11.04.2025
Tempo gedrosselt
Die Entscheidung über eine deutsche Olympia- und Paralympics-Bewerbung wird abermals verschoben. Im Herbst 2026 soll nun erst feststehen, welche Stadt oder Region der DOSB und das BMI ins Rennen schicken.

Raum für Referenden - aber keine Verpflichtung, die Bürger zu befragen: Der Deutsche Olympische Sportbund schaltet im schleppenden Bewerbungsprozess um Olympische und Paralympische Spiele erneut einen Gang runter. "Spätestens" im September 2026 statt im Dezember 2025 soll nun entschieden werden, welche Stadt oder Region erstmals seit 1972 die Spiele wieder nach Deutschland holen soll.
"Wir bewerben uns, um Deutschland fit zu machen", sagte Volker Bouffier, Vorstand mit besonderen Aufgaben im DOSB, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz der Verbandsspitze. "Fit machen" müsse "mehr bedeuten als ein bloßes Bekenntnis, dass wir Olympische Spiele wollen", erklärte der frühere hessische Ministerpräsident (CDU).
Der abermals angepasste Zeitplan des DOSB sieht folgende Meilensteine vor: Die Konzepte der Interessenten - Berlin/Leipzig, Hamburg, München und Rhein-Ruhr - müssen wie gehabt bis zum 31. Mai eingereicht werden, sie werden bis September geprüft. Für Referenden, deren Durchführung der DOSB den Regionen und der dortigen Politik freistellt, erhalten die Interessenten Zeit bis Juni 2026, "um die Bewerbung gesellschaftlich abzusichern", so der DOSB.
Nach derzeitigem Stand wollen nur München und Hamburg eine solche Bürgerbefragung durchführen, die natürlich auch Kosten verursacht. "Das muss vor Ort entschieden werden", sagte Bouffier und schob hinterher, dass auch ein "Ja" der Bevölkerung "keine juristische Sicherheit" bringe.
Der Dachverband werde "jedes Referendum unterstützen", sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert. Dann aber seien die Kommunen in der Verantwortung, "sehr sorgfältig zu arbeiten, um die Bevölkerung hinter eine Bewerbung zu bringen und zu schaffen, dass die 'Ja-Sager' auch an die Urne gehen."
Eine finale Bewertung aller Konzepte, die dann noch im Rennen sind, soll bis September 2026 erfolgen - dann erst wollen DOSB und das Bundesministerium des Innern auch die "Strahlkraft" in die Bewertung einfließen lassen. "Das bestbewertete/ausgewählte Konzept wird bei einer Außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung bis Ende September 2026 zur Verabschiedung vorgelegt". Ursprünglich vorgesehen war dieser Schritt für die nächste reguläre MV am 6. Dezember. Im Raum stehen weiter Bewerbungen um die Sommerspiele 2036, 2040 bzw. 2044.
Das Internationale Olympische Komitee hat die Sommerspiele bis einschließlich 2032 vergeben. Wann der nächste Gastgeber gekürt wird oder ob es - wie im Fall von Paris 2024 und Los Angeles 2028 - zu einer Doppelvergabe kommt, ist nicht bekannt. "Deutschland muss ready sein, wenn Europa gefragt ist", sagte Michael Mronz, Mitglied des IOC und des DOSB-Präsidiums. Für 2036 gilt als sicher, dass Asien am Zug ist.
Am 24. Juni übernimmt die im März gewählte Kirsty Coventry beim IOC das Präsidentenamt von Thomas Bach. Der DOSB, dessen Präsident Thomas Weikert sich im Dezember 2026 zur Wiederwahl stellen muss, will in diesem Jahr mit dem IOC in den sogenannten "kontinuierlichen Dialog" eintreten und damit offizieller Interessent werden.
Der DOSB hatte die Unterstützung der früheren rot-gelb-grünen Regierungskoalition, für die Bewerbung sind auch Steuermittel in Höhe von sieben Millionen Euro jährlich freigegeben. Der deutsche Sport-Dachverband setzt auch auf deutliche Unterstützung einer Bewerbung durch die neue Regierungskoalition aus CDU und SPD. "Ich wünsche mir, dass der neue Kanzler in seiner ersten Regierungserklärung darauf Bezug nimmt", sagte Bouffier.
Nach zuletzt sieben gescheiterten Versuchen - teilweise nach negativen Referenden (München für 2022, Hamburg für 2024) - verläuft der Bewerbungsprozess schleppend. Der Führungszirkel um Weikert war Ende 2021 mit dem Ziel angetreten, die Verbindungen zum IOC zu verbessern. Eine Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele wurde bereits damals als Ziel formuliert.
SID