vor 9 Stunden
Offseason-Check Rasta Vechta
Rasta Vechta war in der vergangenen Saison die Mannschaft der Rückrunde und hatte den späteren Meister am Rande der Niederlage. Erwartungsgemäß mussten Leistungsträger abgegeben werden, doch einige Stützen blieben.

Es hätte auch ganz anders ausgehen können. Alba Berlin stand in Spiel 4 im Play-off-Viertelfinale im Rasta Dome mit dem Rücken zur Wand, doch die individuelle Klasse von Martin Hermannsson rettete Berlin, die später auch noch Bamberg und die Bayern in jeweils fünf Spielen auf dem Weg zum Titel ausschalteten.
Vechta war in dieser Serie ebenbürtig, auch wenn es nicht ganz reichte. Qualität war jede Menge im Kader, was sich auch daran zeigt, wohin es die starken Imports zog. Alonzo Verge Jr. (Coruna), Tevin Brown (Rio Breogan) und T.J. Bamba (Teneriffa) wechselten allesamt nach Spanien, die drei waren die absoluten Leistungsträger bei den Niedersachsen.
Immerhin: Mit Tommy Kuhse und Ex-Nationalspieler Tibor Pleiß konnten zwei Eckpfeiler gehalten werden. Pleiß ist zwar schon 36 Jahre alt, zählte aber dennoch zu den besten Centern der Liga und ist nun gewissermaßen das Aushängeschild der Vechtaer. Zusammen mit Philipp Herkenhoff und Backup-Center Lars Thiemann bildet er das Gerüst der deutschen Rotation.
Spannend ist dabei auch die Verpflichtung von Lamin Sabally, dem Bruder der Sabally-Schwestern. Der 23-Jährige war eine Art Point Forward auf einem kleinen College, es wird sich zeigen, ob er auch schon in der BBL gute Rotationsminuten geben kann. Auffällig dabei: Im Frontcourt hat Vechta ausschließlich deutsche Spieler.
Überhaupt ist das Team mit Ausnahme von Pleiß recht klein, es dürfte also wieder sehr schnell gespielt werden. Mit Tommy Kuhse konnte der Taktgeber gehalten werden, dazu wird auch der pfeilschnelle D’Mitrik Trice im Spielaufbau helfen. Hier ist man jedoch recht knapp besetzt, vor allem da Kuhse in der Vergangenheit häufiger Verletzungssorgen hatte. Als Notnagel wurde noch Timo Lanmüller von Kooperationspartner Artland geholt.

Die weiteren Imports dürften alle für den Flügel eingeplant sein. Armaan Franklin kommt als Defensiv-Spezialist aus Frankreich, Matt Lewis (Panionios) bringt als 3-and-D-Flügel EuroCup-Erfahrung mit. Gleiches gilt für den letzten Neuen, Justin Edler-Davis. Der begann die Vorsaison in Hamburg, doch nach 16 Partien trennten sich die Wege.
Der Forward ist etwas zu klein, hat aber ein Näschen für Rebounds und macht mit Hustle gewisse Größennachteile wett. In Israel deutete er im Schlussspurt zumindest an, dass er mehr auf der Pfanne hat, als was er in Hamburg zeigte. (19,2 Punkte, 6,8 Rebounds).
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| T. Kuhse | A. Franklin | M. Lewis | J. Edler-Davis | T. Pleiß |
| D. Trice | T. Lanmüller | L. Trettin | P. Herkenhoff | J. Thiemann |
| P. Hemschemeier | D. Dolic | E. Ndi | L. Sabally | - |
Zugänge: Lamin Sabally (Iona University), Peter Hemschemeier (Eisbären Bremerhaven), Timo Lanmüller (Artland), Matt Lewis (Panonios Athen), D'Mitrik Trice (Siroki), Justin Edler-Davis (Herzliya), Armaan Franklin (Limoges)
Abgänge: Linus Ruf (Wyoming/NCAA), Fynn Lastring (New Mexico/NCAA), Joschka Ferner (Heidelberg), Alonzo Verge (Coruna), Tevin Brown (Rio Breogan), T.J. Bamba (Teneriffa), Lloyd Pandi, Luc van Slooten (Crailsheim), Booker Coplin (beide Crailsheim), Malik Parsons (Wroclaw), Roy Krupnikas
Kuhse, Herkenhoff, Thiemann und Pleiß sind noch da, beim Rest wird sich zeigen, wie die Teile zusammenpassen. Auf dem Papier liegt diesmal der Fokus mehr auf der Defensive, unter Coach Christian Held dürfte entsprechend dem Personal deutlich giftiger und aggressiver verteidigt werden. Im Vorjahr noch pulverisierte Rasta in der zweiten Saisonhälfte noch Punkte-Rekorde.
Dafür scheint der Kader diesmal nicht gebaut zu sein, auch wenn Trice auf all seinen Stationen stets für über 15 Punkte pro Partie gut war und Kuhse bekanntlich auch scoren kann. Dennoch ist es ein Risiko, mit nur fünf Ausländern in die Saison zu gehen. Denn neben der BBL wird Rasta auch wieder international spielen. Ob ein Pleiß diese Taktung durchhält, ist ebenso anzuzweifeln, auch hier könnte es schnell recht dünn werden.
Im Vergleich zum Vorjahr wirkt der Kader etwas schwächer, wobei natürlich Überraschungen immer möglich sind. Dennoch sollte man aufpassen, dass man nicht im Herbst durch die vielen Spiele plötzlich unten drin steckt. Auszuschließen ist das nicht, auch wenn durchaus wieder die Play-Ins im Rahmen des Möglichen erscheinen.
Robert Arndt