vor 4 Stunden
Alte Probleme um den Ex-MVP
Joel Embiid kehrte nur 17 Tage nach seiner Operation zurück und lieferte sofort ab. Doch sein Comeback wirft auch Fragen auf, denn trotz starker Zahlen bleibt sein Effekt auf das Spiel gering.

Joel Embiid kam schneller als viele erwartet hatten zurück. Nur gut zwei Wochen nach seiner Blinddarm-Operation stand der Star der Philadelphia 76ers in Spiel 4 gegen die Boston Celtics wieder auf dem Parkett, spielte rund 34 Minuten und lieferte mit 26 Punkten, 10 Rebounds, 6 Assists direkt ab. Er wirkte physisch präsent, suchte den Kontakt und übernahm direkt Verantwortung.
Die Statline liest sich gut, keine Frage. Der Einfluss auf das Spiel war es aber weniger. Nach einem starken Start verlor Embiid zunehmend den Rhythmus, traf schwierige Würfe nicht (9/21 FGM) und Boston passte sich schnell an. Die Celtics zwangen ihn bewusst zu Distanzabschlüssen (1/6 3PM) und forderten ihn defensiv permanent heraus.
Celtics-Coach Joe Mazzulla brachte es auf den Punkt: "Man kann ihn nicht stoppen, man muss ihn kontrollieren." Genau das gelang Boston.
Noch entscheidender ist die Wirkung auf das Teamgefüge der Sixers. Ohne den ehemaligen MVP auf dem Feld lief viel über das gewohnt Tempo und Guard-Play um Tyrese Maxey und VJ Edgecombe. Mit seiner Rückkehr verschiebt sich der Fokus wieder stark ins Halbfeldspiel und das Spiel wird langsamer und leichter ausrechenbar.
Das ist kein neues Phänomen. Schon in früheren Playoff-Jahren war zu beobachten, dass Philadelphia stark von Embiids individueller Klasse lebte, aber als Kollektiv zu selten Lösungen findet, wenn er kontrolliert wird.

Das Comeback des Centers fügte sich in das größere Bild ein, denn Embiids Playoff-Karriere ist seit Jahren von Verletzungen und eingeschränkter Leistungen geprägt. Auch diesmal kehrte er zurück, kämpfte sich durch, doch der ganz große Einfluss blieb aus. Seine Aussage nach dem Spiel wirkt fast sinnbildlich: "Man versucht unter den Umständen sein Bestes zu geben, wir haben nicht gut gespielt."
Mit Blick auf die Serie (1-3) zeichnet ab, dass vor allem Boston zurück zu alter Stärke gefunden hat und selbst ein fitter Embiid gegen diese Celtics wohl kaum viel ausrichten könnte. Die Frage ist deshalb, ob dieses Comeback überhaupt noch einen Unterschied machen kann. Für Philadelphia bleibt nur die Hoffnung auf ein individuelles Ausnahmespiel, oder mehrere.
Lukas Hetterich