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    NBA

    vor 10 Stunden

    Beobachtungen aus der Summer League

    Eindrücke der Draft-Top-4: Superstar-Potenzial und ein unerwarteter Scharfschütze

    Während der Summer League in Las Vegas spielen erstmals alle vier Top-Picks und trafen zum Auftakt sogar direkt aufeinander. Zeit für erste Eindrücke von AJ Dybantsa, Darryn Peterson, Cameron Boozer und Caleb Wilson. Kurz-Fazit: viel Vielversprechendes, etwas Überraschendes, unglaubliches Potenzial und Raum für Verbesserung.

    Cameron Boozer ist Sohn des zweimaligen All-Stars Carlos Boozer.
    Cameron Boozer ist Sohn des zweimaligen All-Stars Carlos Boozer. Getty Images

    AJ Dybantsa - Nummer-1-Pick

    25 Punkte, 13/33 FG, 1/11 3FG, 7 Rebounds, 2 Assists, 2,5 Steals, 1,5 Blocks

    Der Nummer-1-Pick durfte zum Start gegen die Nummer 2 ran und bemühte sich direkt um ein Statement. Auf zwei Ebenen. AJ Dybantsa machte am Ball Druck, klaute ihn, um wenig später brachial zu stopfen. Da war er also, dieser unfassbare Athlet, der offensiv wie defensiv dominieren kann. Ein potenzieller Superstar.

    Dybantsa blieb nicht nur in dieser einen Szene als Point-of-Attack Defender vor Gegenspielern und setzte sie dabei permanent unter Druck. Im zweiten Spiel gegen Sacramento wiederholte er das Kunststück regelmäßig. Mehr noch. Als Darius Acuff, immerhin Nummer-7-Pick, zum Dreier ansetzte, schnellte Dybantsa nach oben und erklärte den Versuch für unzulässig.

    So sehr die Offense des First Pick vor dem Draft Blicke auf sich zog, seine Defense scheint ähnliches Potenzial zu besitzen - was Dybantsas Möglichkeiten nach oben katapultiert. Denn es ist eben nicht Athletik allein. Dybantsa weiß seine Voraussetzungen bereits während der ersten Spiele teilweise eindrucksvoll einzusetzen.

    AJ Dybantsa ist der diesjährige Nr.-1-Pick.
    AJ Dybantsa ist der diesjährige Nr.-1-Pick. picture alliance / AP Photo/John Locher

    Die Wizards wollen ihn machen lassen. Er soll Dinge versuchen, was zwangsweise zu Fehlern führt. Offensichtlich wurde bislang jedoch, wie gut Dybantsa dorthin kommt, wo er möchte. Seine schnellen, explosiven, langen Schritte stellen Defenses vor Probleme, sind jedoch nicht allein. Es geht nicht nur um Power. Dybantsa verziert seine Drives mit Geschwindigkeitswechseln und Spins, was es für Verteidiger umso schwerer macht. Am Ring streute er zudem diverse Abschlüsse ein, bei denen er den Ball im Schatten mehrerer Defender mit viel Gefühl über das Brett durch den Ring drehte.

    Verbesserungswürdig ist der Jumper. Das belegen die Quoten. Wobei die Summer League auch kaum als Wettbewerb zur Rhythmusfindung dient. Daran lässt sich also arbeiten. Zumal Dybantsa immer wieder zu guten Abschlüssen findet, sie sich selbst herausspielt.

    Interessant wird womöglich seine Rolle als Screener. Auch damit experimentierten die Wizards. Dybantsa setzte oben den Block rollte kurz zur Freiwurflinie ab, um dort den Ball zu bekommen und zu entscheiden. Seinen offenen Mitspieler auf dem linken Flügel sah er, wählte dann aber den eigenen Abschluss und zog den Freiwurf. Wobei er durchaus Bereitschaft signalisierte, aus dem Doppel heraus zu passen.

    Apropos Freiwürfe. Die zog Dybantsa reihenweise (insgesamt 14). Summer League ist nicht NBA. Einen ersten Eindruck, wie schwer es sein wird, diesen explosiven, langen Wing ohne Foul beim Drive zu stoppen, liefert Vegas bislang dennoch. Ebenso, dass der Nummer-1-Pick sich nicht zu schade ist für die kleinen Dinge. Dybantsa arbeitete am Brett und greift sich im Schnitt bislang 7 Rebounds.

