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    NBA

    vor 40 Minuten

    New Yorks verrückte Reise bis in die Finals

    Die irren Chaosjahre der Knicks in den 2000ern - eine Chronologie

    Nach 27 Jahren stehen die New York Knicks tatsächlich wieder in den Finals. Eine lange Reise, gepflastert von Irrwegen. Vor allem während der Nullerjahre, als sich die Knicks mit diversen unglücklichen Entscheidungen und Skandalen so weit vom Titel entfernten wie Stephon Marbury von einer geradlinigen Karriere. Eine Chronologie des Chaos, das die Playoffs 2026 umso süßer erscheinen lässt.

    Die New York Knicks sind nach fast drei Jahrzehnten zurück in den NBA-Finals.
    Die New York Knicks sind nach fast drei Jahrzehnten zurück in den NBA-Finals. Getty Images

    Sommer 2000: Eine Ära geht zu Ende

    Dass es zwischen den Knicks und Patrick Ewing bald enden würde, konnten sich die meisten irgendwie zusammenargumentieren. Im Sommer 2000 war Ewing bereits 38 Jahre alt. 15 davon hatte er in New York verbraucht, sich dabei mit Michael Jordan, den Bulls, Reggie Miller, den Heat bekriegt, war einmal, 1999, sogar in den Finals gestanden. Ewing hatte vieles versucht, um den Knicks den ersten Titel seit 1973 zu schenken - und scheiterte am Ende doch.

    Mit Latrell Spreewell und Allen Houston hatten die Knicks bereits zwei "neue" Stars. Sie waren gewillt, weiterzuziehen. Ewing ebenfalls. Also arbeitete man an einem Trade. Ein wenig dauerte es. Irgendwann hatten sich jedoch drei weitere Teams gefunden, und so wechselten Glen Rice, Luc Longley und Travis Knight nach New York, Ewing ging nach Seattle.

    Der Ewing-Trade im Detail

    Seattle erhältNew York erhältL.A. erhältPhoenix erhält
    Patrick EwingGlen RiceHorace GrantChris Dudley
    Luc LongleyGreg FosterEin Erstrunden-Pick (von NYK)
    Travis KnightChuck Person
    Vladimir Stepania
    Lazaro Borrell
    Vernon Maxwell
    Zwei Erstrunden-Picks
    Ein Zweitrunden-Pick

    Den auslaufenden Vertrag ihrer Franchise-Legende tauschten die Knicks gegen Gehälter, die sie bis 2004 bezahlen mussten. Mit Rice holten sie zudem einen weiteren Wing…

    Juli 2001: Ein viel zu großer Vertrag

    Eine Vertragsverlängerung hatte sich Allan Houston verdient. Sogar eine große. Im entscheidenden fünften Spiel der ersten Runde 1999 - damals mussten Teams erst ab den Conference-Halbfinals vier Spiele gewinnen - war er erst durch Tim Hardaway und Dan Majerle durchgetaucht, um dann mit noch 0,8 Sekunden Rest einen Runner vom rechten Elbow zu treffen, der die an acht gesetzten Knicks am Top-Seed Miami vorbeischubste. Zudem besaß Houston einen der schönsten Würfe der Ligageschichte.

    Allan Houston feiert den Überraschungserfolg gegen Miami.
    Allan Houston feiert den Überraschungserfolg gegen Miami. AFP via Getty Images

    Aber ein solcher Vertrag? Im Juli 2001 einigten sich die Knicks und Houston auf einen Sechsjahresvertrag über 100 Millionen Dollar. Für heutige Verhältnisse überschaubar. Damals einer dieser berühmten Albatrossverträge, die Teams ob ihrer Größe auf Jahre verfluchten. Nach zwei sehr guten ersten Jahren hinderten Verletzungen Houston daran, sein Potenzial voll auszuschöpfen. Während der letzten beiden Vertragsjahre spielte er kaum noch, erhielt aber insgesamt 40 Millionen Euro.

