteidigung zu verorten sind. Dazu fehlt auf Center eine weitere Alternative. Portis ist eher ein Vierer mit Wurf, gut möglich, dass auch Giannis häufiger auf die Fünf gezogen wird.
Allgemein ist der Kader aufgrund der finanziellen Einschränkungen sehr knapp bemessen, man wird hoffen, dass Miami in bewährter Manier noch einen "Nobody" aus dem Hut zaubert, der innerhalb des Systems perfekt funktioniert. Man denke hier an Spieler wie Max Strus, Gabe Vincent und Co., die sich alle erst in Miami zu echten NBA-Spielern entwickelten.
Der Kader ist im Vergleich zum Vorjahr, als man in den Play-Ins an Charlotte scheiterte, in der Spitze deutlich besser aufgestellt. Die Ergänzungen um Giannis sind sinnvoll, auch wenn Hardaway und Thompson ihre besten Jahre vermutlich schon hinter sich haben. In kleineren Rollen sollten sie aber funktionieren, zumal Miami mit seiner enormen Flügel-Power bereits ein gutes Fundament besitzt.
Wirklich balanciert ist der Kader dennoch nicht, in der Regular Season sollte das aber weniger ein Problem sein. Zumindest dann, wenn sich keiner der Schlüsselspieler verletzt. Hier hat Miami ansonsten nicht viel anzubieten, sie werden sehr abhängig von der Performance von Antetokounmpo oder Adebayo sein. Der Spielraum für Fehler und Absenzen ist somit geringer als bei anderen Titelanwärtern, dennoch sollte man Miami zum erweiterten Kreis zählen. Das ist ein Fortschritt im Vergleich zu den vergangenen zwei, drei Jahren und mehr will man in Miami auch nicht. Wenn die Konkurrenz schwächelt, wollen sie Gewehr bei Fuß stehen.
Robert Arndt