vor 12 Stunden
EM-Aus im Viertelfinale gegen Frankreich
Die deutsche U-18-Nationalmannschaft ist im Viertelfinale der Europameisterschaft gescheitert. Dabei zeigte sich gegen Frankreich, was der Mannschaft noch fehlt. Ein Beinbruch ist dies dennoch nicht.

61:76 hieß es nach 40 Minuten gegen Frankreich und das Ergebnis entsprach auch den Kräfteverhältnissen zwischen den beiden Mannschaften. Für die DBB-Junioren, die zuvor ein überragendes Turnier mit Statement-Siegen gegen Slowenien und Litauen gespielt hatten, wurde dieses Spiel zu einem Realitätscheck.
Der viel gehypte Fabian Kayser von Real Madrid (4 Punkte, 1/16 FG) traf überhaupt nichts, Spielmacher Lucai Anderson leistete sich sechs teils haarsträubende Ballverluste. Erzwungen wurde dies von einem französischen Team, welches die deutschen Schwächen gnadenlos aufzeigte. Man muss auch konstatieren, dass dieses Frankreich das schlechteste Matchup für das DBB-Team in diesem Turnier war.
Zuvor hatte Deutschland stets körperliche Vorteile, neun der zwölf Spieler im Kader sind über zwei Meter groß. Sie dominierten die Bretter, sammelten Steals am laufenden Band - diese Vorteile fielen diesmal weg. Frankreich war noch einmal eine Ecke athletischer, übte noch mehr Druck auf den Ball (26:7 Punkte nach Ballverlusten) und traf besser von der Dreier- und Freiwurflinie.
Das deutsche Spiel, welches unter Bundestrainer Alan Ibrahimagic sehr der Philosophie der A-Nationalmannschaft ähnelte, kam überhaupt nicht zur Geltung. 24 Ballverluste, dazu eine Feldwurfquote von 35 Prozent - so kann man kein K.o.-Spiel gewinnen.
„Wir haben sehr gut gekämpft, aber es hat leider nicht gereicht. In der ersten Halbzeit hatten wir viel zu viele Ballverluste, die sie in einfache Punkte umwandeln konnten", bilanzierte Ibrahimagic. "Wir haben uns das Momentum immer wieder selber gekillt, in dem wir den Franzosen Freiwürfe gegeben haben. Dann war kein Fluss im Spiel. So war es leider zu wenig.“
Es war eine Lehrstunde für die deutsche Mannschaft und trotz der Enttäuschung kann dies durchaus helfen. Was nicht vergessen werden sollte: Die Deutschen stellten eines der jüngsten Teams im Wettbewerb. Gleich fünf der zwölf Akteure könnten auch im kommenden Jahr noch einmal bei diesem Turnier spielen, darunter Leistungsträger wie Kayser, Anderson oder Caspar Vossenberg.
Ob sie es auch tun, dürfte davon abhängen, wie sich Deutschland in den verbleibenden beiden Spielen schlägt. Denn noch geht es um etwas, nämlich den letzten verbleibenden Qualifikationsplatz für die U19-WM im kommenden Sommer. Damit sich Deutschland qualifiziert, braucht es Siege gegen die Türkei sowie gegen den Gewinner der Partie zwischen Israel und Griechenland.

Möglich ist das, wenn das DBB-Team wieder seinen Rhythmus findet. So oder so war es aber ein gutes Turnier für die deutsche Auswahl. Die Mannschaft war erstaunlich tief besetzt, hat diverse Ballhandler, Spieler mit Gardemaß und viele Youngster deuteten an, dass noch deutlich mehr Potenzial in ihnen stecken könnte.
Das Team von vor zwei Jahren, welches Europameister wurde, war mit Jack Kayil, Christian Anderson, Hannes Steinbach und Ivan Kharchenkov möglicherweise in der Spitze besser, doch die Tiefe im Kader spricht für die Auswahl von 2026. Es ist davon auszugehen, dass wir einige von ihnen auch bald im Profi-Basketball sehen werden. Mit Anton Kemmer und Marko Petric durften zwei Akteure auch schon in der BBL reinschnuppern, während Center Leonard Kröger bei Zweitligist Paderborn fest in der Rotation eingeplant ist.
Die gute Entwicklung im deutschen Basketball schreitet weiter voran, dafür muss es auch nicht jedes Mal eine Medaille sein.
Robert Arndt