    Das Bittere: Nötig war es wohl nicht zwingend. Angeblich bot kein anderes Team dem Guard mehr als 75 Millionen Dollar…

    Dezember 2001: Noch eine Ära geht zu Ende

    Jeff Van Gundy war etwas gelungen, das eigentlich niemandem gelingt: 1999 hatte er die Knicks als Achtplatzierten der Regular Season in die Finals geführt. Gut, dort waren die Spurs, die sich im Jahr zuvor Tim Duncan ertankt hatten, dann doch ein bisschen zu gut, aber dennoch. Fünf Jahre lang prägte Van Gundy die Knicks. Positiv.

    Seit er im März 1996 zunächst interimsweise übernommen hatte, hatte er das Team immer in die Playoffs geführt. Doch bereits während der Offseason spürte er, dass sich etwas verändert hatte. Sein Fokus, er war nicht mehr derselbe. Dennoch versuchte es Van Gundy, um nach 19 Spielen festzustellen, dass es nicht mehr ging. Einer, der während der Saison 12 Stunden pro Tag mit seiner Arbeit verbrachte, konnte den Fokus nicht mehr aufbringen. Zudem wolle er mehr Zeit mit seiner Frau und seiner sechsjährigen Tochter verbringen. Auf Van Gundy folgten zehn Coaches in 16 Jahren.

    Draft Day 2002: Der Antonio-McDyess-Deal

    14 Jahre in Folge standen die Knicks in den Playoffs. Nach Van Gundys Rücktritt verloren sie jedoch 43 ihrer letzten 63 Spiele und verpassten die Postseason. Zeit für Veränderungen. Und die sollte Antonio McDyess bringen, ein dynamischer, athletischer Forward, der die Saison zuvor jedoch mit einem Patellasehnenriss verpasst hatte. Kein gutes Omen. Zumal McDyess den Knicks Marcus Camby und Mark Jackson den siebten Pick 2002 wert waren.

    Ersterer zählte zum Kern des 99er Finalteams und gewann später in Denver den Defensive Player of the Year Award, stand nach dem Trade insgesamt noch vier Mal im All-Defensive-Team. McDyess? Verletzte sich während der Preseason erneut am Knie, musste operiert werden und erreichte nie seine alte Form - bis ihn die Knicks tradeten.

    Der McDyess-Trade im Überblick

    New York erhältDenver erhält
    Antonio McDyessMarcus Camby
    Frank Williams (Draft-Rechte an Pick #25)Mark Jackson
    Zweitrunden-Pick 2003Nenê Hilário (Draft-Rechte an Pick 7)

    2003: Der Beginn einer Ära, die so am besten nie passiert wäre

    Scott Layden tat den Knicks nicht gut. Vier Jahre entschied er zwischen 1999 und 2003 als General Manager über Verträge („Wie viel soll es sein, Allan Houston?“) und Trades („Ciao, Marcus Camby“) und hatte damit überschaubaren Erfolg. Mit einem, der zumindest weiß, wie man Meisterschaften gewinnt, sollte alles besser werden. Nur konzentrierte sich Isiah Thomas’ Knowhow vor allem auf den Erfolg auf dem Court.

    Die Raptors, deren Anteilsbesitzer er gewesen war, als sie 1995 in die Liga kamen, verließ er 1998 im Streit. Die Continental Basketball Association (CBA), den Vorreiter der G-League, managte er so überschaubar, dass die New York Times seine drei Jahre als Besitzer der CBA als "Blaupause dafür" bezeichnete, "wie man ein Business nicht führt." Die Pacers coachte er - zugegeben, während einer Umbruchphase - zu drei Erstrunden-Niederlagen, nachdem sie unter Larry Bird 2000 noch die Finals erreicht hatten.

    Nun sollte er also die Knicks retten - und erreichte während seiner fünf Jahre das exakte Gegenteil. Draft-Entscheidungen saßen nicht. Trades funktionierten nicht. Vertragsverlängerungen entsprachen nicht dem, was Spieler zu leisten im Stande waren. Am Ende der Saison 2005/06 hatten die Knicks beispielsweise das teuerste Team der Liga - und dafür immerhin die zweitschwächste Bilanz. Dazu kamen (öffentliche) Streitereien, Skandale und sogar ein Gerichtsprozess.

