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    NBA

    vor 20 Stunden

    88 Millionen für fehlende Athletik?

    Die Cavaliers nach den Harden- und Watson-Deals: Besser, und doch nicht gut genug

    Trotz des Conference-Finals-Einzugs endete die Saison der Cleveland Cavaliers mit einer Enttäuschung. Spielraum für große Veränderungen hatte die Franchise nicht. Dennoch fand sie einen Hebel. Peyton Watson könnte die Statik des Teams verändern und gibt den Cavs ein zusätzliches Element. Gleichzeitig bleiben womöglich entscheidende Schwachstellen…

    Donovan Mitchell und James Harden sollen weiterhin treibende Kräfte in Cleveland sein.
    Donovan Mitchell und James Harden sollen weiterhin treibende Kräfte in Cleveland sein. IMAGO/EPA

    Die Cavs waren dem großen Ziel so nahe wie seit LeBron nicht mehr - und hätten doch kaum weiter entfernt sein können. Theoretisch fehlten vier Siege zu den Finals, acht zur Meisterschaft. Praktisch fehlte so viel mehr. Coach Kenny Atkinson sah Cleveland zwar als besseres Team, am Ende wirkten die Knicks aber nur in Spiel eins wirklich in Gefahr. New York war klar besser; wie es sowohl die Spurs als auch OKC in möglichen Finals gewesen wären.

    Überhaupt, die Playoffs. In Runde eins hatten die Cavs trotz all ihrer Postseason-Erfahrung mit theoretisch überforderten, dann aber extrem unangenehmen Raptors deutlich mehr Probleme als erwartet. Es mangelte an Souveränität und Ruhe. In der zweiten Runde rangen sie die Pistons nieder, brauchten ebenfalls sieben Spiele.

    Wohin würde sich dieses Team, das angesichts seiner Gehaltsstruktur kaum Möglichkeiten für ganz große Veränderungen zu besitzen schien, also orientieren? Wie sehr könnte dieses Team wachsen, dessen Steigerungsaussichten in den vergangenen Jahren häufig auf Hoffnungen auf intrinsisches Wachstum fußten, dessen Hauptprotagonisten mittlerweile allerdings schon so viele Ligajahre durchgespielt haben, dass der Eindruck aufkommt, sie bestens zu kennen? Koby Altman hatte eine Idee.

    Clevelands President of Basketball Operations schob Hardens Verlängerung auf, nutzte den damit entstanden Handlungsraum, um Peyton Watson zunächst aus Denver zu ertraden und den Restricted Free Agent danach mit einem Vierjahresvertrag über 88 Millionen Dollar auszustatten. Möglich war das, weil die Nuggets ihren Forward nicht so teuer bezahlen konnten, wohl auch wollten. Sinn ergibt es aus mehreren Perspektiven.

    Kommt von den Nuggets: Peyton Watson.
    Kommt von den Nuggets: Peyton Watson. IMAGO/Icon Sportswire

    Peyton Watson: Athletische Hilfe gegen eine große Cavs-Schwachstelle

    Links am Elbow wagt Evan Mobley gegen Miles McBride den Crossover, kurz darauf ist der Ball frei. Jose Alvarado schnappt zuund sprintet nach vorne. Harden joggt zurück, Keon Ellis ebenfalls. Alvarado hat nur noch Parket vor sich und legt den Ball durch den Ring. Die Punkte 17 und 18 eines 20-0-Runs der Knicks; und kurz darauf ist die Saison der Cavs beendet.

    Alvarados Punkte waren sehr einfach und illustrieren daher gut ein fundamentales Problem der vergangenen Saison. Cleaning the Glass führte die Cavs in Sachen Transition Defense auf Rang 17. Ihnen mangelte es an Speed, an Athletik, vielleicht auch ein bisschen, vielleicht auch nur manchmal, an Willen. Watson bringt all das.

    Der Neue ist einer der explosivsten Wings der Liga. Dank seiner Athletik taucht Watson immer wieder in Plays auf, die ihn eigentlich schon ausgeschlossen hatten. Gerade noch am Perimeter, schwebt er durch die Zone, um beinahe den Ring küssende Layups doch noch an den Absender zurückzuadressieren.

