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    Basketball - EuroLeague

    vor 14 Stunden

    Guard-Dilemma und ein unsichtbarer Superstar

    Drei Gründe für den EuroLeague-Fehlstart von Gavels Bayern

    In der BBL marschiert der FC Bayern ungeschlagen vorneweg, in der EuroLeague steht nach dem 84:88 gegen den FC Barcelona eine 2:6-Bilanz. Im SAP Garden warten die Münchner nach vier Anläufen weiter auf den ersten Heimsieg. Woran es bei der Mannschaft von Anton Gavel hakt, zeigt sich bei genauerem Hinsehen an drei Stellen - und eine davon trägt die Nummer 3.

    Anton Gavel
    Anton Gavel feierte im SAP Garden mit Bamberg seinen größten Erfolg als Trainer. Mit den Bayern wartet er hier aber noch auf sein erstes Erfolgserlebnis. IMAGO/Oryk HAIST

    Es war die knappste aller bisherigen Heimpleiten und trotzdem - oder vielleicht genau deshalb - eine, die besonders wehtat. Vor 11.124 Zuschauern hielten die Münchner am Dienstagabend gegen Barcelona bis in die Schlussminute mit. Beim 78:79 rund 90 Sekunden vor dem Ende war der Sieg noch in Reichweite. Dann folgten offensive Aussetzer von Andreas Obst, ein naives Foul von MarJon Beauchamp und ein eiskalter Kevin Punter.

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    Damit kassierten die Bayern ihre dritte EuroLeague-Niederlage in Serie und die sechste im achten Spiel. "Wir hatten heute die Möglichkeiten, haben sie aber nicht genutzt", sagte Gavel auf der Pressekonferenz. Das Spiel sei da gewesen, "aber wir haben es nicht geschafft".

    Die Bayern müssen damit nicht nur auf die erste Erfolgsmeldung vor ihren Fans warten, sondern rutschen zugleich in der EuroLeague immer weiter ab. Der Vorausblick lässt ebenso kaum Hoffnung aufkommen: Bis Mitte November warten vier Auswärtsspiele in Belgrad, Villeurbanne, Valencia und Kaunas. "Wir brauchen Siege, egal wo", betonte der Coach, bei dem immer mehr auch ein Hauch von Verzweiflung mitschwingt - und das nur einen Monat nach Saisonbeginn. Dabei hat die andauernde Talfahrt in der Königsklasse einige handfeste Ursachen.

    Grund 1: Die Rotation sucht noch ihre Ordnung

    Eine der größten Baustellen liegt auf der Spielmacherposition. Rokas Jokubaitis, als Kopf des Teams verpflichtet, kehrte erst im September nach einem Kreuzband- und Meniskusschaden zurück, den er sich im September 2025 bei der EuroBasket zugezogen hatte. Der Litauer kommt offensiv immer besser in Fahrt und unterstrich das gegen Barcelona mit einem Teambestwert von 17 Punkten sowie sieben Assists. Seine größten Mängel hat der Aufbauspieler allerdings - und damit ist er freilich nicht allein - in der Defensive, wo er körperlich noch nicht mithalten kann.

    Erst Anfang Oktober hatte Gavel, der früher ebenso als Point Guard im Einsatz war, um Geduld bei seinem Schützling gebeten: "Er wird noch ein bisschen brauchen, bis er der alte Rokas ist." Das Problem dabei: Die Alternativen lösen es nicht. Duane Washington ist als Scorer allen Zweifeln erhaben, hat im Spielaufbau sowie ebenfalls defensiv seine Probleme. Justus Hollatz wiederum gilt als herausragender Verteidiger - nicht zuletzt verhalf er seinem Team gegen Barcelona Ende des ersten Viertels zu neuer defensiver Seriosität -, ist aber offensiv eher Verwalter als Gefährder.

