07.04.2025
Ähnliches Projekt scheiterte
Über Monate hielten sich die Gerüchte, vor gut einer Woche bestätigte schließlich NBA-Commissioner Adam Silver, dass die US-Liga auch eine Liga in Europa gründen möchte. Weniger Fragezeichen gibt es deswegen nicht. Ein erster Überblick.

Geplant ist ein Start zur Saison 2026/27, auch wenn sich Commissioner Adam Silver nicht festlegen wollte. "Wir stehen am Anfang, es gibt noch keine Zusagen. Wir sind derzeit noch in der Findungsphase", gab der NBA-Boss zu. Der Zeitpunkt ist jedoch passend, da gleichzeitig die A-Lizenzen in der EuroLeague auslaufen.
Die Shareholder-Klubs in der EuroLeague, darunter auch der FC Bayern München, wären ab dieser Saison nicht mehr gebunden und könnten - wenn gewünscht - dann die Liga wechseln. Verhandlungen über die Lizenzen laufen zwar, doch noch gibt es keinen Vollzug.
Das ist noch völlig offen. Laut Silver wäre es der Wunsch der NBA, dass 16 Teams teilnehmen. Zwölf davon sollen dauerhaft gebunden sein, während vier Spots für "Gäste" freigehalten werden.
"Der Basketball hat in Europa eine große Tradition und das wollen wir respektieren", meinte Silver. "In den USA sind wir geschlossene Ligen gewöhnt, in Europa gibt es Auf- und Abstieg. Wir werden uns das alles genau anschauen."
Völlig offen ist zudem, wie viele Spiele jedes Team absolvieren soll/muss und wann die Liga während der Saison stattfinden wird.
Mehr Klarheit gibt es beim Regelwerk. Hier stellte Silver klar, dass man im Rahmen der FIBA-Regeln spielen werde. Heißt: Spiele werden keine 48, sondern nur 40 Minuten dauern. Dazu wird auf dem kleineren FIBA-Feld gespielt, unter anderem ohne die 3-Sekunden-Regel aus der NBA.
| Verein | Land | A-Lizenz |
|---|---|---|
| FC Barcelona | ESP | X |
| Real Madrid | ESP | X |
| Baskonia Vitoria-Gasteiz | ESP | X |
| Olympiakos Piräus | GRE | X |
| Panathinaikos Athen | GRE | X |
| Anadolu Efes | TUR | X |
| Fenerbahce Istanbul | TUR | X |
| FC Bayern München | GER | X |
| ASVEL Villeurbanne | FRA | X |
| Maccabi Tel Aviv | ISR | X |
| Armani Mailand | ITA | X |
Das ist die große Frage und eine echte Antwort gibt es noch nicht. Es ist wahrscheinlich, dass es eine Mischung aus derzeitigen EuroLeague-Teams und neuen Franchises ist. Laut The Athletic will die NBA mit Real Madrid, Barcelona, Fenerbahce und ASVEL (NBA-Legende Tony Parker ist hier Präsident) mindestens vier bestehende EuroLeague-Teams für sich gewinnen.
Im Gespräch sind zudem Großstädte aus den großen Industrienationen Europas. London, Manchester, Berlin, München, Paris oder Rom werden gehandelt. Vor allem in Manchester und London dürften es die Fußball-Klubs sein, die das Interesse der NBA wecken. In der NBA dürfen Staaten nur bis zu 20 Prozent der Anteile an einer Franchise erwerben, entsprechend interessant wäre es für die Al-Mubarak-Familie aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, zumindest bei der NBA Europe mitzumischen.
In London sind Arsenal oder Chelsea im Gespräch, dazu gibt es weiterhin die Option der London Lions, die zwar 2024 das EuroCup-Halbfinale erreichten, danach aber zahlungsunfähig waren.
In Deutschland sind die Fragezeichen ähnlich groß. Der FC Bayern wäre als Weltmarke prädestiniert für ein solches Projekt, hat zudem eine nagelneue Arena und über ein Jahrzehnt gewachsene Strukturen, doch Geschäftsführer Marko Pesic wiegelte im Gespräch mit basketball-world im Januar ab.

