13.03.2026
Anderthalb Monate nach Entlassung im Interview
Als CEO der EuroLeague war Paulius Motiejunas für die umstrittene Öffnung in den Nahen Osten sowie die Erweiterung auf 20 Teams verantwortlich. Letztlich scheiterte der Litauer jedoch an den stockenden Gesprächen mit der NBA. Im exklusiven Interview verrät er, weshalb eine Einigung bislang ausblieb.

Herr Motiejunas, rund anderthalb Monate nach Ihrem Abschied aus der EuroLeague: Wie blicken Sie heute auf Ihre Zeit als CEO zurück?
Motiejunas: Es war eine gute Zeit. Ich hatte Spaß - und wir haben als Team viel erreicht. Ich bin mit dem, was wir in diesen knapp drei Jahren umgesetzt haben, zufrieden und blicke optimistisch auf die Zukunft der Liga und meine eigene.
Von außen wirkte Ihr Abschied wie ein Signal, dass die Klubs eine Einigung mit der NBA forcieren wollen...
Motiejunas: Das ist schwer zu kommentieren. Ich habe die Entscheidung akzeptiert. Der neue CEO ist ein sehr guter Kandidat, kennt die NBA-Seite und die europäische Seite. Wenn es der Liga hilft, freue ich mich. Ich wünsche ihm nur das Beste.
Zu ihren Verhandlungen: Können Sie bestätigen, dass es Angebote der NBA gab - und dass die Klubs sie abgelehnt haben?
Motiejunas: Ja. Wir hatten gute Gespräche mit dem damaligen NBA-Europe-Management. Es gab ein konkretes Angebot, das wir den Klubs präsentiert haben - und die Anteilseigner fanden es nicht attraktiv genug. Danach haben die Klubs Gegenangebote gemacht, um einen Weg nach vorne zu finden. Es gab Treffen nach dem Final Four und später im Oktober noch einmal zwei weitere Vorschläge. Bis zu meinem letzten Tag kam es aber nicht zu Fortschritten; es blieb stecken. Die Tür war aus unserer Sicht immer offen, und FIBA hat häufig vermittelt - Andreas Zagklis [Generalsekretär der FIBA, Anm. d. Red.] hat wirklich versucht, beide Seiten zusammenzubringen.
Woran hakten die Gespräche konkret?
Motiejunas: Ein Kernpunkt war die Frage, dass alle 13 A-Lizenzinhaber respektiert werden müssen. Die NBA plant aber eher mit einem kleineren Setup plant. Für uns war klar: Du kannst nicht einfach Anteilseigner rausschmeißen. Das ist die Grundlage der Liga. Wenn ein Angebot gut genug ist, sagt niemand Nein - aber dieser Punkt war ein wesentliches Hindernis.
Das Problem ist auch weiterhin ungelöst. Trotzdem spricht die EuroLeague von "konstruktiven Gesprächen". Wie kann das zusammenpassen?
Motiejunas: Eine Lösung ist möglich, aber sie ist kompliziert und braucht Arbeit. Die NBA spricht mit vielen Parteien, sie hat einen Businessplan und muss prüfen, ob er trägt. Als CEO konnte ich aber nicht sagen: "Ich arbeite künftig nur für acht von 13 Teams." Zusätzlich reden Klubs teils individuell mit der NBA - und jeder Funktionär hat zwei Hüte: Er vertritt seinen Klub und gleichzeitig die Liga. Das macht es nicht einfacher. Aber: Ich glaube, dass eine Lösung gefunden werden kann.

Das heißt auch, dass alle Klubs, die keine A-Lizenz besitzen (z.B. Partizan und Roter Stern Belgrad) in den Gesprächen außen vor waren?
Motiejunas: Genau. Die 13 Teams waren der erste Schritt - und schon der ist schwierig. Historisch sind das die Eckpfeiler der EuroLeague, die so seit 26 Jahren funktioniert. Diese Klubs haben den europäischen Spitzenbasketball aufgebaut und über Jahre enorme Summen investiert. Erst wenn der erste Schritt sitzt, kann man über den nächsten sprechen.
Die NBA argumentiert oft mit "Revenue per Fan". Der europäische Basketball lebt aber von Kultur und Atmosphäre. Widerspricht sich das nicht?
Motiejunas: Es muss zusammenpassen. Die NBA bringt Know-how, wie man Business entwickelt - das kann europäischen Klubs helfen. Was die NBA aber nicht zerstören darf, ist unser Kern: die Fanbasis, die verrückte Atmosphäre, die gewachsene Identität. Man sieht ja auch in den USA, dass versucht wird, europäische Stimmung zu kopieren. Deshalb braucht es Balance - nicht entweder oder, sondern beides.
Zum Abschluss: Wie sieht die europäische Basketballlandschaft in fünf Jahren Ihrer Meinung nach aus?
Motiejunas: Aus Basketball-Sicht brauchen wir keine weitere Liga. Wir müssen eine Lösung finden und zusammenarbeiten - wie beim Kalender, bei TV, Sponsoring. Der Fokus sollte auf Basketball und Fans liegen. Eine neue NBA-Liga würde Aufmerksamkeit bringen - das kann helfen, kann aber auch schaden. Fünf Parallel-Ligen wären aus meiner Sicht ein Problem. Das beste Szenario ist eine gemeinsame Lösung, eine klare Pyramide, abgestimmt mit Kalender und genug Spielen, damit der Sport und das Business wachsen.
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Interview von Julius Ostendorf