vor 3 Stunden
Mit Toptalent Boozer in den Rebuild
Nach Jahren der negativen Schlagzeilen und im Keller der Western Conference haben die Memphis Grizzlies einen Schlussstrich unter die Ära Ja Morant gezogen. Trainer Tuomas Iisalo hat damit die Chance, endlich seinen Spielstil anzuwenden, der in Europa so erfolgreich war. Doch, kann das funktionieren?

Mit den Trades von Ja Morant und Santi Aldama wurden endgültig die Zöpfe des Teams abgeschnitten, welches 2022 noch die zweite Runde der Playoffs erreichte. Das einstige It-Team um Morant, Desmond Bane, Dillon Brooks und Jaren Jackson Jr. ist damit endgültig Geschichte, stattdessen soll um Nr.-3-Pick Cameron Boozer neu aufgebaut werden.
Dafür nahmen die Grizzlies in bekannter Manier wieder ein paar unerwünschte Verträge auf (D’Angelo Russell, Jerami Grant) und ließen sich dies mit Draft-Kapital versüßen. Interessant ist auch die Ausrichtung im Frontcourt. Hier tradete man für Isaiah Stewart, einen sehr starken Verteidiger, und eiste zudem Quinten Post von den Warriors per Offer Sheet los.
Dazu einigte man sich mit Kentavious Caldwell-Pope auf einen Buyout, da man für den 3-and-D-Spezialisten keine wirkliche Verwendung mehr hatte.
Zugänge: A.J. Johnson (Mavericks), D’Angelo Russell (Wizards), Karim Lopez, Cam Boozer (beide Draft), Jerami Grant, Kris Murray (beide Blazers), Quinten Post (Warriors), Isaiah Stewart (Grizzlies)
Abgänge: Ja Morant (Blazers), Kentavious Caldwell-Pope (Sixers), Santi Aldama (Mavericks)

Die Grizzlies sollen wieder Spaß machen nach einigen schwierigen Jahren rund um die Skandale von Morant. Mit Nr.-3-Pick Boozer ist ein neuer potenzieller Franchise-Star bereits da. Der Forward polarisiert zwar ein wenig, da ihm Athletik abgeht, dafür ist er enorm spielintelligent und wird sich bei den Grizzlies ausprobieren dürfen. Darüber hinaus ist Talent mit Scorer Cedric Coward, Defensiv-Spezialist Jaylen Wells oder Center-Hüne Zach Edey bereits vorhanden.
Gepaart mit Veteranen wie Ty Jerome, Grant oder Stewart ist das eine gute Mischung, um vielleicht nicht in die Playoffs zu kommen, aber zumindest einmal respektabel zu sein. Es gibt Coach Tuomas Iilsalo auch die Chance, seinen Spielstil besser durchzudrücken, da gewisse Egos nicht mehr in der Kabine sind.
Für den Finnen ging es letztlich nur darum, die Saison zu überstehen. Das hat er erreicht und sich damit Luft verschafft. Der große Druck ist erst einmal weg.
Acht neue Spieler, es wird ein wenig dauern, bis sich eine Hierarchie bildet und die Automatismen kommen. Bei einem solch jungen Team ist das aber in Ordnung. Was fehlt, ist eine ordnende Hand im Backcourt. Ty Jerome ist zwar erfahren, aber eher ein Scorer, gleichzeitig aber wie Scotty Pippen Jr. recht verletzungsanfällig.
Dazu ist der Kader zwar tief besetzt, aber echte Star-Power gibt es (noch) nicht. Gleichzeitig werden zahlreiche Spieler um Minuten buhlen, was ein Problem sein kann. Dennoch könnte dies auch eine Stärke sein, da Iisalo in Europa seine Spieler zumeist schnell durchwechselte, um stets maximale Frische auf dem Feld zu haben. Mit diesem Kader könnte das auch in der NBA für den Finnen möglich sein.
Die Grizzlies dürften in der kommenden Saison ein unterhaltsames Team sein, welches dennoch vor allem von der defensiven Intensität lebt. Vor allem im Frontcourt gibt es zahlreiche gute Optionen. Wie gewöhnlich wird Memphis im Angriff eher in Transition punkten, die Mängel im Halbfeld dürften zu groß sein.
Ergo sind den Grizzlies Überraschungen zuzutrauen, aber doch über eine komplette Saison dürfte man maximal mit den Play-Ins auf Tuchfühlung kommen. Der Kader muss bis Saisonstart ohnehin noch verkleinert werden. Darüber hinaus ist es nicht auszuschließen, dass es bis Februar weitere Moves geben wird. Dennoch: Eine Vision ist ersichtlich, nun heißt es, Geduld haben und schauen, wie sich die vorhandenen Youngster entwickeln.
red