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    NBA

    vor 17 Stunden

    Ein natürlicher Fit - mit großem Aber

    Eine Wette mit Risiko: Was bringt Thompson den Heat wirklich?

    Mit Klay Thompson hat sich ein weiterer künftiger Hall-of-Famer auf der Suche nach Ringen den Miami Heat angeschlossen. Vor allem in seiner Paradedisziplin soll der Ex-Warrior dem neu formierten Team helfen. Doch wie wertvoll ist diese Verpflichtung wirklich?

    Giannis Antetokounmpo, Klay Thompson
    Giannis Antetokounmpo und Klay Thompson gehen nächste Saison zusammen auf Titeljagd. picture alliance / ASSOCIATED PRESS

    Gut möglich, dass sich die vergangenen beiden Jahre für Klay Thompson so angefühlt haben, als sei er im falschen Film gelandet. Es dürfte dem einstigen Splash Brother schon nicht leichtgefallen sein, die Golden State Warriors nach vier gewonnenen Meisterschaften zu verlassen; wenigstens folgte er dabei aber ja dem Lockruf eines Teams, das gerade die Finals erreicht hatte.

    Dallas war "einen Klay Thompson" vom Titel entfernt, hieß es damals frei nach dem früheren Mavs-GM Nico Harrison - der sich freilich einige Monate später ruckartig komplett von dieser Vision abwenden sollte. Klay spielte in Dallas bloß 21-mal zusammen mit Luka Doncic, dann wurde der Slowene zu den Lakers getradet.

    Klay war in Dallas über zwei Jahre nicht das fehlende Puzzlestück. Er war eher ein Zurückgelassener. Er war sogar eine Konstante, lief in 141 von 164 möglichen Spielen für die Mavs auf, während um ihn herum Verletzungen und Trades wüteten und das Team vom Contender zum Lottery-Team (und -Gewinner) machten.

    Thompson hatte sich das nächste, das potenziell letzte Kapitel seiner Karriere sicherlich anders vorgestellt. Er hat nun eine Art Mulligan erhalten, sich diesen sogar selbst erkauft, indem er auf knapp 10 Millionen Dollar seines noch ausstehenden Gehalts für die kommende Saison verzichtet hat.

    Wird der nächste Anlauf besser enden?

    Thompson wechselte einst angeblich nur wegen Doncic nach Dallas. Ihre gemeinsame Zeit in Texas endete aber überraschend nach wenigen Monaten.
    Thompson wechselte einst angeblich nur wegen Doncic nach Dallas. Ihre gemeinsame Zeit in Texas endete aber überraschend nach wenigen Monaten. IMAGO/EPA

    Ein natürlicher Fit

    Auf der Oberfläche ist es bestens nachvollziehbar, dass sich die Miami Heat schnell gemeldet und Thompson geangelt haben (für zwei Jahre und knapp 13 Mio. Dollar). Schon in dem Moment, als die Heat für Giannis Antetokounmpo tradeten, war nahezu jedem klar, was noch fehlte: Shooting. Das bringt Thompson, nach wie vor.

    Er bringt es sogar mehr als fast jeder andere Spieler der Liga-Historie. Klay hat die viertmeisten Dreier der Geschichte getroffen, ist DER Catch-and-Shoot-Spezialist schlechthin, trifft über seine Karriere fast 41 Prozent von draußen. Selbst wenn die Prime (lange) vorbei ist, waren es auch in Dallas noch sehr anständige 39 Prozent.

    Er ist damit ein offensiv natürlicher Fit mit Giannis, der mehr als nahezu jeder andere Spieler in der Liga dazu in der Lage ist, mit seinem eigenen Rim-Pressure Dreier für seine Teammates zu generieren. Klay sollte davon so profitieren, wie er ursprünglich auch von Luka hätte profitieren können - und er wird Antetokounmpo Platz schaffen.

    Das fehlende Puzzlestück?

    In gewisser Weise ähnelt die Erwartungshaltung dabei der, die auch Dallas einst mit Thompson verband, selbst wenn bei den Heat noch keiner gesagt hat, das Team sei vorher "einen Klay" vom Titel entfernt gewesen. Wie viel sich die Heat von Thompson erhoffen, ließ Pat Riley in seinem Statement zur Verpflichtung dennoch durchblitzen.

    Thompson hatte eine unglückliche Zeit in Dallas.
    Thompson hatte eine unglückliche Zeit in Dallas. Jerome Miron-Imagn Images

    "Klay ist einer der ikonischsten Spieler, die jemals in der NBA gespielt haben", so Riley. "Ein viermaliger kampferprobter Champion, der perfekt in seine Rolle als Allrounder an beiden Enden des Courts passen wird. Wir reden alle über seine Shooting-Fähigkeiten, aber es gibt so viel mehr, was er bringt. Wir sind gesegnet, dass Klay die Heat bei unserer Jagd nach Meisterschaften ausgewählt hat."