    Da Silvas kuriose Rolle unter Gavel

    So wechselt Gavel munter durch, und das nicht nur auf der Eins. Vladimir Lucic führte das Team in Istanbul mit 17 Punkten an, am Dienstag blieb er in knapp elf Minuten ohne Zähler. Am deutlichsten wird das Rotationskarussell bei Oscar da Silva. Bei Besiktas Istanbul war der Nationalspieler der Motor einer verrückten Aufholjagd - die Bayern lagen zwischenzeitlich mit 41:69 zurück und glichen sechs Minuten vor dem Ende zum 75:75 aus. Da Silva stand eine Viertelstunde durchgehend auf dem Feld, traf dabei alle sieben Zweier und kam auf 14 Punkte in gut 24 Minuten.

    In der vergangenen Woche gegen Dubai gehörte der Nationalspieler mit 14 Punkten erneut zu den besten Akteuren. Gegen Barcelona stand er bis zum Beginn des Schlussviertels dann nur rund zwei Minuten auf dem Parkett, nur, um in der Crunchtime über die volle Distanz zu gehen. Er machte seine Sache zwar gut, Rhythmus zuvor hätte ihm aber wohl auch nicht schlecht getan.

    Geschäftsführer Sport Thorsten Leibenath räumte nach der Dubai-Pleite gegenüber basketball-world.news ein, dass das Team noch nicht wisse, wer es ins Spiel bringt und wer es nach Hause bringt. Dieser Findungsprozess dauere "definitiv länger als erhofft". Ständige Experimente sieht er nicht als Ursache: Man habe durchaus mit wiederkehrenden Line-ups gearbeitet, "was uns definitiv fehlt, ist die Konstanz".

    Das Rotationskarussell – Einsatzzeit und Punkte in den letzten drei EuroLeague-Spielen

    Spielerbei Besiktas (87:95)gegen Dubai (91:107)gegen Barcelona (84:88)
    Oscar da Silva24:11 Min. / 14 Pkt.23:07 Min. / 14 Pkt.09:15 Min. / 2 Pkt.
    Kamar Baldwin22:39 Min. / 14 Pkt.05:33 Min. / 0 Pkt.nicht im Kader
    Vladimir Lucic21:42 Min. / 17 Pkt.22:22 Min. / 7 Pkt.10:50 Min. / 0 Pkt.
    Miles Norris12:27 Min. / 0 Pkt.kein Einsatz22:18 Min. / 17 Pkt.
    Justus Hollatz05:08 Min. / 0 Pkt.kein Einsatz12:43 Min. / 3 Pkt.

    Grund 2: Eine Defensive mit Durchgangsverkehr

    Die Schwächen der Guards setzen sich in der Verteidigung fort. Barcelona traf in München 26 von 37 Abschlüssen innerhalb der Dreierlinie: "Die 70-Prozent-Zweierquote war sicherlich etwas, das nicht gut war", sagte Gavel, "vor allem die Drives von den Guards, teilweise unbehindert."

    Dazu kam ein Abstimmungsproblem. Die Kommunikation habe in vielen Fällen nicht gestimmt, erklärte der Bayern-Coach. Man sei auf Spieler, die von außen gar nicht gefährlich sind, viel zu aggressiv herausgegangen und habe so hinten Lücken geöffnet. Für die entscheidende Phase wurde er deutlich: Gerade in der Defensive des letzten Viertels hätte seine Mannschaft besser aussehen müssen.

    Die Zahlen der bisherigen Saison passen ins Bild. Im Schnitt kassieren die Münchner in der EuroLeague 93,4 Punkte pro Spiel, viermal waren es 94 oder mehr. Wer selbst durchschnittlich 87 Punkte erzielt, rechnet sich damit regelmäßig ins Minus.

    MarJon Beauchamp sucht noch seine Rolle.
    MarJon Beauchamp sucht noch seine Rolle. IMAGO/Eibner

    Inkonstanz als einzige Konstante

    Besonders krass fiel der Auftritt gegen Dubai aus. Zur Pause lagen die Bayern 36:63 zurück, der Gast hatte da bereits neun Dreier versenkt und 18 Assists gesammelt. Nach 63 Punkten in einer Halbzeit und 107 insgesamt gewinne man kein Heimspiel, stellte Gavel anschließend fest.

