13.06.2025
Ein Deal ebnete den Weg für SGA
Sam Presti gilt als der vielleicht beste General Manager der NBA - mit Recht. Es ist nicht zuletzt sein Werk, dass die OKC Thunder derzeit besser positioniert sind als wohl jedes andere NBA-Team. Natürlich wurden in seiner mittlerweile bereits seit 2007 andauernden Amtszeit aber auch Fehler gemacht. Wir blicken auf seine größten Fehlschläge - und seine Meisterwerke.

Vorweg: Fehler ließen sich etwas schwerer finden - Presti hat seinen guten Ruf nicht aus Zufall. Eine 100-prozentige Quote können aber auch die besten ihres Fachs nicht auflegen, schon gar nicht über beinahe zwei Dekaden. Dass OKC einige Male nicht den besten verfügbaren Spieler draftete, behandeln wir hier indes nur am Rande, da es um Trades gehen soll.
Auch die Tatsache, dass OKC es über mehrere Jahre der Durant/Westbrook-Ära nicht schaffte, kompetente 3-and-D-Wings zu verpflichten, müssen wir zumindest erwähnen, auch wenn dieses Problem nicht gerankt wird, da es nicht mit einer bestimmten Transaktion zusammenhängt. Nun aber zur Top 5.
5. Der Trade für Carmelo Anthony
Ursprünglich wurde Presti für diesen Trade gelobt: Melo sollte Teil einer Big 3 mit Russell Westbrook und Paul George werden, für den OKC früher in der 2017er Offseason getradet hatte. Für Anthony mussten die Thunder nur Enes Kanter, Doug McDermott und einen Zweitrundenpick, aus dem später Mitchell Robinson wurde, abgeben.
Der zehnmalige All-Star war jedoch über seinen Zenit, seine Leistungen fielen im Vergleich zur letzten Knicks-Saison dramatisch ab, eine kleinere Rolle wollte er zu diesem Zeitpunkt nicht akzeptieren. In den Playoffs wurde er auf die Bank beordert, während der vermeintliche Titelkandidat in Runde eins ausschied, in der Offseason dann sofort wieder weggeschickt.
4. Der Trade für Aleksej Pokusevski
2020 riss Oklahoma City alles ein, gab unter anderem Chris Paul, Dennis Schröder und Danilo Gallinari ab, um sich nach unten zu orientieren. Im Rebuild sollte es um Talententwicklung gehen, und dabei idealerweise um große Talente. Als solches wurde Aleksej Pokusevski identifiziert, der am Draft-Abend an Position 17 offiziell an die Timberwolves ging.
Presti fädelte einen 3-Team-Deal ein, um an seine Rechte zu kommen. In diesem Deal gab er unter anderem Ricky Rubio, den Nr.25-Pick und den Nr.28-Pick aus demselben Draft ab. 25 wurde Immanuel Quickley, 28 Jaden McDaniels - zwei Spieler also, die sich schnell etabliert und jeweils zweite Verträge in Höhe von mehr als 100 Millionen Dollar unterschrieben haben.
Poku hingegen hatte Talent, konnte sich aber nicht durchsetzen und flog recht schnell aus den Plänen der Thunder, als das Team kompetent wurde. Mittlerweile spielt der noch immer erst 23-jährige Serbe für Partizan Belgrad.