    Peterson überzeugte im direkten Duell mit Nr.-3-Pick Boozer.
    Peterson überzeugte im direkten Duell mit Nr.-3-Pick Boozer. Getty Images

    Darryn Peterson - Nummer-2-Pick

    23,5 Punkte, 12/36 FG, 3/10 3FG, 2,5 Rebounds, 4 Assists, 1 Steal, 1,5 Blocks

    Noch bevor es nach Vegas ging, hinterließ Darryn Peterson Eindruck. Vor den "eigenen" Fans in Salt Lake City schenkte er den Grizzlies mit Nummer-3-Pick Cameron Boozer 25 Punkte ein (8/15 FG, 3/9 3FG) und verteilte 12 Assists. All das in knapp 28 Minuten. Zum Start in Vegas tat er sich dann etwas schwerer.

    Wo er montags noch Sinn für den Pass demonstriert hatte, reagierte Peterson donnerstags ein wenig allergisch auf den intensiven Druck der Wizards. Achtmal verlor er den Ball - und auch sonst fand der Nr.-2-Pick nicht denselben Rhythmus wie wenige Tage zuvor. Peterson traf nur 6 seiner 18 Würfe, und dennoch blieb massig Raum für Positives.

    Washingtons Defense setzte ihm zu, nahm ihm ein wenig Sicherheit, gleichzeitig kam Peterson regelmäßig zu seinen Spots. Immer wieder manövrierte er sich durch die Defense und brachte sich in gute Position. Zudem zeichnet sich in Vega ein Go-to-Shot ab, der über die kommenden Jahre extrem wertvoll sein kann.

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    Als flinker, aber nicht riesiger Guard dürfte es Peterson nicht immer leicht haben, direkt am Ring abzuschließen. Muss er scheinbar auch nicht. Sowohl gegen Washington als auch gegen die Clippers setzte er aus der Zone heraus immer wieder einen Push-Shot aus dem Dribbling, der butterweich fiel.

    Seine Explosivität zeigte er ebenfalls, beispielsweise bei seinem brachialen Dunk gegen die Clippers. Dazu besitzt Peterson beim Drive eine gewisse Physis, wenngleich vor allem seine Agilität heraussticht. Der Rookie ist schwer zu greifen. Vor allem, weil er binnen Millisekunden abstoppen kann, um entweder zum Wurf hochzogen oder wieder zu beschleunigen.

    Beim Pass wirkte Peterson während der beiden ersten Spiele mitunter etwas vorsichtig, gleichzeitig willig. Gerade wenn er gedoppelt wurde, suchte er schnell den Mitspieler, statt Dinge zu erzwingen. Dabei traf er simple, sichere Entscheidungen, was gerade zu Beginn nicht der schlecht sein muss.

    Cameron Boozer im Duell mit Caleb Wilson.
    Cameron Boozer im Duell mit Caleb Wilson. Getty Images

    Cameron Boozer

    22 Punkte, 12/29 FG, 3/9 3FG, 7 Rebounds, 3,5 Assists, 2 Steals, 0,5 Blocks

    Auch in Vegas wirkt es nicht, als wäre da ein 18-Jähriger mit einem Jahr College-Erfahrung unterwegs. Cameron Boozer spielte gegen Chicago mit einer unglaublichen Ruhe. Als er einen Einwurf unter dem Ring bekam, sah er sich beispielsweise Caleb Wilson, bester Athlet des Drafts und passionierter Shotblocker, gegenüber. Da Hektik allerdings noch nie gewann, ließ Boozer den Nummer-4-Pick via Fake abheben und legte den Ball danach ganz entspannt durch den Ring.

    Offensiv wirkt vieles überlegt, gleichzeitig intuitiv. Boozer hat ein gutes Gespür für die Situation. Dazu kommt die Ruhe sowie die Fähigkeit, auch schwere Würfe zu treffen. Wie sein Vater hat der Rookie eine extrem hohe Flugkurve, die es ihm erlaubt, über Gegenspieler hinwegzuwerfen.

    Außerdem interessant: Gegen die Bulls verteidigte Boozer immer wieder Wilson. Der "Fußlahme" traf auf den "Überathleten" - und dennoch gelang es Boozer am Perimeter immer wieder, Wilson vor sich zu halten. Was natürlich nicht bedeutete, dass er ihn stoppte. Am Ende brachte Boozers das Spiel dennoch standesgemäß in aller Ruhe von der Freiwurflinie nach Hause.

    Gegen Dallas mischte Boozer ebenfalls Shotfakes mit guter Fußarbeit ab. Auch als Bully trat er auf, suchte den Kontakt und schob Gegenspieler durch die Zone. Gleichzeitig brachten die Grizzlies ihren Nummer-2-Pick immer wieder an die Dreierlinie, wo er das Feld breit machen wollte, aber selten aktiv Passwege für Mitspieler öffnete. Acht Dreier nahm Boozer am Ende dennoch, traf allerdings nur zwei.