Würde die NBA stattdessen in München ein neues Team gründen? Unwahrscheinlich, da der SAP Garden durch den EHC und die Bayern zumeist geblockt wäre und eine weitere Arena nicht wirtschaftlich wäre.
Etwas anders verhält es sich in Berlin. Alba wäre eine Option, auch weil sie nicht mit der EuroLeague verheiratet sind. Geschäftsführer Marco Baldi will zumindest nichts ausschließen, zuletzt äußerte der 62-Jährige deutliche Kritik am System der EuroLeague. Dennoch gab es auch Gerüchte, dass die NBA womöglich auch ein komplett neues Team an der Spree aus dem Boden stampft.
Andere Traditionsteams wie Roter Stern, Partizan, Zalgiris oder Olympiakos spielen dagegen scheinbar keine Rolle. Diese Klubs sind zwar Zuschauermagneten und triefen nur so vor Tradition, spielen aber in wirtschaftsschwachen Märkten, was aus NBA-Sicht nur schwer zu verkraften ist. Schließlich soll die Liga profitabel werden (auch wenn alles andere als klar ist, ob dies gelingen kann).
Es fängt schon beim System an. Die NBA ist ein Zusammenschluss von Franchises, während in Europa die Klubs viel mehr Kontrolle und damit auch Macht haben. Wer möchte dies wirklich aufgeben? Die Antwort darauf wird (mal wieder) Geld sein.
Die NBA erhofft sich Erlöse von bis zu einer halben Milliarde Dollar für eine neue Franchise in Kernmärkten wie Paris oder London. Das ist sehr hoch gegriffen, auch weil diese Summe für neue Teams wieder hereingespielt werden muss. Dazu kommen die klassischen NBA-Standards. Es braucht eine moderne (und große) Arena, die nicht jeder Standort direkt präsentieren kann.
Es ist davon auszugehen, dass Budgets benötigt werden, die deutlich höher als derzeit in Europa sind. Es braucht höhere Gehälter für das Anlocken von Qualitätsspielern, es muss fleißig getrommelt werden, um die Fans in die Arenen zu bringen. Findet sich ein Investor und wie viel Geld kann für TV-Verträge generiert werden?
Alleine der Name NBA wird da nicht reichen, das sah man am gescheiterten Projekt der NFL Europe. Rund 30 Millionen Dollar Verluste wurden pro Jahr eingefahren, bevor das Experiment nach zwölf Ausgaben 2007 beerdigt wurde. Das Problem war offensichtlich: die Qualitätsspieler waren alle in den USA, ähnliche Schwierigkeiten wird auch die NBA bekommen.
Durch mehr Kaderplätze, bessere Bezahlung in der G-League und dem NIL-Geld auf dem College zieht es weniger gute Spieler aus den USA nach Europa. Dazu wird die EuroLeague auch nicht einfach abgeschafft und es gibt in Asien oder Australien weitere finanzstarke Ligen, die um Spieler konkurrieren.
Die FIBA dürfte dem Projekt ein bisschen Glaubwürdigkeit bei europäischen Fans verleihen. Generalsekretär Andreas Zagklis beschrieb es wie folgt: "Wir wollen das Basketball-Ökosystem vereinen. Das versuchen wir schon seit Jahren, FIBA ist für jeden da", meinte Zagklis, was auch als Spitze gegen die EuroLeague zu verstehen ist, mit der der Weltverband seit Jahren wegen des Rahmenspielplans oder auch Schiedsrichtern im Clinch ist.

Zagklis betonte auch noch einmal, dass alle Klubs in Europa FIBA-Klubs seien, womit mögliche Teilnehmer der NBA-Liga auch in ihren nationalen Ligen weiter an den Start gehen könnten. Der Verband sieht den NBA-Einstieg als Chance, Basketball in Europa stabiler und vor allem wirtschaftlicher zu machen. Noch ist der Sport zu abhängig von einzelnen Geldgebern oder Gönnern.
Robert Arndt
| Zalgiris Kaunas |
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