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Berlin in der Offseason-Analyse
Alba Berlin geht als Deutscher Meister in die neue Saison. Der Kern des Titelteams ist geblieben, vier gezielte Neuzugänge versprechen zusätzliche Qualität. Unter dem Korb gehen die Berliner aber ein großes Risiko ein.

Der Meistertitel in der BBL kam letzte Saison spektakulär. Im entscheidenden fünften Finalspiel lag Alba Berlin beim FC Bayern mit 20 Punkten zurück, drehte die Partie aber noch und gewann mit 84:81. Es war der zwölfte Meistertitel der Vereinsgeschichte. Justin Bean wurde nach durchschnittlich 13,6 Punkten, 6,6 Rebounds und 2,2 Assists zum Final-MVP gewählt.
Damit endete die erste Saison nach dem Abschied aus der EuroLeague mit dem wichtigsten nationalen Titel. Auch international gehörten die Berliner zu den besten acht Mannschaften der Basketball Champions League. Im Viertelfinale war gegen Unicaja Malaga nach zwei Niederlagen Schluss, wobei Alba das Rückspiel erst nach Verlängerung mit 85:88 verlor. Im Pokal fehlte auch nicht viel zum Titel. Erst im Finale musste sich die Mannschaft von Pedro Calles den BMA365 Bamberg Baskets mit 72:74 geschlagen geben.
Der größte Vorteil gegenüber dem vergangenen Sommer ist die Kontinuität. Calles geht in seine zweite (volle) Saison als Cheftrainer und kann weiterhin auf Martin Hermannsson, Jack Kayil, Jonas Mattisseck, Malte Delow, Sam Griesel, Justin Bean und Norris Agbakoko bauen.
Der prominenteste Neuzugang im Backcourt ist Jordan Ford. Der 28-Jährige kommt vom türkischen EuroCup-Team Bahcesehir, für das er durchschnittlich 13,5 Punkte in der türkischen Liga erzielte. Zuvor sammelte der Combo-Guard unter anderem in Italien, Griechenland, der NBA G League und bei sechs NBA-Einsätzen für die Sacramento Kings Erfahrung.
Ford soll Alba eine Qualität geben, die im Meisterkader nicht konstant vorhanden war: individuelles Scoring aus dem Dribbling. Der 1,85 Meter große Guard kann im Pick-and-Roll selbst abschließen, aus der Mitteldistanz treffen und Würfe spät in der Shotclock kreieren. Damit ist er ein naheliegender Kandidat für die Rolle des ersten Scorers.
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| M. Hermannsson | J. Ford | J. Wieskamp | J. Bean | N. Agbakoko |
| J. Kayil | J. Mattisseck | M. Delow | B. Angel | N. Bennefeld |
| J. Böhmer | A. Nufer | S. Griesel | A. Kemmer | |
| R. Schmitt |
Auch Joe Wieskamp wertet den Kader deutlich auf. Der ehemalige NBA-Spieler kommt von Science City Jena und unterschrieb in Berlin einen Dreijahresvertrag. In der vergangenen BBL-Saison erzielte der Flügelspieler 16,2 Punkte und 7,7 Rebounds bei einer Dreierquote von 41,1 Prozent. Neben Hermannsson, Ford und Kayil kann Wieskamp verstärkt als Schütze abseits des Balls eingesetzt werden.
Julius Böhmer erweitert die tiefe Berliner Guard-Rotation. Der 24-Jährige verbuchte für Göttingen in der ProA durchschnittlich 10,1 Punkte, 2,4 Rebounds und 2,4 Assists. Mit Hermannsson als Organisator, Ford und Kayil als Ballhandlern und Mattisseck als Verteidiger und Distanzschützen hat Alba im Backcourt sehr viele Optionen.
Der vierte Neuzugang ist Brandon Angel. Der 2,04 Meter große Big Man kommt von Hapoel Be’er Sheva, für das er in seiner ersten Profisaison 16,8 Punkte, 7,9 Rebounds und 2,3 Assists auflegte. Außerdem traf er 41,9 Prozent seiner Dreier. Angel ist beweglich, kann das Spielfeld breit machen und passt damit gut in die schnelle Berliner Offensive. Allerdings ist er eher Power Forward als klassischer Center.
Damit bleibt die Besetzung unter dem Korb die größte offene Frage. Mit Norris Agbakoko steht nur ein erfahrener echter Fünfer im Kader, dahinter bleiben Angel und der 19-jährige Doppellizenzspieler Nevio Bennefeld. Nach den Abgängen von Michael Rataj, Moses Wood und J’Wan Roberts hat der Frontcourt trotz der offensiven Qualitäten von Angel und Wieskamp weniger Masse und defensive Stabilität.

Zugänge: Jordan Ford (Bahcesehir), Julius Böhmer (Göttingen), Brandon Angel (Hapoel Be’er Sheva), Joe Wieskamp (Science City Jena)
Abgänge: Bennet Hundt (Trier), Michael Rataj (Ulm), Moses Wood (Le Mans), J’Wan Roberts (Ziel offen), Alex O’Connell (Ziel offen)
Der Meister geht mit einem stärkeren offensiven Kader in die neue Saison. Fraglich ist aber, ob die Berliner den Verlust an Größe und defensiver Physis kompensieren können. Der Frontcourt wirkt dünn, und ein weiterer klassischer Center würde dem Kader guttun. Dazu müssen Ford und Wieskamp zeigen, wie schnell sie sich in die bewegungsreiche Berliner Offensive integrieren.
Trotzdem ist Alba neben Bayern der kompletteste Titelkandidat. Die geringere internationale Belastung gegenüber dem EuroLeague-Teilnehmer aus München, die eingespielte deutsche Achse und die gewonnene offensive Qualität sprechen für eine weitere starke Hauptrunde. Platz eins ist möglich, die realistischste Prognose bleibt aber Rang zwei. Spätestens in den Playoffs dürfte der Weg zur Meisterschaft wieder über Berlin führen.
Lukas Hetterich