06.05.2025
Edwards will seine Liste erweitern
In den Conference Semifinals treffen im Westen die Golden State Warriors aufeinander. Für Anthony Edwards ist dies die große Chance, seine eindrucksvolle Liste um drei Namen zu erweitern.

Im Sommer gab es bei den Timberwolves den großen Knall, der Superstar Karl-Anthony Towns für Julius Randle und Donte DiVincenzo nach New York schickte. Für die Wolves war es das Ende der Twin Towers, mit denen sie im vergangenen Jahr noch bis in die Conference Finals eingezogen waren. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten hat sich das Team aber gefunden und scheint pünktlich zu den Playoffs in Bestform zu sein.
In Runde eins hatten Edwards und Co. überraschend wenig Probleme mit den Los Angeles Lakers, die sie in fünf Spielen nach Hause schickten. Vor allem für Randle war die Serie ein wichtiger Erfolg für sich selbst und sein Image. Der bullige Forward hatte in den vergangenen Jahren in den Playoffs stets unterperformt, jetzt war er aber der zweitbeste Spieler seines Teams. Der Star der Serie war aber ohne Zweifel Edwards. 26,8 Punkte legte er in der Serie auf, noch eindrucksvoller waren aber wohl die 6,2 Assists pro Spiel, die seine Entwicklung als Spielmacher unterstreichen.
| Timberwolves | Stat | Warriors |
|---|---|---|
| 49-33 | Bilanz | 48-34 |
| 115,7 (8.) | Offensiv-Rating | 114,2 (16.) |
| 110,8 (6.) | Defensiv-Rating | 111,0 (7.) |
| +5,0 (4.) | Net-Rating | +3,2 (10.) |
| 1-3 | Direkter Vergleich | 3-1 |
Deutlich mehr Körner mussten dagegen die Warriors in der ersten Runde lassen. Gegen ein junges und ultraphysisches Rockets-Team quälte Golden State sich sieben Spiele lang, ehe sie ihre ganze Erfahrung in Spiel 7 zeigten. Mit einem starken Gameplan gegen Alperen Sengün und einem großartig aufgelegten Buddy Hield sicherten die Warriors sich den dritten Erstrundensieg in den vergangenen fünf Jahren.
Entscheidend dafür war auch Jimmy Butler, der erst zur Trade Deadline nach Oakland gekommen war und das Team sofort besser gemacht hat. "Playoff Jimmy" war auch gegen die Rockets zur Stelle, als er trotz Verletzung Spiel 3 fast im Alleingang entschied. Bester Scorer des Teams ist aber weiterhin Stephen Curry (24 PPG), auch wenn der Chefkoch sich bereits einige schwächere Spiele leistete.
Obwohl sie die Serie in der regulären Saison mit 1-3 abgegeben haben, wirken die Wolves auf dem Papier wie toughes Matchup für die Warriors. Ähnlich wie die Rockets sind sie defensiv elitär, haben lange Perimeter-Verteidiger und bringen generell deutlich mehr Physis mit als Golden State. Ein Big-Big-Lineup wie die Rockets können sie seit dem Sommer zwar nicht mehr aufbieten, Rudy Gobert alleine hat den Lakers allerdings regelmäßig Kopfschmerzen bereitet. Dazu wird Edwards Bock darauf haben, die Stars der Warriors zu verteidigen, seine Intensität hat in Runde eins schon LeBron James Schwierigkeiten bereitet.
Dass sie defensiv gut sind, wissen wir bereits, entscheidend wird vielmehr die Offensive sein. Golden State hat keinen Verteidiger, der Edwards' Schnelligkeit und Länge matchen kann. Er muss aggressiv bleiben und durch seine Drives Raum für die anderen schaffen, statt sich mit Dreiern zufrieden zu geben. Wichtig wird auch sein Playmaking sein. Die Warriors sind eines der klügsten und eingespieltesten Defensivteams der Liga. Sie werden alles versuchen, Ant-Man aus der Reserve zu locken und ihm das Leben schwer zu machen. Sobald Doubles-Teams kommen (und das werden sie), muss er die richtigen Entscheidungen treffen.