    Curry verbrachte fünf Jahre im Big Apple.
    Curry verbrachte fünf Jahre im Big Apple. IMAGO

    Oktober 2005: Der Eddy-Curry-Trade

    Bei den Bulls hatte Eddy Curry genug gezeigt, um sich auszumalen, was möglich sein könnte, wenn er sein Potenzial doch nutzte. So dachte Thomas und schickte im Herbst 2005 einen First-Round-Pick, einen First-Round-Pick-Swap, zwei Second-Rounder, Michael Sweetney, Tim Thomas und Jermaine Jackson nach Chicago, um dem Center danach noch einen Sechsjahresvertrag über 60 Millionen Dollar zu geben.

    Abgesehen von einer soliden Saison 2006/07 erfüllte Curry das Versprechen auch in New York, wenn, dann nur in kleinen Dosen. Als Team hatten die Knicks mit ihrem neuen Center so wenig Erfolg, dass ihnen durch den Deal 2006 der Nummer-2-Pick durch die Finger glitt, aus dem LaMarcus Aldridge wurde. 2007 durften die Bulls Picks tauschen und entschieden sich für Joakim Noah, der direkt einen positiveren Einfluss hatte als Curry.

    Über die ersten drei Jahre, die produktiveren, gewannen die Knicks mit Curry 79 Spiele. Fünf Jahre in Folge verpassten sie die Playoffs. Auch, weil Curry immer wieder außer Form zum Trainingscamp erschien. Wegen gesundheitlicher und persönlicher Probleme absolvierte Curry während seiner letzten drei Jahre als Knick nur noch zehn Spiele. Insgesamt…

    Der Eddy-Curry-Trade im Überblick

    New York erhältChicago erhält
    Eddy CurryTim Thomas
    Antonio DavisMichael Sweetney
    Jermaine Jackson (Sign-and-Trade)
    Erstrunden-Pick 2006 (wurde LaMarcus Aldridge / Tyrus Thomas)
    Recht auf Pick-Swap 2007 (wurde Joakim Noah)
    Zweitrunden-Pick 2007
    Zweitrunden-Pick 2009

    2005: Wenn eine Playoff-Serie genügt

    Über seine Karriere legte Jerome James in durchschnittlich 15,2 Minuten 4,9 Punkte, 3,5 Rebounds sowie 1,3 Blocks auf. Das schreit nicht zwingend nach großem, langfristigem Vertrag. Thomas hatte sich die 2005er Playoffs, vor allem die erste Runde der Sonics gegen Sacramento, jedoch genau angesehen. Gegen die Kings und später die Spurs servierte James 12,6 Punkte, 6,8 Rebounds, dazu 1,8 Blocks.

    Also bot man Thomas einen Fünfjahresvertrag über 30 Millionen Dollar an. Er sah Potenzial. Bei einem 30-Jährigen. James’ Bilanz in New York: Insgesamt 90 Spiele, in denen er im Schnitt 7,7 Minuten auf dem Parkett stand.

    2005: Auch Larry Brown kann die Knicks nicht retten

    Die Idee erschien durchaus sinnvoll. 2001 hatte Larry Brown die Sixers in die Finals gecoacht. 2004 gewann er mit den Pistons die Meisterschaft und formte eines der besten Teams der Ära. Ähnliches sollte ihm in New York doch auch klappen, richtig?

    Also unterschrieb der Coach für fünf Jahre und 50 Millionen Dollar, um nach einem Jahr und 59 Niederlagen im Streit wieder zu gehen. Insgesamt verdiente Brown in dieser Saison 28,5 Millionen Dollar: 10 Millionen Gehalt, 18,5 Millionen durch einen Vergleich, der seinen Vertrag terminierte. Wo es in Philadelphia mit einem dominanten Point Guard noch geklappt hatte, scheiterte Brown in New York auch an seinem Playmaker.

