15.07.2025
Collet gegen Einbürgerungen
Frankreichs langjähriger Nationaltrainer Vincent Collet hat sich zu Joel Embiid geäußert, der bei Olympia im vergangenen Jahr durchaus auch für die Gastgeber hätte spielen können. Letztlich lief er für die USA auf - und bewahrte Collet so auch vor Problemen.

Dass Nationalmannschaften Spieler versuchen, einbürgern zu lassen, um bei EM, WM oder Olympia bessere Chancen zu haben, ist seit jeher Usus. Einen sogenannten "naturalisierten" Spieler dürfen Länder pro Turnier in ihrem Zwölferkader haben. Selbst die USA setzte bei Olympia im vergangenen Jahr auf einen, nämlich Joel Embiid. Der wuchs ursprünglich in Kamerun auf, ehe er mit 16 Jahren des Basketballs wegen in die Staaten ging.
Seit 2022 besitzt er auch einen US-amerikanischen Pass, genau wie einen französischen. Demzufolge hätte er bei den Spielen in Paris auch für Frankreich auflaufen können - entschied sich aber für das Superteam der USA. Den französischen Nationaltrainer störte das aber nicht: "Ich war froh, dass Embiid nicht bei uns mitgespielt hat letztes Jahr", erklärte Vincent Collet gegenüber BasketNews. "Für mich ist das nicht fair", so der langjährige Trainer der Franzosen, der nach Olympia nach 15 Jahren aus dem Amt ausgeschieden war.
"Wir hatten schon sehr gute Big Men und demzufolge auch Herausforderungen, wie wir sie zusammen spielen lassen wollten", führte Collet aus. "Es hätte das Team komplett verändert." Zwar wisse er, dass der Prozess, auf "naturalisierte" Spieler zu setzen, gewöhnlich sei, Frankreich brauche das aber nicht. Nur wenige Länder würden das genauso sehen, Serbien und Litauen nannte er als Beispiel. So spielte mit Nick Weiler-Babb auch beim DBB-Team in den vergangenen Jahren ein eingebürgerter US-Amerikaner. In diesem Sommer könnte mit Big Man Dylan Osetkowski seine Rolle als einziger "naturalisierter" Spieler einnehmen.
Viele europäische Länder greifen aber auf eingebürgerte Point Guards zurück, die Position sei "eine Schwäche europäischer Länder", sagte Collet. Hätte sich Embiid für die französische Nationalmannschaft entschieden, wäre er auch eingesetzt worden - "keine Frage", so der Coach. Auch, weil er bei der Entscheidung sowieso machtlos gewesen wäre: "Es kam von einer höheren Instanz, dem Minister. Die olympischen Spiele waren in Frankreich und sie dachten, Embiid gäbe uns die Sicherheit, besser zu sein."
Aufgrund Embiids Entscheidung für die USA musste Collet seinen Kader so nicht entgegen seiner Überzeugungen nominieren. Dabei hatte der frühere NBA-MVP sogar zunächst sich selbst ins Spiel gebracht: "Ich glaube, es kam zu Beginn von Embiid selbst", berichtete Collet. "Er hat gefragt, ob er 'naturalisiert' werden kann, weil er Olympia spielen wollte. Er dachte, dass er es mit Kamerun nicht schaffen würde."
Mit den US-Boys setzte sich der Center schließlich im Finale gegen Frankreich durch, erzielte aber nur vier Punkte. Über das Turnier gesehen legte er durchschnittlich 11,2 Zähler und 3,8 Rebounds auf, wurde vom französischen Publikum aber immer wieder mit Pfiffen bedacht.
amw