    Natürlich hat der Executive ein Interesse daran, seinen neuen Spieler möglichst positiv darzustellen. Gleichzeitig muss nüchtern betrachtet festgehalten werden, dass dieser der obigen Beschreibung (insbesondere „Allrounder an beiden Enden des Courts“) nun schon seit einigen Jahren nicht mehr wirklich gerecht wird.

    Das große Aber

    Was nicht verwundern kann; Thompson, der einst neben seinen Scoring-Skills ja tatsächlich auch ein sehr guter Mann-Verteidiger war, hat ab den Finals 2019 eben Achillessehnen- und Kreuzbandriss aneinandergereiht, also gleich zwei der nach wie vor schlimmsten Verletzungen für NBA-Spieler.

    Er ist nicht mehr so schnell, nicht mehr so athletisch, nicht mehr so physisch - natürlich ist er das nicht mehr. Es war bereits ein kleines Wunder, dass Klay 2022 noch einmal ein ziemlich gutes Jahr spielte und Teil der vierten Meisterschaft war, selbst wenn andere Spieler (etwa sein neuer Teamkollege Andrew Wiggins) dabei wichtiger waren als er.

    Unterm Strich war dies jedoch die einzige Saison seit seiner Verletzungspause, in der sein Team in seinen Minuten ein besseres Net-Rating hatte als in denen ohne ihn. Natürlich kann er immer noch sehr gut werfen, die defensiven Einbußen waren und sind aber so groß, dass es Teams in der Regel nicht mehr gelang, sie zu kompensieren.

    Klay Thompson: Alle Karrierestatistiken im Überblick

    SaisonTeamGPPTSFGREBBLK
    2011/12GSW6612,544,3%2,40,3
    2012/13GSW8216,642,2%3,70,5
    2013/14GSW8118,444,4%3,10,5
    2014/15GSW7721,746,3%3,20,8
    2015/16GSW8022,147,0%3,80,6
    2016/17GSW7822,346,8%3,70,5
    2017/18GSW7320,048,8%3,80,5
    2018/19GSW7821,546,7%3,80,6
    2019/20GSW0
    2020/21GSW0
    2021/22GSW3220,442,9%3,90,5
    2022/23GSW6921,943,6%4,10,4
    2023/24GSW7717,943,2%3,30,5
    2024/25DAL7214,041,2%3,40,4
    2025/26DAL6911,739,3%2,10,3

    Wie viel bringt er wirklich?

    Was in Miami vielleicht anders sein wird: Mit Wiggins, Giannis, Bam Adebayo und Davion Mitchell haben die Heat ein exzellentes defensives Grundgerüst. Dieses Team kann ihn verstecken, in der Regular Season wenigstens. In den Playoffs, wo jeder Schwachpunkt gefunden und attackiert wird, geht diese Gleichung aber nicht so leicht auf.

    In den Playoffs wird es traditionell auch für Giannis etwas schwerer, gegen besser vorbereitete Defensiven beständig Dreier zu kreieren. Auch das könnte Klay dann wiederum schaden, der schon in seiner Prime nicht unbedingt als Shot-Creator durchging und mittlerweile erst recht ein abhängiger Offensivspieler ist.

    All das ändert überhaupt nichts an seinem Legenden-Status, der ihn längst zum sicheren künftigen Hall of Famer gemacht hat, an seiner Erfahrung, seinem Status als Gewinner. Nur ist der 36-jährige Klay eben ein ganz anderer Spieler, einer, der in den vergangenen Jahren keinen konstant positiven Impact mehr hatte und trotz seines Shootings sogar unterdurchschnittlich effizient scorte.

    Geht die Wette auf?

    Vielleicht ändert sich das in Miami noch einmal - vielleicht findet Erik Spoelstra die richtige Rolle für ihn. Der Bedarf für seine wichtigste Fähigkeit ist groß genug, dass es trotz aller Bedenken sogar ein No-Brainer gewesen wäre, ihm einen Minimalvertrag anzubieten. Ihm zwei Jahre über diesem Preis und eine Spieler-Option zu geben, ist hingegen riskanter.

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    Es gibt schlichtweg keine Garantie, dass dieses Experiment aufgeht. Miami hat vermutlich nicht allzu viel Zeit und definitiv nicht allzu viele Ressourcen, um sein Fenster mit Giannis zu maximieren. Dafür haben die Heat nun nicht alles, aber recht viel auf die Karte Thompson gesetzt.

    Immerhin haben sie ihm wohl - anders als Dallas vor zwei Jahren - keinen Platz in der Starting Five versprochen. Es wird dennoch spannend zu sehen, ob sich auch bei dieser Transaktion früher oder später eine Partei einen Mulligan wünscht.

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    Ole Frerks