vor 1 Tag
USA hinterlassen kaum Spuren
Die USA hat bei der Basketball-WM in Berlin den fünften Titel in Serie gewonnen. Große Euphorie kam dennoch nicht auf, weil die Mannschaft nie wirklich die Bindung zu den Zuschauern fand.

Selten fiel eine Gold-Feier so schmal aus wie im Falle der USA. Während sich die Spanierinnen wenige Stunden zuvor wie kleine Kinder über Bronze freuten, nahmen die US-Amerikanerinnen ihre Goldmedaillen entgegen als ob sie gerade eine Teilnahme-Urkunde bei den Bundesjugendspielen bekommen hätten.
Vor der Zeremonie fing die Kamera die Spielerinnen ein, wie diese alle an ihren Smartphones hingen und nur kurzzeitig den Blick davon wendeten, als Breanna Stewart als MVP des Turniers ausgezeichnet wurde. Der Sieg über Frankreich? Der wurde eben mitgenommen, nun geht es zurück in die USA, wo es in der WNBA schon in der Nacht auf Freitag weitergeht und zeitnah die Playoffs auf dem Programm stehen.
Dazu muss man wissen: Die WM besitzt in den USA keinen großen Stellenwert, das zeigt schon ein Tweet vom renommierten Journalisten Bill Simmons, der die Frage stellte, warum denn die WNBA überhaupt pausierte und dieses Finale ausgerechnet zeitgleich mit dem NFL-Saisonauftakt und dem Finale der US Open im Tennis stattfand. Außer Olympia zählt in Amerika im Basketball wenig, Gold wird ohnehin vorausgesetzt.
Wir benötigen Ihre Zustimmung, um den X-Service zu laden!
Wir verwenden X, um Inhalte einzubetten. Dieser Service kann Daten zu Ihren Aktivitäten sammeln. Bitte lesen Sie die Details durch und stimmen Sie der Nutzung des Service zu, um diese Inhalte anzuzeigen.
Das ist schade, denn dieses Finale war zumindest in der ersten Halbzeit hochklassig und ein echter Schlagabtausch. Frankreich begegnete den USA auf Augenhöhe, führte mit bis zu 14 Punkten, verlor dann aber komplett den Rhythmus. Interessant dabei: Bei all dem Hype um die neue Generation der USA waren es am Ende wieder die alten Hasen, die die Kohlen aus dem Feuer holten.
Stewart (32), Chelsea Gray (34), Kealeah Copper (32) und Jackie Young (28) waren an diesem Abend die Spielerinnen, denen Coach Kara Lawson vertraute, während die neue Garde um Caitlin Clark, Paige Bueckers, Angel Reese und Aliyah Boston (je 24) deutlich weniger Minuten erhielt.
Diese verschiedenen Generationen deuteten nur teilweise an, dass sie auch zusammen funktionieren, stattdessen wirkte die USA selten wie ein Team, sondern eher wie eine Ansammlung diverser Ich-AGs, die gleichzeitig zumindest ein gemeinsames Ziel hatten: Gold holen und somit die Scham einer Niederlage verhindern.

Natürlich ist das undankbar, die Männer kennen dieses Problem nur zu gut. Nur ist der Frauen-Basketball noch nicht so weit wie bei den Herren, wo es sich die USA nicht mehr leisten können, nicht die beste Auswahl an den Start zu schicken - siehe 2019, siehe 2023. Bei den Frauen reicht es dagegen noch, wenn man ein Team zusammenwürfelt und ohne echte Vorbereitung mal eben nach Berlin kommt.
Frankreich, Spanien und Italien haben aber bewiesen, dass dies womöglich nicht mehr lange funktionieren wird. Die Welt hat aufgeholt, das sieht man nicht zuletzt an der Schwemme von europäischen Spielerinnen, die gerade in die WNBA drängt. Anno 2026 ging es für die USA noch gut, so bleibt ein erfolgreicher Businesstrip über knapp zwei Wochen. Zusammengefasst: Sie kamen nach Berlin, siegten und sind dann auch genauso schnell wieder weg.
Robert Arndt