    Auch die anderen Niederlagen folgten oft einem Muster aus Phasen völliger Passivität. Bei Besiktas fingen sich die Bayern bis zur Pause 53 Punkte, die Gastgeber trafen acht ihrer ersten zwölf Distanzwürfe. Gute Schützen bekommen gegen München derzeit zu viel Zeit und zu viel Platz.

    Leibenath sieht hier den Kern des Problems. "Ich glaube, die größeren Baustellen haben wir defensiv momentan." Das Team sei nicht in der Lage, 40 Minuten guten Basketball zu spielen. Gegen Barcelona machten die Münchner hinsichtlich ihres Engagements definitiv einen Schritt nach vorn, konnten sich - auch defensiv - aber letztlich nicht dafür belohnen. Ein unnötiges Foul des weiter strauchelnden MarJon Beauchamps anderthalb Minuten vor Schluss schickte Kevin Punter an die Linie und markierte letztlich den Anfang vom Ende der Partie gegen Barcelona. Und das wäre auch schon der dritte Grund …

    Grund 3: Beauchamp - der Star, der sich noch finden muss

    Beauchamp war im Sommer jene Personalie, die die größte Fantasie weckte. Der Swingman, 2022 von den Milwaukee Bucks an Position 24 des NBA-Drafts ausgewählt, kam nach 155 NBA-Spielen nach München und unterschrieb für ein Jahr. "In der Offense kann er scoren und das Team durch seine individuelle Qualität verbessern", sagte Gavel bei der Verpflichtung.

    Die Bayern planen ihn als Schlüsselspieler auf dem Flügel, entsprechend viel Einsatzzeit bekommt er - auch weiterhin. Im europäischen Basketball ist der US-Amerikaner aber noch nicht angekommen: Im EuroLeague-Schnitt stehen knapp 20 Minuten, 6,9 Punkte und 2,3 Ballverluste zu Buche, die Dreierquote liegt bei 27,8 Prozent. Gegen Barcelona waren es vier Punkte, drei Ballverluste und vier Fouls in gut 17 Minuten.

    Wie teuer seine Fehler sein können, zeigte schon das 84:86 gegen Partizan Anfang Oktober. "Am Ende hatte ich drei Ballverluste in Folge", sagte Beauchamp danach selbstkritisch zu basketball-world.news. In engen Spielen dürfe so etwas nicht passieren: "Ich muss besser werden." Auch hier hält der Findungsprozess noch an.

    Ein Lichtblick und vier Auswärtsprüfungen

    Dass mehr in ihm steckt, bewies der Flügelspieler am Sonntag in der BBL. Beim 96:77 gegen Hamburg kam er auf 22 Punkte und deutete an, warum die Bayern ihn geholt haben. Der Sprung von der Bundesliga auf die internationale Bühne ist allerdings groß - die Verteidigungen dort sind enger, die Fehlertoleranz geringer.

    Zeit zum Feilen bleibt kaum. Im November stehen laut Gavel rund zehn bis elf Spiele und 14 Reisetage an, Trainingseinheiten werden zur Mangelware. Man müsse deshalb auch Spiele nutzen, um besser zu werden, erklärte der Coach.

    Der erste Prüfstein folgt bereits am Donnerstag bei Roter Stern Belgrad. Ein Sieg könne Selbstvertrauen geben und vielleicht eine Serie starten, hofft Gavel. Bis dahin sieht er vor allem die Trainer in der Pflicht, "dass wir die Köpfe der Spieler frei bekommen".

    Julius Ostendorf

    Bayern München
    MÜNBayernBayern MünchenDeutschland
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    88
    FC Barcelona
    BARBarcelonaFC BarcelonaSpanien