    Stephon Marbury ist in New York geboren und aufgewachsen.
    Stephon Marbury ist in New York geboren und aufgewachsen. IMAGO

    2004 bis 2009: Die Marbury-Jahre

    Im Januar 2004 trug sich theoretisch Wunderschönes zu. Stephon Marbury, einst gefeierter Highschool-Star aus New York, kehrte aus Phoenix in seine Heimatstadt zurück, um im Garden zu spielen. Praktisch gab es viel Streit. Marbury legte sich mit Brown an, später mit Thomas, der 2006 als Coach übernahm.

    Als Thomas ihm zu Beginn der Saison 2007/08 im Teamflieger eröffnete, dass er nicht mehr starten würde, soll der Point Guard seinem Coach gedroht haben, ihn zu erpressen - was der Stimmung rund um das Team und im Graden selbstverständlich wenig half. Trade-Versuchen der Knicks standen danach 42 Millionen Dollar für zwei Jahre im Weg.

    Dafür unterzog sich Marbury im Februar einer Knöcheloperation, die seine Saison beendete, die angeblich gar nicht notwendig gewesen war. Thomas wollte Marbury nicht mehr einsetzen, wurde nach der Saison aber als Coach und Executive entlassen.

    Weil der neue Trainer Mike D’Antoni Chris Duhon als Point Guard bevorzugte, erklärte er Marbury dessen neue Rolle, die immer noch viel Spielzeit vorsah. Der Playmaker weigerte sich jedoch und wurde darauf von allen Trainings ausgeschlossen, ehe sich Knicks und Spieler im Februar auf einen Buyout einigten.

    2006: Eine Klage erschüttert die Knicks

    Anfang 2006 verklagte Anucha Browne Sanders sowohl Isiah Thomas als auch Madison Square Garden, die Besitzerfirma der Knicks. Thomas soll sie mit Beginn seiner Amtszeit im Dezember 2003 sexuell belästigt haben. Als Browne Sanders die Vorfälle über ihren Anwalt Madison Square Garden meldete, folgte eine Untersuchung seitens der Franchise, an deren Ende sie entlassen wurde, vordergründig weil "sie ihren professionellen Pflichten nicht mehr nachkommen konnte." Browne Sanders sah ihre Meldung als Grund an.

    Während des Prozesses kamen diverse Dinge ans Licht. Beispielsweise sagte Marbury aus, 2005 seien er und eine Praktikantin sich in seinem Auto vor einem Stripclub näher gekommen.

    Im Oktober entschied eine Jury, Thomas und Madison Square Garden seien haftbar für sexuelle Belästigung, und sprach Browne Sanders 11,6 Millionen Dollar zu. Die Angeklagten kündigten Revision an, am Ende einigte man sich im Dezember auf die Zahlung von 11,5 Millionen Dollar.

    2006 und 2007: Zwei Ideen, keine Lösung

    Im Februar 2006 hatten die Knicks eine Idee. Zwei explosive Point Guards müssten doch besser sein als einer, dachten sie und tradeten Trevor Ariza und Penny Hardaways auslaufenden Vertrag für Steve Francis nach Orlando. Nur kam "Stevie Franchise" nie im Big Apple an. Das Tandem Marbury-Francis funktionierte nicht. Mehr noch. Der Neue wirkte desinteressiert und schien sich auf sein Karriereende zuzubewegen.

    Ausgleichen wollte Thomas den Fauxpas, als er Francis im Juni 2007 mit Channing Frye für Zach Randolph nach Portland schickte. Aus zwei Point Guards mach zwei Bigs. Nur spielte Curry aus oben genannten Gründen kaum noch, und auch Randolph war weit entfernt von dem Z-Bo, der in Memphis später Grit-and-Grind zelebrierte. Ein Jahr verbrachte er in New York. Resultat: 23 Siege.

    Die meisten Blocks pro Spiel: An diesen Rekord kommt nicht mal Wemby heran

    Warum Hukporti für die Knicks in den Finals jetzt richtig wichtig wird

    Max Marbeiter