21.01.2026
Kanadier erklärt neue Trainer-Rolle
Steve Nash arbeitet inzwischen für das Fernsehen, nachdem er zwei Jahre bei den Brooklyn Nets als Coach aktiv war. Der Kanadier verriet nun, dass er eigentlich gar nicht coachen wollte und dies auch keine Option mehr für ihn sei.

Der Berliner Winter hat so seine Tücken. Nasskalt ist es an jenem Donnerstag, an dem die Orlando Magic und die Memphis Grizzlies das erste NBA-Spiel der Regular Season auf deutschem Boden austrugen. Ein paar Stunden zuvor ist basketball-world.news auf ein Gespräch mit Steve Nash, seines Zeichens zweimaliger MVP und Hall of Famer eingeladen.
Im 23. Stock des Nobelhotels Waldorf Astoria am Zoologischen Garten empfängt Nash einige Journalisten aus Deutschland und der Türkei in einer Suite. Malerisch soll die Aussicht sein, doch aufgrund des Nebels sind kaum die Gebäude auf der anderen Straßenseite zu sehen. Nash ist es egal, der 51-Jährige ist gut gelaunt und beantwortet alle Fragen gelassen und lässt sich auch nicht aus dem Konzept bringen, als ein Kollege eine politische Frage stellt, was explizit nicht passieren sollte.
Nash scheint im Reinen mit seiner Rolle als Experte für Prime zu sein, nebenbei produziert er mit LeBron James einen Podcast und hat eine Beraterrolle bei den Phoenix Suns inne. Sein Leben ist ruhiger geworden, nachdem der Kanadier für gut zwei Jahre das Superteam der Brooklyn Nets um Kevin Durant, James Harden und Kyrie Irving coachte.
"Ich wollte eigentlich gar nicht Coach werden", verriet Nash auf Nachfrage von basketball-world.news. "Die Nets kamen damals auf mich zu und fragten, ob ich ihnen helfen könnte. Ich nahm die Herausforderung für gut zwei Jahren an und es war eine großartige Erfahrung, aber als es vorbei war, wollte ich nie wieder diese Rolle übernehmen."
Womöglich war es auch das Timing. Die Zeit in Brooklyn war chaotisch, gespickt mit vielen Schlagzeilen, hohen Erwartungen, Verletzungen und eben auch Enttäuschungen. 2021 war es die Fußspitze von Durant, die Brooklyn die Conference Finals und eine mögliche Meisterschaft kostete, ansonsten herrschte zumeist Chaos bei den Nets.
Gleichzeitig hat sich das Trainerdasein geändert, laut Nash habe es nicht mehr viel damit zu tun, wie es zu seiner Zeit als Spieler war. "Heute haben Teams neun Assistenten, fünf Video-Jungs, eine Analytics-Abteilung und dann gibt es auch noch das Front Office. Du bist also eher ein CEO eines Start-Ups mit 50-60 Leuten."
Früher seien die Teams viel kleiner gewesen, umso wichtiger ist inzwischen der Management-Aspekt. Dazu sei der Kontakt mit den Spielern ebenfalls deutlich reduzierter. "Du bist kaum noch in der Kabine. Ein bisschen vor der Partie und dann danach, aber wegen dem großen Einfluss der Sportwissenschaft müssen die Ansagen des Coaches viel kürzer sein, damit die Spieler rechtzeitig ihre Behandlung kriegen."
Es ist eine ähnliche Entwicklung wie im Fußball, Cheftrainer werden mehr und mehr zum Gesicht eines ganzen Teams, das es zu managen gilt. Nash selbst reizt dies nicht mehr, er hat Wege gefunden, wie ihm das Leben mehr Freude bereitet.

"Ich habe mein Leben um meine Familie aufgebaut, das ist ein Luxus, den ich mir gönnen kann. Alles andere mache ich in Teilzeit und bekomme so das Beste aus beiden Welten." Durch seine Projekte ist Nash noch immer Teil des Spiels und beobachtet Entwicklungen, kann aber seine Kinder auch zur Schule oder zum Training fahren.
In der Woche in Berlin und London war dies nicht möglich, dafür reichte es für eine Runde Tennis mit Kumpel Dirk Nowitzki. Der saß zum Zeitpunkt des Interview in einer anderen Suite und machte das Gleiche. Der Würzburger war es übrigens auch, der Nash zu seiner Tätigkeit bei Prime überredete. Nash hatte es zu Nets-Zeiten dagegen nicht geschafft, Nowitzki zu einem Job als Co-Trainer zu überreden.
"Dirk meinte, dass ich das machen sollte und er hat dann auch bei Amazon ein bisschen Druck gemacht", lachte Nash. "Es ist natürlich super, dass ich dies mit einem meiner besten Freunde machen darf."
Robert Arndt