    • Der Kader der Cavaliers 2026/27
    • Alle Verträge und Gehälter der Cavs

    Dean Wade, den die Cavs an die Sixers verloren, bleibt ein exzellenter Verteidiger. Watson ist jedoch dynamischer, explosiver und gibt Cleveland damit etwas, das es bislang vermisste. So führte Cleaning the Glass den ehemaligen Nugget beim Shot Blocking im 99. Perzentil unter Forwards - womit es sich aber lang nicht hat.

    Dass Watson häufig vom Flügel oder von weit draußen Richtung Ring stürmen muss, liegt daran, dass er als Defender am Ball dank seiner Geschwindigkeit ungemein wertvoll ist. Watson kann Ballführende über das Feld jagen, sie unter Druck setzen und in Fehler hetzen. Wade und auch Max Strus, der im Rahmen des Trades zu den Clippers wechselte, beherrschten das ebenfalls. Jedoch nicht mit derselben Explosivität.

    Watson in Cleveland: Mehr als Three-and-D?

    Die Cavs, ein Team, das jahrelang nach Athletik auf dem Flügel fahndete, hat nun einen der athletischsten Wings der Liga. Das dürfte helfen. Zumal Watson seinen beiden Vorgängern, gerade Wade, etwas voraus hat: Er belässt es nicht bei der Defense. Während Wade zuletzt gar nicht mehr werfen wollte, arbeitete der ehemalige Nugget kontinuierlich an seiner Offense.

    Als Scharfschützen sollte Watson trotz vergangene Saison 41,1 Prozent von draußen niemand missverstehen. Gleichzeitig steigerte der Forward Jahr für Jahr sein Volumen und seit seiner zweiten Saison kontinuierlich auch die Effizienz. Aus der Ecke traf Watson 2025/26 laut Cleaning the Glass sogar 52 Prozent seiner Dreier und lag unter Forwards damit im 97. Perzentil.

    Ein entscheidender Faktor für ein Team, das zwingend Schützen braucht, die das Feld für Donovan Mitchells und Hardens Drives, für Pick and Rolls zwischen Harden und Jarrett Allen oder Evan Mobleys Anläufe Richtung Zone machen. Genau das ist Watson… noch nicht.

    Defenses dürften ihn noch nicht als Sniper wahrnehmen, den sie permanent zustellen müssen. Setzt er die Entwicklung fort, könnte er sich zumindest in die Richtung entwickeln. Wenngleich es durchaus Argumentationslinien gibt, die Clevelands Offense eher einen dieser Movement-Shooter verordnet hätten, die um Blöcke sprinten, Verteidiger beschäftigen, weil sie hochprozentig treffen, sobald sie auch nur einen Millimeter Platz haben.

    Peyton Watson: Seine Stats in der NBA

    SaisonSpieleStartsMinutenPunkteReboundsAssistsBlocksFG%3P%
    2025/26544029,614,64,92,11,149,141,1
    2024/25681824,48,13,41,41,447,735,3
    2023/2480418,66,73,21,11,146,529,6
    2022/232328,13,31,60,50,549,242,9
    Karriere2256421,98,73,51,31,147,936,1

    Dieses Paket liefert Watson nicht. Dafür demonstrierte er vergangene Saison, dass er womöglich sogar mehr sein kann als einer der hinten verteidigt und vorne Dreier wirft. Gerade während Nikola Jokic’ Abstinenz hievte der Forward seine Offense auf ein neues Level. Er attackierte aus dem Dribbling, ebenso nach dem Pass, bewies dabei ein gutes Gespür für das Mögliche.

    Watson ging aus der Mitteldistanz hoch, zeigte einen durchaus respektablen Floater oder manövrierte sich via Eurostep, Verzögerungen und Beschleunigungen um Verteidiger herum, um am Ende am Ring abzuschließen. Kurz: Watson demonstrierte ein wachsendes Offensivarsenal, das Optimisten - genau - optimistisch stimmt, dass da womöglich mehr schlummert als "nur" ein gut verteidigender Rollenspieler.

