vor 9 Stunden
Grünes Licht für kleinen Guard
Die Sacramento Kings sind wahrscheinlich die Franchise mit der dunkelsten Zukunft. Ein kleiner Lichtblick ist zumindest Rookie Darius Acuff Jr., auch wenn aller Anfang schwer ist. Dennoch: Selten zuvor hatte ein Frischling so sehr das grüne Licht wie er.

Anthony Edwards, Darius Acuff Jr., Brandon Miller, Luka Doncic und Shai Gilgeous-Alexander - dieses Quintett führt die NBA nach je drei Spielen bei den Wurfversuchen an. Wirklich überraschend ist das nicht, drei der fünf Spieler sind Abo-All-Stars und etablierte Stars in der NBA - sie haben das grüne Licht. Miller soll nach dem Abgang von LaMelo Ball in Charlotte als Ex-Nr.2-Pick zum Franchise-Star aufgebaut werden.
Und dann ist da noch Rookie Acuff, den die Sacramento Kings im Sommer mit dem siebten Pick auswählten. Dass auch er einen Freifahrtschein erhalten würde, war abzusehen. Zu düster ist die Zukunft der Kings, irgendwie müssen sie den leidenden Fans in der Hauptstadt Kaliforniern auch Hoffnung vermitteln.
Die Kings sind ein wilder Mischmasch aus Rollenspielern und Ex-All-Stars wie Zach LaVine und Domantas Sabonis, dessen dicke Verträge in der NBA niemand haben möchte. Solange sie da sind, kann es keinen wirklichen Neuaufbau in Sacramento geben, zumindest hat man mit Acuff nun einen Guard für die Zukunft. Was er mal sein wird, das wird sich zeigen, was aber seine Calling Card ist, kann jeder nach drei Spielen, der Preseason und Summer League sehen.
| Rang | Spieler (Team) | FGA | FG% | PPG |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Anthony Edwards (Wolves) | 104 | 48,1 | 33,3 |
| 2 | Darius Acuff Jr. (Kings) | 93 | 34,4 | 21,5 |
| 3 | Brandon Miller (Hornets) | 92 | 37,0 | 24,3 |
| 4 | Luka Doncic (Lakers) | 91 | 48,4 | 36,0 |
| 5 | Shai Gilgeous-Alexander (Thunder) | 90 | 47,8 | 27,3 |
Acuff ist vornehmlich ein Scorer. Ein Spieler, der den Ball gerne fliegen lässt und sich selbst konstant Würfe erarbeiten kann. In den ersten vier Partien nahm der 19-Jährige 93 Würfe, das sind 23,3 im Schnitt. Daraus erzielte er 86 Punkte, also weniger als einen Punkt pro Wurf, was kein Erfolgsrezept in der NBA ist.
Das weiß auch Acuff selbst, wie er nach seinem durchwachsenen Debüt gegen die L.A. Clippers (12 Punkte, 5/24 FG, 3 Assists, 4 Turnover) unumwunden zugab. "Das war kein gutes Spiel von mir, ich muss es besser machen. Da waren viele Possesions dabei, wo ich keinen Pass gespielt habe. Als Point Guard sollte das nicht passieren. Wir haben Zach und Domas im Team, die auch scoren können. Das muss ich verstehen."
Drei Spiele später stehen die Kings nach weiteren Niederlagen gegen Portland und Memphis bei 0-4. Acuff wirft nun 34 Prozent aus dem Feld und hat mehr Assists als Ballverluste auf der Habenseite (19:11). Etwas Besserung ist eingetreten, wenn auch nur marginal. Letztlich spielt es in Sacramento derzeit auch keine Rolle. Große Ambitionen hat das Team nicht, viele sehen die Kings als das schlechteste Team im Westen und die erste NBA-Woche hat nicht dafür gesorgt, dass sich die Meinungen geändert haben.

Sacramento hat viele Scorer, dafür aber kaum (natürliche) Ballverteiler (erst recht nicht nach der schweren Verletzung von Ben Simmons) und erst recht keine guten Defensivspieler. Acuff verbindet das gewissermaßen alles. Mit 1,88 Meter ist er wieselflink, kann sich Würfe erspielen, doch wie man eine NBA-Offense anleitet, muss er noch lernen. Dazu kommen seine Größennachteile, die gute Teams gnadenlos ausnutzen.
Ungewöhnlich ist das nicht. Rookie-Guards haben in großen Rollen in ihrer ersten Saison fast immer Probleme, Kings-Fans werden sich sicherlich noch an die beunruhigende Debüt-Saison von De’Aaron Fox erinnern, bevor dieser sich Stück für Stück steigerte und zu einem Franchise-Star aufstieg.
Ähnliches erhofft man sich auch von Acuff, wobei Fox ein besseres Gefühl als Spielmacher hatte und defensiv mehr Länge und Aggressivität mitbrachte. Doch seit dem Fox-Trade ist die Eins in Sacramento Brachland, daher ergab es Sinn, dass man es mit Acuff versuchte. Alternative Kingston Flemings (Hawks, Nr.8-Pick) reißt bisher auch keine Bäume aus, viel mehr Optionen gab es auf den kleinen Positionen nicht.
Stattdessen wird man versuchen, aus Acuff einen echten Spielmacher zu bauen. Das Scoring wird ohnehin da sein. "Man legt im College nicht grundlos 25 Punkte auf", meinte LaVine, selbst viele Jahre ein elitärer Scorer in der NBA. "Dieser Junge kann scoren." Und das wird er auch schon in dieser Saison ausreichend tun.
Die Gelegenheiten werden da sein, vor allem wenn die Kings weniger auf ihre Veteranen setzen. Die Quoten werden nicht toll aussehen, doch es sollte niemanden verwundern, wenn Acuff das ein oder andere 40-Punkte-Spiel aus dem Hut zaubern wird. Es wird auch Stimmen geben, die den Kings-Youngster in die Rookie-of-the-Year-Diskussion hieven werden.
Dass er dann auch wirklich eine Chance hat, ist eher unwahrscheinlich. Zu schlecht werden die Kings als Team sein, zu schwach die Quoten und zu stark die Konkurrenz um das Top-Quartett bestehend aus AJ Dybantsa, Darryn Peterson, Cam Boozer, Caleb Wilson oder zum Beispiel Yaxel Lendeborg von den Warriors. Für Kings-Fans ist Acuff dagegen dieser eine Strohhalm, das kleine flackernde Licht am Ende des Tunnels. Denn bis die Kings wieder konkurrenzfähig sein werden, dürften noch einige Jahre ins Land gehen.
Robert Arndt