07.11.2025
US-Guard dreht für Aufsteiger auf
Noch in der vergangenen Saison kam Eli Brooks in Oldenburg nicht über eine Bankrolle hinaus. Heute ist der Point Guard der Schlüsselspieler von Überraschungsteam Trier. Dabei wäre der Wechsel ohne den deutschen Nationalspieler Franz Wagner möglicherweise gar nicht erst zustande gekommen.

Fünf Siege in der Bundesliga, Pokaleinzug ins Viertelfinale. Die VET-CONCEPT Gladiators Trier sind aktuell das Team der Stunde. Mittendrin: Point Guard Eli Brooks - mit 17,7 Punkten pro Spiel Topscorer der Moselstädter. Dabei war seine BBL-Debütsaison in Oldenburg alles andere als nach Plan verlaufen.
"Ich war viel verletzt", erklärte der 27-Jährige im Gespräch mit basketball-world.news über die vergangene Spielzeit. "Mir hat die Spielpraxis gefehlt und dann gab es einen Trainerwechsel." Dazu sei er später nicht mehr auf seiner angestammten Point-Guard-Position zum Einsatz gekommen, sondern als Shooting Guard. "Es war eine herausfordernde Zeit."
In Trier sei das nun anders - auch, weil die Rollenverteilung sehr deutlich kommuniziert wurde. "Jeder versteht, dass jeder eine Rolle in dieser Mannschaft hat", so Brooks. "Alle machen ihren Job - und das sehr konstant."
Dass in Trier mehr als nur Einzelne zum Erfolg beisteuern, sei ebenfalls des Erfolgsrezepts. Mit Brooks und Jordan Roland weiß der Aufsteiger nur zwei Spieler mit mindestens zehn Punkten in seiner Mannschaft. Stattdessen kommt der Erfolg über das Kollektiv: "Gegen Bamberg waren neun Spieler bei über zehn Punkten", führte der US-Amerikaner als Beispiel für die Kadertiefe an. "Dass alle aggressiv und selbstbewusst agieren, erlaubt es uns, noch freier zu spielen und mehr Würfe zu treffen."
Die Anzahl der getroffenen Würfe ist hier besonders entscheidend. 11,5 Dreier schmeißen Brooks und Co. pro Spiel durch die Reuse - Bestwert in der Bundesliga aktuell. Dazu ist das Spiel sehr auf Schnelligkeit ausgelegt. "Es funktioniert, weil wir uns dem System verschrieben haben", erklärt Brooks. "Man kann immer sagen, man will schnell spielen. Es auch konstant umzusetzen, ist der Schlüssel."
Mit fünf Siegen aus sechs Spielen ist Brooks‘ Wechsel an die Mosel bislang ein voller Erfolg. Nach dem Ende der vergangenen Saison habe sich Triers Coach Jacques Schneider sehr schnell um ihn bemüht. Dass er dem Angebot aus Trier aber tatsächlich folgte, verdanken die Gladiators niemand Geringerem als Franz Wagner. Beide sind noch gute Freunde aus College-Tagen, wo sie zwei Jahre gemeinsam für die Michigan Wolverines aufliefen. Vor seiner Unterschrift konsultierte Brooks daher den Berliner, um ihn nach seiner Einschätzung zu fragen.

"Er hat einfach gesagt, dass es eine kleine Stadt ist - das stimmt", sagte er schmunzelnd. "Und er meinte, dass alle, die er von dort kennt - aus gemeinsamer Zeit in Berlin oder aus der Nationalmannschaft - es sehr genießen. Es sei eine gute Möglichkeit, weiter zu wachsen - und das stimmt."
Dass Brooks und Wagner in einer Mannschaft spielten, liegt zwar inzwischen schon einige Jahre zurück. Der Kontakt sei aber trotzdem niemals abgerissen: "Weil er sich nie verändert hat", begründete Brooks die anhaltende Freundschaft. "Wenn man ihn anruft oder eine Nachricht schreibt, dann wird er dich zurückrufen oder zurückschreiben. Er meldet sich bei dir. Er ist ein guter Kerl und wir hatten eine tolle Zeit zusammen auf dem College. Es ist ein Beweis für seinen Charakter, dass er sich nie verändert hat und immer noch mit allen in Kontakt bleibt, die er kennt und die ihm wichtig sind."
Wagners Orlando Magic traut Brooks übrigens Großes zu. "Mit Franz und Paolo [Banchero, Anm. d. Red.] sind sie richtig schwer zu verteidigen. Wenn sie jetzt noch die richtigen Teile um die beiden herumbekommen, dann haben sie eine richtig gute Chance" auf den Titel.
Julius Ostendorf