26.02.2026
Guard will sich empfehlen
Kostja Mushidi galt einst als eines der größten deutschen Talente und kommender NBA-Spieler. Schlechte Entscheidungen brachten den 27-Jährigen jedoch von seinem Weg ab, nun bekommt er beim DBB-Team endlich die Chance, sich neu zu beweisen.

66 Sekunden stand Kostja Mushidi bisher für die A-Nationalmannschaft auf dem Feld. In der EM-Qualifikation 2023 debütierte der damals 24-Jährige im estnischen Tallinn unter Gordon Herbert endlich für das DBB-Team (2018 stand er auch schon im Kader), nachdem über er Jahre als eines der größten Versprechen im deutschen Basketball galt.
Inzwischen ist der Guard 27 Jahre alt, weitere Länderspiele kamen nicht hinzu. Nun nominierte aber Alex Mumbru den gebürtigen Belgier erneut und gibt Mushidi somit eine neue Chance. Für die Niners Chemnitz spielt Mushidi EuroCup, dazu zählt er bei den Sachsen zu den Eckpfelern. In über 22 Minuten pro Partie legt Mushidi 8,7 Punkte und 1,7 Assists im Schnitt auf, bei der Wurfquote gibt es noch Luft nach oben (38,0 Prozent).
Dennoch ist er jemand, der für sich selbst kreieren kann, das Selbstvertrauen besitzt, um Würfe zu treffen. Athleten wie ihn hat Deutschland auf Guard wenige, erst recht, wenn die NBA- und große Teile der EuroLeague-Spieler fehlen. Vom Talent her müsste Mushidi selbst so einer sein, vor vielen Jahren stand der Chemnitzer in sämtlichen Notizbüchern von NBA-Scouts, doch der Sprung gelang nie.
2016 hatte Mushidi die U-18-Nationalmannschaft noch zum ersten Titel beim traditionsreichen Albert-Schweitzer-Turnier in Mannheim geführt. Nach 25 Punkten und elf Rebounds im Finale wurde er auch zum MVP des Turniers gewählt. Ein Jahr später schien die NBA ganz nah, als der inzwischen in Serbien spielende Swingman beim Nike Hoop Summit (unter anderem an der Seite von Isaiah Hartenstein) Team World als Topscorer zum Sieg gegen die USA führte.
Laut Mushidi wurde ihm trotzdem geraten, noch ein Jahr zu warten, um dann ein sicherer Erstrundenpick zu sein. Eine fatale Entscheidung, da Mushidi in Belgrad weiter viel feierte und sich in seinem zweiten Jahr gleich zweimal den Fuß brach.

"Wenn man mit 17 oder 18 gesagt bekommt, dass du ein NBA-Prospect bist, du bald Millionär sein wirst und dass alles super ist, was du machst, dann ruht man sich irgendwann im Unterbewusstsein darauf aus und passt auch weniger auf sich selbst auf", berichtete Mushidi in einem Interview mit seinem ehemaligen Verein, den Löwen Braunschweig.
"Ich war einfach auf Wolke 7, habe das mit Nightlife und allem drum und dran genossen und in Belgrad ein schlechtes Bild von mir abgegeben, auch NBA-Scouts gegenüber. Vor allem in meinem ersten Jahr in Belgrad bin ich am Rad gedreht." Und auf einmal war der Hype nicht mehr da. Nach drei Jahren folgte der Schritt zurück nach Deutschland, doch auch in Braunschweig gab es schnell Probleme.
Aus disziplinarischen Gründen trennte man sich nach wenigen Monaten, Drogen und Depressionen spielten hier eine Rolle. "Ich war abhängig von Gras", erzählte Mushidi Jahre später der Mitteldeutschen Zeitung. In Braunschweig erhielt der Youngster unter anderem dank Dennis Schröder noch eine Chance.
| Zeitraum | Team |
|---|---|
| 2012-2015 | Dragons Rhöndorf |
| 2015-2016 | Strasbourg IG |
| 2016-2019 | KK Mega Basket |
| 2019 | OKK Belgrad |
| 2019, 2020 | Löwen Braunschweig |
| 2021-2024 | Syntainics MBC |
| 2024-2025 | BG Göttingen |
| Seit 2025 | Niners Chemnitz |
Die Probleme blieben, nach wenigen Wochen war Mushidi wieder weg. Erst beim Syntainics MBC fand der Guard Stabilität und blieb dort drei Jahre. Die großen Erwartungen konnte er dennoch nie erfüllen, im Sommer 2024 nahm ihn zunächst kein Team unter Vertrag. Erst als der Spielbetrieb lief, kam Mushidi beim späteren Absteiger Göttingen unter.
"Ich musste mir den Respekt wieder erarbeiten und zeigen, dass ich es noch ernst meine mit Basketball, obwohl es mein Leben ist", sagte Mushidi Dyn. Die Veilchen stiegen ab, dennoch kletterte Mushidi die Karriereleiter nach oben und spielt in dieser Saison erstmals im zweitklassigen EuroCup.
Die NBA ist inzwischen kein Thema mehr, dafür befindet sich der 27-Jährige endlich wieder im Dunstkreis der Nationalmannschaft. Natürlich profitiert der Sohn eines Russen dabei von den vielen Ausfällen (Mumbru spricht von bis zu 20 Spielern), doch Mushidi kann sich womöglich zeigen und hoffentlich ein paar Minuten zu seinen bisherigen 66 Sekunden draufpacken.
Robert Arndt