28.04.2025
Memphis scheitert erneut in Runde eins
Die Memphis Grizzlies haben sich am Samstagabend als erstes Team aus den Playoffs verabschiedet. Das einstige It-Team der NBA tritt auf der Stelle und steht vor einigen richtungsweisenden Entscheidungen im Sommer.

Nach einer Seuchensaison voller Verletzungen starteten die Grizzlies mit großen Hoffnungen in die Saison und schienen tatsächlich zum erweiterten Contender-Kreis zu zählen. Zum All-Star Break belegte Memphis Rang zwei im Westen (36-18), doch danach folgte der Absturz inklusive der Entlassung des langjährigen Head Coach Taylor Jenkins.
Schon 2024 gab es Gerüchte über den wackligen Stuhl des Coaches, schließlich war es höchst unüblich, dass der halbe Trainerstab ausgetauscht wurde. Einer der Neuen war Ex-BBL-Trainer Tuomas Iisalo, der das Team danach übernahm, aber nicht mehr das Ruder herumreißen konnte.
48 Siege reichten letztlich nur für das Play-In, wo man dezimierte Dallas Mavericks überzeugend schlug, dann aber in der ersten Runde gegen den Titelfavoriten Oklahoma City Thunder chancenlos war.
| Stat | Zahl |
|---|---|
| Bilanz | 48-34 (Platz 8 im Westen) |
| Offensiv-Rating | 117,2 (6.) |
| Defensiv-Rating | 112,6 (11.) |
| Net-Rating | +4,7 (6.) |
Diese Spielzeit hinterlässt mehr Fragen als Antworten. Vor gut zwei Jahren galten die Grizzlies zusammen mit OKC zu den aufstrebenden Teams der Western Conference, von Euphorie ist kaum mehr etwas zu spüren. Bei beiden Heimspielen gegen die Thunder waren jede Menge leere Plätze zu sehen, vor allem die vielen Fehltritte und Verletzungen von Franchise-Star Ja Morant haben die Stimmung sichtbar gedämpft.
Mit Morant, Desmond Bane und Jaren Jackson Jr. ist der Kern zwar der Gleiche, doch um das Trio herum wurde die Qualität im Kader nicht angehoben. Dillon Brooks ging 2023 ohne Gegenwert, der Trade für Marcus Smart aus Boston brachte nicht die erhofften Resultate, inzwischen wurde der frühere Verteidiger des Jahres quasi ohne Gegenwert nach Washington verbannt.
Auch die Verletzungen von Rookie Jaylen Wells und Brandon Clarke können nicht als Ausrede herhalten. Vielmehr zeigte es, wie sehr die Grizzlies an Tiefe über die Jahre eingebüßt haben. Über Jahre war das die Stärke des Teams, nun hatte Iisalo in den Playoffs Probleme, acht rotationswürdige Spieler zusammenzukratzen.
Es gab aber auch positive Aspekte: Scotty Pippen Jr. gelang als Sixth Man der Durchbruch, Rookie Zach Edey verdiente sich schnell Spielzeit, ebenso Rookie Wells. Dennoch: Mit Franchise-Star Morant konnte in fünf Jahren nur eine Playoff-Serie gewonnen werden. Das ist eine dürftige Ausbeute.