    Die 22,5 Punkte, 5,6 Rebounds, 2,8 Assists, 1,1 Steals, 1,4 Blocks bei 49,8 Prozent FG, 46,2 Prozent von draußen während seiner besten 17 Spiele zwischen Januar und Februar vor seiner Oberschenkelverletzung sollte niemand als Standard nehmen. Zumal Watson in Cleveland mitunter nur dritte, vierte oder fünfte Angriffsoption sein dürfte. Gleichzeitig ist die Phase nicht nichts.

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    Hardens Verlängerung: Was passiert Richtung Playoffs?

    Nachdem Harden kurz nach Watson Verpflichtung seinen Vertrag verlängerte, hat der Forward nun zwar nicht mehr den besten Tischdecker der Liga (Jokic) an seiner Seite, dafür immer noch einen Point Guard, der es auch im fortgeschrittenen NBA-Alter noch versteht, die Vorlieben seiner Mitspieler zu orten und zu bedienen. Bislang fand Harden noch immer Wege, andere besser zu machen, sie dort zu füttern, wo sie sich am wohlsten fühlen. Nun hat er erstmals ein ganzes Trainingcamp mit den Cavs. Das dürfte insgesamt helfen.

    Watson wiederum könnte als zweite Angriffswelle und explosiver Cutter Defenses beschäftigen, während oder nachdem Harden beispielsweise mit Allen das Pick-and-Roll läuft. Insgesamt könnte Clevelands Offense mit ihrem neuen Forward vielseitiger und dynamischer aussehen. Bliebe die Frage, ob das reicht. Gerade in den Playoffs.

    Während der Regular Season stehen die Chancen gut, dass mit Harden am Steuer, Mitchell, dazu der Defense von Allen, Mobley und Watson ein sehr gutes Team steht, das sich ernsthaft um den Heimvorteil bewirbt. Doch was passiert danach? Vergangene Saison illustrierte, dass sich Harden in den Playoffs auch offensiv schwerer tut. Mit damals 36, nun 37 Jahren, dominierte er weniger, verließ sich viel auf seinen Dreier, der kaum fiel (29,9 Prozent 3FG in den Playoffs bei 7,1 Versuchen).

    Gepaart mit seiner defensiven Immobilität machte das den Point Guard noch angreifbarer. Und damit die Cavs. Umso wichtiger, dass sich Watson schnell eingliedert und sich teilweise an das erinnert, was er im Januar und Februar 2026 servierte; dass Mitchell, der im Sommer eine Verlängerung um vier Jahre (Spieleroption der letzten Saison) über 273 Millionen Dollar unterschrieb, seine durchaus vorhandenen Schwierigkeiten während Clevelands Conference-Finals Run als Feuer nutzt und noch mal etwas drauflegt, dass vielleicht auch Mobley offensiv noch einen Schritt geht.

    James Harden hat bei den Cavs verlängert.
    James Harden hat bei den Cavs verlängert. Vincent Carchietta

    Cavs nach dem Sommer: Immer noch weit weg?

    Es bleibt dabei: Trotz des Deals um Watson sind die Cavs auf intrinsisches Wachstum angewiesen. Auch von Jaylon Tyson, dessen Rolle nach Strus’ und Wades Abgang wachsen dürfte. Was Mario Hezonja, der zuletzt sechs Jahre in der Euroleague verbrachte, zu leisten im Stande ist, muss sich zeigen. Die Möglichkeit, irgendwann ihr Big-Man-Duo zu sprengen und doch noch einen größeren Trade einzufädeln, sollte sich eine Chance bieten, bleibt den Cavs natürlich.

    Grundsätzlich gab sich Cleveland mit Watson neue Möglichkeiten, bereinigte dabei eine Schwachstelle, wenngleich andere bleiben. Das Team könnte besser gerüstet sein, wirkt aber nicht so, als hätte es die Lücke entscheidenden geschlossen. Sowohl die Knicks als auch die Spurs und Thunder erscheinen, Stand jetzt, weiterhin zu weit entrückt…

    Max Marbeiter