vor 8 Stunden
Franzose plötzlich anders eingesetzt
Die San Antonio Spurs haben einen wichtigen Auswärtssieg in New York geholt und damit in der Finalserie verkürzt. Dabei kam Starspieler Victor Wembanyama diesmal weitgehend anders zum Einsatz als noch zuvor. Der Knicks-Matchwinner der Spiele zuvor hatte diesmal große Probleme - aus gutem Grund. Einen Hoffnungsschimmer gibt es für New York aber dennoch.

Wie talentiert Victor Wembanyama mit dem Ball in der Hand ist, dürfte inzwischen allen klar sein. Trotz seiner Größe verfügt er über außerordentliche Fähigkeiten im Dribbling und im Werfen. Gegen die Knicks kamen diese Skills bislang aber weniger zur Geltung. In Isolation - ob gegen Towns, Robinson oder auch Anunoby - kam der Franzose nur selten bis zum Korb. Insbesondere die beiden Center des Gegners machten zuweilen einen tollen Job, Wemby zu schwierigen Abschlüssen aus der Mitteldistanz zu zwingen.
In Spiel 3 versuchten die Spurs, einen anderen Ansatz zu finden. Anstatt Wembanyama den Ball direkt in die Hand zu geben und ihn selbst zaubern zu lassen, erhielten die Guards diesmal deutlich mehr Verantwortung. Selbst mit Wemby auf dem Feld waren es primär Fox (8 AST) und Castle (5 AST), die den Ball nach vorn brachten.
Der 2,24-Meter-Riese nutzte hingegen seine physischen Vorteile gegen die diesmal oft kleineren Gegenspieler, um sich eine bessere Position unter dem Korb zu verschaffen. Insgesamt 15 seiner 32 Punkte erzielte der 22-Jährige am gegnerischen Ring (Bestwert in der Serie gegen die Knicks). OG Anunoby und seltener auch Josh Hart waren mit der unliebsamen Aufgabe, Wembanyama in luftiger Höhe zu verteidigen, schlicht völlig überfordert. Mit 61,1 Prozent Wurfquote (11/18) sowie acht erfolgreichen Freiwürfen verbuchte der Superstar der Spurs sein mit Abstand effizientestes Spiel der laufenden Finalserie.
Zurecht wurde Knicks-Center Karl-Anthony Towns nach seinen beiden ersten Spielen mit Lobeshymnen überschüttet. Endlich hatte er die richtige Mischung aus Aggressivität und gutem Decision-Making gefunden. Seine Gefahr aus der Distanz sowie der starke Drive zum Korb hatten besonders Wembanyama alt aussehen lassen. In Spiel 3 setzten die Spurs nun noch stärker als noch in den beiden Partien zuvor auf kleinere Verteidiger wie De'Aaron Fox und Devin Vassell. Wemby hingegen ließ seinen Gegenspieler Josh Hart hingegen weitestgehend offen, um in der Zone als Help-Defender sofort präsent sein zu können.

Zwar erzielte Hart starke 16 Punkte (4/7 Dreier), dafür ging der Plan gegen den offensiv wohl talentieren Towns auf. Der Big Man hatte, anders als noch gegen Wemby, keine Tempovorteile beim Drive. Dazu wurde er am Dreier enger bewacht. Seine elf Punkte (4/10) waren die wenigsten seit der Playoff-Zweitundenserie gegen Philadelphia. Mit eigentlichem Mismatch gegen kleinere Verteidiger verwandelte Towns sogar nur 1/6 FG (einziger Korb nach Offensivrebound).
Positiv ist aus Sicht der Knicks gleichwohl die Entwicklung von OG Anunoby festzuhalten. Der Brite hatte zu Playoff-Beginn den möglicherweise besten Basketball seiner Saison gespielt, ehe ihn eine Oberschenkel-Verletzung ausbremste. Seither spielte er zwar defensiv eine wichtige Rolle und war auch offensiv gewohnt beständig. Dennoch fehlte ihm ganz offenbar das Selbstvertrauen aus den Wochen zuvor. Daran dürfte sicherlich auch die Präsenz Wembanyamas unter dem Korb einen Anteil haben.
In Spiel 3 wirkte Anunoby nun wieder extrem selbstsicher. Gerade im Umschaltspiel, wenn ihm die Spurs einen kleineren Verteidiger entgegenstellten, wusste er die Mismatches gekonnt auszunutzen. Zwischenzeitlich hatte er 7/8 von Würfen verwandelt. Die Quote sank erst in der zweiten Hälfte, als die Knicks-Offensive spürbar zu stagnieren begann und Anunoby gefragt war, Offensive zu kreieren, wo eigentlich keine war.
Julius Ostendorf