    Defensiv blieb der Big gerade in Space wieder gut vor dem Mann. Gleichzeitig fehlte in Rotation hin und wieder die Orientierung. Boozer verlor dann seinen Gegenspieler, der wenig später schon mal offen am Ring auftauchte. Sein Fullcourt-Pass auf Olivier-Maxence Prosper illustrierte wiederum, weshalb der Big als exzellenter Passer gilt.

    Bulls-Rookie Caleb Wilson will in die Fußstapfen von Michael Jordan treten.
    Bulls-Rookie Caleb Wilson will in die Fußstapfen von Michael Jordan treten. IMAGO/Anadolu Agency

    Caleb Wilson

    27 Punkte, 20/38 FG, 10/19 3FG, 6,5 Rebounds, 1 Assist, 2 Steals, 4 Blocks

    Exakt fünf Monate musste sich Caleb Wilson gedulden, ehe er nach seinem Handbruch am College wieder ein offizielles Basketballspiel absolvieren durfte. Offensichtlich hatte sich einiges aufgestaut. Für den ersten Wurf tat Wilson etwas, das er eigentlich gar nicht können soll. Er nahm den Dreier am Mann - und traf.

    Was wenig nach Nachricht klingt, könnte die Perspektive Wilsons noch mal ein gutes Stück erweitern. Nach 27 genommenen und nur 7 getroffenen Dreiern in North Carolina kommt der Nummer-4-Pick vor allem als unglaublich athletischer Forward in die Liga, der über Ringniveau spielen und die Luft aus dem Ball dunken kann.

    Gegen Memphis traf Wilson den Dreier dann so sicher (7/11 3FG), dass zwar niemand davon ausgehen muss, dass das die neue Norm ist, dass aber dennoch etwas hängen bleiben kann. Das Entscheidende: Wilson ging mit Selbstbewusstsein hoch, nahm die Würfe im Rhythmus. Seine Bewegung sah flüssig aus. Er wirkte wie einer, der an seinem Wurf gearbeitet hat und deshalb vielleicht kein Scharfschütze, womöglich aber ein respektabler Shooter ist.

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    Dazu kam diese Energie. Wenn er den Ball hatte, wollte Wilson. Mal ließ er Boozer via Spin am Elbow stehen, um den Ball durch den Ring zu legen, mal zog er zur Grundlinie, packte gegen gute Defense den Pumpfake aus und versenkte danach den Sprungwurf.

    Natürlich streute Wilson auch ein wenig Übereifer ein, der Ballverluste provozierte. Vor allem sahen die Bulls jedoch einen vielseitigen und zielstrebigen Offensivspieler. Was sie selten sahen: den Highflyer, den viele versprochen hatten. Der hat sich deshalb nicht verabschiedet, Wilson legte seinen Fokus schlicht auf andere Aufgaben. So traf er sowohl aus dem Dribbling als auch nach dem Pass und nutzte seine langen Schritte und pointierte Richtungswechsel immer wieder, um in die Zone zu kommen.

    Und auch defensiv verspricht der Anfang viel. Wilson bewegte die Füße gut, wenn er den Drive verteidigte. Dazu räumte er unter dem Brett auf (3 Blocks). Zum Sieg reichte es am Ende nicht; wie auch im zweiten Spiel gegen Utah, wo Wilson nicht ganz so herausragte - und dennoch positiv auffiel.

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    Der Dreier fiel etwas weniger unvermeidlich (3/8 3FG), und auch sonst punktete Wilson weniger (17 vs. 35 Punkte), gerade defensiv lieferte er jedoch erneut diverse Lichtblicke. Was auffällt: Wilson besitzt die Fähigkeit, auch weit weg vom Ring an Gegenspielern dran zu bleiben, ihre Bewegungen zu imitieren, um dann explosiv abzuheben und Pullup-Würfe zu blocken (insgesamt 5 Blocks gegen Utah). Apropos Explosivität: Sein Dunk über Jazz-Center Jonas Aidoo ließ Peterson, der diesmal aussetzte, staunend zurück.

    Arbeit hat Wilson noch an der Freiwurflinie vor sich, wo er gegen Utah keinen, gegen Memphis zwei von sechs Versuchen traf. Trotz dieses kleinen Makels und zweier Niederlagen dürfte die Vorfreude auf ihren Neuen bei den Bulls noch mal ein gutes Stück gestiegen sein.

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    gfr