vor 15 Stunden
Auch der FIBA-Kalender ist Thema
Die Pläne für NBA Europe nehmen weiter Gestalt an - und offenbar gibt es bereits Überlegungen zu einem vergleichbaren Wettbewerb für die Frauen. Pau Gasol bestätigte am Rande der Frauen-WM in Berlin erste Gespräche, machte aber deutlich, dass zunächst das Projekt der Männer im Mittelpunkt steht.

"Es gibt natürlich immer Herausforderungen", sagte Gasol. Wer echtes Wachstum und nachhaltige Veränderungen erreichen wolle, müsse "einige Hürden, Reibungen und vielleicht auch Umbrüche" in Kauf nehmen. Bei NBA Europe gebe es noch viel zu klären - sowohl bei der konkreten Ausgestaltung als auch bei der Umsetzung.
Über einen möglichen europäischen Wettbewerb für die Frauen sei aber ebenfalls bereits gesprochen worden. "Zu Beginn haben wir auch über eine Frauenliga und darüber gesprochen, wie sie aussehen könnte", verriet der zweimalige NBA-Champion. Die Antwort darauf sei jedoch zunächst gewesen: "Lasst uns das hier erst einmal richtig aufsetzen, dann kümmern wir uns später darum."
Konkrete Pläne für eine WNBA Europe gibt es damit offenbar noch nicht, die Idee liegt aber zumindest auf dem Tisch. Gasol sieht grundsätzlich die Möglichkeit, neue Wettbewerbe so aufzubauen, dass sie den Basketball insgesamt voranbringen. Nach einem Governance-Meeting in New York erhoffe er sich weitere Bewegung beim Projekt NBA Europe.
Eine zusätzliche Liga würde allerdings auch die ohnehin bestehenden Probleme mit dem internationalen Kalender verschärfen. Die globale Botschafterin der Frauen-WM in Berlin, Sue Bird, wünscht sich deshalb eine möglichst enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Organisationen: "Egal, ob wir über die FIBA, die WNBA, ein konkurrierendes Projekt oder eine andere Liga sprechen: Je mehr Zusammenarbeit es gibt, desto besser." Konkurrenz sei zwar grundsätzlich positiv, der Kalender aber schon immer der schwierigste Teil gewesen.
Die Hauptlast des Terminchaos trügen laut Bird die Spielerinnen. "Sie haben weniger Trainingszeit und müssen immer mehr Termine in ihr Jahr quetschen", erklärte die WNBA-Legende. Ziel müsse ein Kalender sein, der die Spielerinnen zur Teilnahme an den Nationalmannschaftswettbewerben ermutige, statt ihnen zusätzlichen Stress zu bereiten. Nur so würden auch künftig alle Stars für ihre Länder spielen und hochklassige Turniere ermöglichen.

Wie groß die Belastung bereits jetzt ist, zeigt die WM in Berlin mit ihren 36 Partien in in weniger als zehn Tagen. Bundestrainer Olaf Lange hatte den engen Zeitplan schon während der Vorrunde als "nicht im Interesse des Sports" bezeichnet und vor einem erhöhten Verletzungsrisiko gewarnt: "Für meinen Geschmack ist es zu eng getaktet. Weil das Produkt, das wir präsentieren wollen, gefährdet ist."
Nach der Halbfinal-Niederlage gegen Frankreich fand auch Leonie Fiebich deutliche Worte. "Es ist verrückt. Ehrlich gesagt, es ist völlig irre", sagte sie mit Blick auf das dritte Back-to-back und das Spiel um Platz drei nur einen Tag später. Deutschland sei diese Belastung bei diesem Turnier inzwischen zwar gewohnt - langfristig zeigt die Debatte jedoch, dass das Wachstum des Frauenbasketballs ohne eine gemeinsame Lösung für den Kalender an seine Grenzen stoßen könnte.