24.03.2026
Franzose überragt bei Zalgiris
Sylvain Francisco hat sich bei Zalgiris Kaunas zu einem der besten Spielmacher in Europa entwickelt. Der 28-Jährige kann sich seinen Arbeitgeber für das kommende Jahr quasi aussuchen, träumt aber wohl weiter von Größerem.

Vor ein paar Wochen ging ein Post von Sylvain Francisco viral, als dieser zu einem Bild schrieb: "Und ich frage mich immer noch, wie es sein konnte, dass wir mit diesem Kader nur 15. wurden." Zu sehen war eine Grafik mit Teilen des Kaders des FC Bayern München, wo Francisco in der Saison 2023/24 spielte.
Neben dem Guard waren auch Carsen Edwards, Andi Obst, Nick Weiler-Babb, Leandro Bolmaro, Vladimir Lucic, Isaac Bonga, Devin Booker und Serge Ibaka zu sehen. Was für eine Ansammlung an Talent! Und auch deswegen ist die Frage von Francisco mehr als berechtigt, warum die Bayern damals so deutlich die Playoffs in der EuroLeague verpassten.
Übrig sind nur noch Obst und Lucic geblieben, alle anderen unterschrieben größere Deals bei anderen Teams, im Falle von Bonga ruft im Sommer womöglich sogar wieder die NBA. Gleiches gilt übrigens auch für Francisco, der 2024 etwas überraschend zu Zalgiris Kaunas wechselte und sich dort zu einem der besten Spielmacher der EuroLeague entwickelt hat.
| Saison | Spiele | PTS | FG% | 3P% | AST |
|---|---|---|---|---|---|
| 23/24 | 33 | 10,6 | 38,7 | 35,4 | 3,2 |
| 24/25 | 34 | 14,6 | 39,7 | 34,2 | 4,6 |
| 25/26 | 32 | 17,1 | 45,9 | 40,8 | 6,4 |
17,1 Punkte und 6,4 Assists legt der Franzose im Schnitt auf und trifft trotz einer Körpergröße von nur 1,85 Metern gute 46 Prozent aus dem Feld, obwohl fast die Hälfte seiner Würfe von der Dreipunktelinie kommen. Francisco ist das Herzstück der Litauer und einer der Gründe, warum Kaunas wieder im Konzert der Großen mitmischt und derzeit auf einem guten sechsten Platz steht.
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der wieselflinke Guard noch einmal gesteigert, läuft mehr Pick’n’Roll, trifft bessere Entscheidungen und bleibt in engen Situationen mit seinem verbesserten Dreier einer der verlässlichsten Scorer der Liga. Und das weckt natürlich Interesse.
Überhaupt war es überraschend, dass sich Francisco im Vorjahr schon während der Saison auf einen neuen Deal einigte, wenn auch mit diversen Ausstiegsklauseln. Auch jetzt kocht die Gerüchteküche schon wieder, zahlreiche Top-Klubs stehen demnach Schlange. "Natürlich gibt es Interesse an mir", bestätigte der Guard gegenüber Nova Sports. "Wir werden sehen, ich habe keine Eile und bin voll auf diese Saison fokussiert."

Das Interesse von Panathinaikos und Olympiakos bestätigte der Franzose, eine angebliche Einigung mit dem FC Barcelona dementierte er hingegen. Gleichzeitig träumt Francisco auch eine Nummer größer, wie er schon im Sommer bei der Nationalmannschaft verriet.
"Die NBA ist immer noch ein Traum, das will ich gar nicht leugnen", meinte der 28-Jährige. "Ich mache das aber Schritt für Schritt, wir werden sehen." Diese Saison war zumindest ein gutes Empfehlungsschreiben dafür, auch wenn es historisch gesehen europäische Guards schwer haben, in der NBA Fuß zu fassen.
Die Schnelligkeit ist gegeben, der Wurf hat sich ebenfalls stabilisiert, doch mit 1,85 Metern wird es Francisco schwer haben. Fraglich ist zudem, ob er in Europa nicht auch besser verdienen würde. Spieler seiner Klasse können durchaus Verträge um die zwei, drei Millionen Euro netto bekommen, während er in der NBA vermutlich mit einem Minimalvertrag starten müsste.
Womöglich ist die Situation ähnlich wie bei Obst, der auch Sicherheit, garantierte Spielzeit und einen gewissen Status wählte. Francisco wird es sich aussuchen können, er hat sich mit seinen starken Leistungen in eine Situation gebracht, in der er die Qual der Wahl hat. Doch zunächst einmal geht es darum, Zalgiris nach drei Jahren wieder in die Playoffs zu führen.
Robert Arndt