3. Der Trade für Kendrick Perkins
Die Jüngeren wird das überraschen: Es gab mal eine Welt, in der Kendrick Perkins als mögliches finales Puzzleteil für einen Championship-Kern angesehen wurde. In der es logisch erschien, den offensiven Non-Faktor in eine Starting Five mit einem anderen Big Man und einem anderen offensiven Non-Faktor (Thabo Sefolosha) zu stellen und damit auch noch Erfolg zu haben.
Gewissermaßen ging diese Rechnung sogar auf - in Perkins‘ erster kompletter Saison in OKC erreichten die Thunder (bis 2025) zum einzigen Mal die Finals, wobei der hölzerne Big Man gegen die schnellen, deutlich moderner auftretenden Miami Heat dort dann heillos überfordert war. Es war der Beginn eines Trends, der sich über die nächsten Jahre verstärken sollte.
OKC gab für Perkins, der etwas mehr als vier Jahre bei ihnen spielen sollte (4,2 PPG), Jeff Green, Nenad Krstic, einen 2012er Erstrundenpick sowie einen 2013er Zweitrundenpick ab. Der Trade wäre noch schlechter gealtert, wenn Boston 2012 mit dem 22. Pick nicht Fab Melo, sondern etwa Khris Middleton oder Draymond Green gedraftet hätte, die jeweils noch verfügbar waren.
Auch so war der Deal aber ziemlich destruktiv - nicht zuletzt deshalb, weil Perkins‘ damals recht hoher Vertrag (rund 8 Mio. Dollar pro Jahr) auch beim größten Fehler der Presti-Ära eine Rolle spielen sollte. Dazu kommen wir gleich.
2. Der Trade von Alperen Sengün
Über die vergangenen Jahre fädelte Presti mehrere Draft-Day-Trades ein, nicht zuletzt deshalb, weil das Team zum Teil zu viele Picks für seinen Kader hatte. 2021 etwa wählten die Thunder im Draft insgesamt sechs Spieler aus, die sie natürlich nicht alle behalten konnten. In Sengün, der an 16 gepickt wurde, gaben sie unter anderem den falschen Spieler ab.
Es ist natürlich diskutabel, ob der Türke in die aktuelle Version des Teams gut hineinpassen würde, oder ob er sich in Oklahoma City ebenso überragend entwickelt hätte wie in Houston, wo er 2025 gerade erstmals All-Star wurde. Indiskutabel ist, dass OKC für dieses "Asset" nicht genug zurückbekam.
Als Gegenwert gab es damals zwei stark geschützte Erstrundenpicks, die in der Realität beide nicht in OKC landeten. Arg vereinfacht ausgedrückt hat OKC also einen möglichen Franchise-Player verschenkt. Es spricht für die gute Quote der anderen Moves der letzten Jahre, dass dieser Fakt derzeit nicht mehr als eine Randnotiz ist.

1. Der Trade von James Harden
Keine Frage, dass dieser Move die Spitzenposition bekommt. Trotz der Rechtfertigungen, dass OKC auf Dauer keinen Platz für Durant, Westbrook UND Harden gehabt hätte, dass sich das Team als Small-Market-Team nicht all diese Spieler hätte leisten können (Serge Ibaka unterschrieb 2012 selbst einen neuen Deal). Dass Harden sich in Oklahoma City nicht zu einem MVP entwickelt hätte.
Diese Punkte mögen alle irgendwie valide sein, akute Geldprobleme verursachte Harden 2012, als OKC ihn tradete, aber noch nicht. Er stand für die komplette 12/13er Saison noch auf seinem Rookie-Deal unter Vertrag, verdiente in dem Jahr also 5,8 Mio. Dollar. 2013 hätte man ihn als Restricted Free Agent noch immer abgeben können und wohl mehr für ihn zurückbekommen.
Und vielleicht zwischendurch einen Titel geholt. 2012 erreichte OKC die Finals mit Harden als Drittjahresprofi, der von der Bank kam, aber bereits der drittbeste Spieler des Teams war. Am Ende sollen 4-6 Mio. Dollar (also nichtmal ein Perkins-Jahr) der Grund gewesen sein, warum sich die Thunder und Harden 2012 nicht auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung einigen konnten.
Der Gegenwert? Jeremy Lamb, Kevin Martin, zwei Erstrundenpicks (aus denen Steven Adams und Mitch McGary wurden). Presti dachte damals, dass insbesondere Martin, ein unterschätzter Scorer, vieles von dem würde abdecken können, was zuvor Harden getan hatte. Er lag falsch, mehr als jemals sonst in seiner Laufbahn.
Und damit zu den guten Nachrichten.
5. Der Trade für Alex Caruso
Vielleicht entpuppt sich dieser Deal als Win-Win-Trade, die zweite Saisonhälfte Josh Giddeys in Chicago machte in jedem Fall eine gewisse Lust auf mehr. Dass OKC durch diesen Trade gewonnen hat, ist aber spätestens seit den Playoffs absehbar. Gewinnt OKC beispielsweise die Serie gegen Denver, wenn der Guard nicht in Spiel 7 Nikola Jokic aus dem Konzept bringt?
In der Regular Season wurde Caruso noch geschont, in der Postseason ist er unverzichtbar, vielleicht tatsächlich das finale Puzzleteilchen (mit Grüßen an Kendrick Perkins). Von allen fixen Rotationsspielern hat er die beste On/Off-Differenz, die Thunder sind in den Playoffs um 6,2 Punkte pro 100 Ballbesitze besser, wenn Caruso auf dem Court steht.
Dafür mussten sie nur Giddey abgeben, der talentiert ist, in diese Version des Teams aber schlichtweg nie wirklich hineinpasste. Caruso wurde für dieses Team in einem Labor entworfen.