Der Sommer dürfte diese Frage beantworten. Der Point Guard hat zwar noch einen Vertrag bis 2028, könnte aber schon ab dem 1. Juli mit der Franchise über einen neuen Deal verhandeln. Zwei weitere Jahre für knapp 130 Millionen Dollar sind möglich, wenn Memphis weiterhin Vertrauen in den früheren Nr.2-Pick hat.
Aber: In den vergangenen drei Jahren absolvierte Morant gerade einmal 120 Spiele. Das geschah nicht nur aufgrund von Verletzungen, sondern auch wegen seinen Sperren für diverse Waffenvergehen. Hinzu kommt, dass der Guard mit seiner halsbrecherischen Spielweise enorm anfällig für Verletzungen ist. Bei seinen letzten drei Playoff-Teilnahmen verpasste der 25-Jährige stets mindestens ein Spiel (insgesamt 6).
Mit nur 23,2 Punkten pro Partie und einer Quote von 45,4 Prozent aus dem Feld legte Morant so schwache Werte wie zuletzt in seiner zweiten Saison auf. Gleichzeitig sind die Grizzlies von seiner Produktion abhängig, wie die Spiele gegen die Thunder zeigten. Ohne den All-Star war Memphis zu zahnlos.
Neben Morant könnte auch ein anderer Schlüsselspieler einen neuen Vertrag bekommen - und zwar Jaren Jackson Jr. Der Big Man betrieb in der Postseason zwar wenig Eigenwerbung, spielte zuvor aber eine starke Regular Season, die mit einer All-NBA-Nominierung belohnt werden könnte - und das hätte direkte Auswirkungen auf die Grizzlies.
Sollte JJJ nämlich gewählt werden, wäre er für Supermax-Vertrag über fünf Jahre und bis zu 345 Millionen Dollar qualifiziert. Geschieht dies nicht, könnte Memphis nur 146 Millionen für vier Jahre anbieten. Das wäre Jackson Jr. wohl zu wenig, weswegen er dann auf den Sommer 2026 warten würde und den Grizzlies keine Planungssicherheit geben könnte.
Dazu wird mit Santi Aldama ein weiterer Big Restricted Free Agent. Man kann davon ausgehen, dass die Grizzlies den Spanier halten wollen, da man in der Vergangenheit stets proaktiv mit Trades solche Vertragssituationen vermied, wenn man den Spieler nicht bezahlen wollte. Der 24-Jährige hat zwar defensive Defizite, spielte offensiv mit 12,5 Punkten und 6,4 Rebounds die beste Saison seiner Karriere.

Was Memphis offensichtlich abgeht, ist ein Defensivspezialist, der im Idealfall auch eine gewisse Gefahr von der Dreierlinie ausstrahlt. In dieser Spielzeit war das zumeist Wells, der es verdammt gut machte, aber vermutlich bei einem Team mit großen Ambitionen noch nicht gut genug ist, vor allem in der Offense.
Über Jahre kamen die Grizzlies über ihre Defense und beendeten die Saison auch unter den Top 10, doch seit Februar rangierte die Mannschaft nur noch auf Rang 19. Vor allem gegen Playoff-Teams waren die Defizite nicht zu übersehen.
Letztlich hängt aber auch vieles von der Gesundheit von Morant ab. Ist der Aufbauspieler fit, haben die Grizzlies zwei All-Stars in ihren Reihen sowie in Desmond Bane eine mehr als fähige Nummer drei. Dieses Trio kann aber mit den (potenziellen) neuen Verträgen von Morant und Jackson schnell sehr teuer werden.
Durch den Trade von Smart wurde zumindest Platz geschaffen, um Aldama zu halten und womöglich auch Jacksons Vertrag neu zu verhandeln. Werden die Free Agents Luke Kennard und Marvin Bagley III nicht gehalten, haben die Grizzlies über 50 Millionen Dollar Raum bis zur Luxussteuer.
Memphis hält keinen Erstrundenpick im kommenden Draft, dieses Recht wurde im Smart-Trade nach Washington abgegeben. In den kommenden Jahren ist die Schatulle aber noch einigermaßen voll, es könnten theoretisch drei First Rounder in einem Trade angeboten werden.
- 2026: Zweitschlechtester Pick von Phoenix, Washington oder Orlando
- 2027: Eigener Pick
- 2028: Eigener Pick
- 2029: Eigener Pick
- 2030: Zweitbester Pick aus Phoenix und Washington
- 2031: Eigener Pick

"Ich kann dazu im Moment nichts sagen", erklärte der Finne direkt nach dem Aus. "Ich habe versucht, aus den 15 Spielen alles herauszuholen, aber die Entscheidungen treffen andere", meinte Iisalo, der gerne in Memphis weiterarbeiten würde.
Das Front Office der Grizzlies äußerte sich dazu bislang nicht, GM Zach Kleiman sagte nach der Entlassung von Jenkins aber folgendes: "Wir werden sehen, was er mit diesem Team anstellen kann. Wir sind da realistisch. Es gibt kaum Zeit, etwas Neues zu installieren. Ich will eine klare Richtung sehen und schauen wir, wie es im Sommer weitergeht."
Das kann vieles und auch nichts bedeuten. Letztlich hatte Iisalo mit den Verletzten und dem übermächtigen Gegner ein schlechtes Blatt auf der Hand. Gleichzeitig haben es europäische Coaches stets schwer, weil ihr Standing nicht besonders hoch ist. Die Grizzlies waren unter Kleiman zumindest offen für mutige Entscheidungen, das könnte Iisalo womöglich helfen.
Robert Arndt