Apropos "die anderen". Hier wird vieles auf Randle ankommen. Der 30-Jährige hat die Lakers mit seiner Physis oft überpowert und muss auch gegen Golden State seine Würfe suchen, um wiederum Platz für den Rest zu machen. Wenn er seine 20+ Punkte pro Spiel so durchhalten kann, werden die Warriors Probleme bekommen.
Vorteile hat Minny auch definitiv mit seiner Tiefe. Mit Naz Reid und DiVincenzo hat das Team im Grunde sieben Starter im Kader, die allesamt Playoff-Erfahrung haben und sich in großen Momenten bewiesen haben. Reid war in den ersten Spielen im vierten Viertel eine Macht, Jaden McDaniels war der Matchwinner in Spiel 3 und Gobert in Spiel 5.
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| M. Conley | A. Edwards | J. McDaniels | J. Randle | R. Gobert |
| R. Dillingham | D. DiVincenzo | N. Alexander-Walker | N. Reid | L. Garza |
| T. Newton | T. Shannon Jr. | J. Clark | L. Miller | J. Edwards |
Für die Warriors spricht hingegen die Erfahrung. Die Stars haben alles schon gesehen und lassen sich in keiner Drucksituation aus dem Konzept bringen. Sie haben in Spiel 7 gegen Houston eindrucksvoll gezeigt, dass sie in Sachen Gameplans unglaublich flexibel sind und viele richtige Entscheidungen treffen, wenn es drauf ankommt.
Allerdings müssen die Warriors offensiv besser in die Spur finden. Außer Curry (39,2 Prozent) und Buddy Hield (42,9 Prozent) trifft keiner der designierten Schützen gut von draußen. Das muss gegen Minnesota, das die beste Dreier-Defensive der Liga stellt, besser werden, in der Zone ist es gegen die Wolves bekanntlich schwer, regelmäßig zu punkten.

Vieles hängt dazu auch von Butler ab. Der Forward spielt starke Playoffs, kann er aber auch überragende Playoffs spielen? Gegen Houston hat er gezeigt, dass er immer für einfache Punkte von der Freiwurflinie gut ist, das muss er auch gegen Minnesota beibehalten und die foulanfälligen Gobert und McDaniels im besten Fall früh in Foulprobleme zwingen. Auch defensiv wird einiges auf Butler zukommen, Edwards/Randle/McDaniels sind ein anderes Kaliber als die Wings der Rockets.
Generell wird sich auch vieles über die Defensive entscheiden. Golden State muss einen Weg finden, um Edwards unter Kontrolle zu bringen und dabei nicht zu viel Platz für den Rest der Wolves zu bieten. Es dürfte uns nicht wundern, wenn GSW wieder viel Zone spielen wird, was sich gegen Houston bereits bewährt hat. Spannend wird auch sein, ob Kevon Looney mehr Spielzeit bekommen wird, um Goberts Präsenz zu matchen, oder ob Draymond Green sich dieser Aufgabe annehmen wird. Die beiden haben ja bekanntlich eine unrühmliche Vergangenheit.
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| S. Curry | B. Podziemski | B. Hield | J. Butler III | D. Green |
| P. Spencer | G. Payton II | M. Moody | J. Kuminga | T. Jackson-Davis |
| T. Armstrong | G. Santos | - | Q. Post | K. Looney |
Die Warriors sind das abgeklärtere Team, aber abseits davon spricht vieles für die Wolves. Sie sind jünger, sahen in Runde eins deutlich besser aus und haben in Edwards den vielleicht besten Spieler der Serie auf ihrer Seite. Golden State dagegen hat viel in Runde eins gegen Houston investieren müssen und wäre, hätte Houston einen besseren Closer, wohl schon auf dem Weg nach Cancun.
Nachdem er im Vorjahr Durant/Booker und Jokic/Murray eliminiert hat, will Edwards nach LeBron/Doncic jetzt auch Curry, Butler und Green auf seiner Liste verewigen. Die Voraussetzungen dafür sind absolut gegeben.
Tipp: Timberwolves in 6.
Gianluca Fraccalvieri