4. Der Trade von Serge Ibaka
Über sieben Jahre leistete Ibaka den Thunder gute Dienste, auch wenn es keine gute Entscheidung war, ihn statt Harden zu priorisieren. Sei’s drum: 2016 zeigte "Iblocka" Abnutzungserscheinungen. Presti fackelte nicht lange und schickte ihn für Domantas Sabonis, Victor Oladipo und Ersan Ilyasova nach Orlando.
Alle drei blieben bloß ein Jahr in OKC, Oladipo und Sabonis, die später beide zu All-NBA-Spielern werden sollten, ermöglichten indirekt indes den vielleicht besten Trade der NBA-Neuzeit. Wir kommen gleich nochmal auf sie zurück …
3. Der Trade für Paul George
Nur ein Jahr später schickte Presti Oladipo und Sabonis nach Indiana, um Paul George zurückzubekommen. PG-13 war damals 27 Jahre alt und hatte sich von seiner Verletzung erholt - dennoch schien der Trade riskant aus OKC-Sicht, da es eigentlich als offenes Geheimnis galt, dass George nach dem Ablauf seines Vertrages in seine kalifornische Heimat wechseln wollte.
Presti riskierte es trotzdem und überzeugte George im Sommer 2018, stattdessen einen neuen Vertrag bei den Thunder zu unterschreiben. Dann spielte George die beste Saison seiner Karriere und wurde Dritter im MVP-Rennen. Und dann … siehe unten.
2. Der Trade von Russell Westbrook
2019 beendete OKC eine Ära und orientierte sich Richtung Rebuild. So wirkte es zumindest erstmal (in der Realität war ihre 19/20er Saison besser als die davor), da die Thunder ihre zwei verbliebenen Superstars innerhalb weniger Tage voneinander abgaben. Russell Westbrook, "Mr. OKC", wurde dabei nach Houston verfrachtet.
Westbrooks athletische Prime bewegte sich mit 30 Jahren 2019 langsam auf ihr Ende zu, sein Standing war dennoch weiterhin hoch. So hoch, dass die Rockets, die mit ihrem eigenen Point Guard Chris Paul nicht mehr zufrieden waren (Rockets-Besitzer Tilman Fertitta sprach vom „schlechtesten Vertrag, den ich je gesehen habe“), für ihn ins Risiko gehen wollten.
Der Trade sah im Detail so aus: Houston bekam Westbrook, OKC erhielt Paul, zwei Top-4-geschützte Erstrundenpicks (2024 und 2016) sowie zwei mögliche Pick-Swaps. 2024 sprang dadurch Nr.12-Pick Nikola Topic heraus, 2026 wird sich noch zeigen. Paul wurde 19/20 Siebter im MVP-Rennen und erreichte noch drei All-NBA-Teams nach diesem Trade (Westbrook: 1).
Den Rebuild wählte Presti ein Jahr später trotzdem, auch dabei half Paul jedoch und wurde für vier Spieler sowie einen weiteren Erstrundenpick nach Phoenix abgegeben. Es war ein Home-Run für die Thunder, und dabei trotzdem nicht einmal ihr bester Trade in der 2019er Offseason.

1. Der Trade von Paul George
Dieser kam nämlich rund eine Woche zuvor. 2019 wollte George, ein Jahr nach seiner Verlängerung, dann doch nach Kalifornien. Und die Clippers wollten ihn - nicht zuletzt deshalb, weil Kawhi Leonard als Free Agent kommen wollte und sich George als Spielpartner ausgesucht hatte.
Aus Clippers-Sicht war es also ein "Zwei Stars auf einmal"-Deal. Was zumindest einigermaßen erklärt, warum sie jede Forderung Prestis erfüllten: Für George gingen ein Rookie namens Shai Gilgeous-Alexander, Danilo Gallinari, fünf Erstrundenpicks sowie zwei mögliche Pick-Swaps nach Oklahoma City.
SGA entwickelte sich (unerwartet) zum Superstar, ist nun seit einigen Jahren klar besser als George und seit einigen Wochen der amtierende MVP der Liga. Der Trade brachte den Thunder aber auch noch ihren zweitbesten Spieler ein (Jalen Williams wurde 2022 mit einem Clippers-Pick gedraftet), und beide Teams sind noch nicht am Ende.
Im kommenden Draft wählt OKC dank der Clippers an Position 24 aus statt an 30. 2026 kommt noch ein weiterer Pick nach Oklahoma City, der ungeschützt ist, im (für die Clippers) schlimmsten Fall also auch ein Lottery-Pick sein könnte. George spielt seit 2024 nicht mehr für die Clippers.
Es ist vielleicht das beste Superstar-Trade-Paket der NBA-Geschichte. Mit Sicherheit ist es der Deal, der das Fundament gelegt hat für eine Ära, die länger anhalten und noch mehr Erfolg bringen soll als die erste richtig gute Thunder-Zeit mit Durant, Westbrook und ihren Weggefährten.
Ole Frerks