vor 6 Stunden
Welches Vermächtnis hinterlässt James?
LeBron James verlässt nach acht Jahren die Los Angeles Lakers. Ein Titel sprang dabei heraus, lediglich eine weitere Teilnahme an den Conference Finals. Das Vermächtnis von James in Hollywood ist kompliziert, auch weil externe Einflüsse eine große Rolle spielten.

Acht Jahre sind eine lange Zeit, nirgendwo blieb LeBron James länger am Stück als in Los Angeles bei den Lakers. Es fühlt sich irgendwie aber nicht so an. James verlässt die Lakers mit einem Titel, er wurde in allen acht Jahren All-Star, erreichte sieben All-NBA-Teams und knackte mit nun 41 Jahren so ziemlich jeden Altersrekord, den es in der Association so gibt.
Und doch bleibt der Hintergedanke, dass James die Lakers in diesen acht Jahren nur bedingt geprägt hat. Zu viel ist passiert, vieles, worauf LeBron selbst keinen Einfluss nehmen konnte.
Dabei war er es, der die Lakers wieder relevant machte. Über mehr als eine halbe Dekade irrlichterte die Franchise in den letzten Jahren von Kobe Bryant und danach durch die Liga, erst mit LeBron änderte sich das. Als er kam, waren die Lakers eines der schlechtesten Teams der Liga, auch wenn zumindest ein junger Kern rund um Lonzo Ball, Brandon Ingram, Kyle Kuzma und Josh Hart da war.
Mit Ausnahme von Kuzma mussten aber alle gehen, sie wurden ein Jahr später für Anthony Davis eingetauscht, was die Lakers umgehend zu einem Titelanwärter machte. Und wie: Dieses Lakers-Team dominierte die Regular Season, erinnern tut sich daran aber kaum noch jemand. Vielmehr wurde es überschattet von der Tragödie rund um Bryant und seiner Tochter Gianna sowie der Corona-Pandemie wenige Monate später.
Die Lakers gewannen schließlich in der Bubble von Disney World den Titel, James wurde Finals-MVP, doch es gab keine Parade und immer wieder brachten Kritiker hervor, dass diese Meisterschaft deutlich weniger wert sei. Dass die Lakers zuvor zusammen mit den Milwaukee Bucks das klar beste Team der Liga waren, wird gerne unter den Tisch gekehrt.
In der Kobe-Stadt hatte es LeBron immer schwer, dabei half es auch nicht, dass er erst knapp fünf Jahre nach seiner Ankunft sein erstes Playoff-Spiel daheim vor Zuschauern bestreiten konnte. Hinzu kam das ständige Drama. Luke Walton, Frank Vogel, Darvin Ham, J.J. Redick - die Lakers hatten in dieser Zeit vier Coaches und einen ständig wechselnden Supporting Cast (worin James aber auch seine Aktien hatte).

Als Knackpunkt dürfte der Trade für Russell Westbrook im Sommer 2021 herhalten, davon erholten sich die Lakers nicht mehr, auch wenn es 2023 (nachdem Westbrook getradet wurde) noch einmal in die Conference Finals ging. Zudem war es fast schon symbolisch, dass James den NBA-Punkterekord knackte, als die Lakers gegen die damals noch neu aufbauenden Oklahoma City Thunder verloren.
James brach Rekord um Rekord, doch der Teamerfolg hielt sich in Grenzen. Außer 2020 und 2021 waren die Lakers nie ein ernstzunehmender 1A-Contender, stattdessen wurde stets verzweifelt versucht, irgendwie ein Team hinzustellen, welches zumindest eine Außenseiterchance hatte.
In späteren Jahren fehlte bisweilen auch das Commitment, da die Lakers den Leistungsabfall von James befürchteten. Picks wurden lieber behalten und so entstand ein kleines Dilemma. James war zu gut, um ihn zu traden, aber auch zu alt, um sich ihm voll zu verschreiben und All-In zu gehen.
| Saison | BIlanz | Platz | Playoffs |
|---|---|---|---|
| 18/19 | 37-45 | 10. | - |
| 19/20 | 52-19 | 1. | Champion |
| 20/21 | 42-30 | 7. | Runde eins (2-4 vs. Suns) |
| 21/22 | 33-49 | 11. | - |
| 22/23 | 43-39 | 7. | Conference Finals (0-4 vs. Nuggets) |
| 23/24 | 47-35 | 7. | Runde eins (1-4 vs. Nuggets) |
| 24/25 | 50-32 | 3. | Runde eins (1-4 vs. Wolves) |
| 25/26 | 53-29 | 4. | Conference Semifinals (0-4 vs. Thunder) |
Ein Zufall hätte dann beinahe den Durchbruch gebracht. Der Trade für Luka Doncic war schlichtweg unverschämtes Glück, ein Geschenk des Himmels und der perfekte Übergang. Vor allem in den letzten Saisonmonaten war die Vision sichtbar, als James den Part des Weltklasse-Rollenspielers und dritter Option akzeptierte. Die Lakers schienen etwas gefunden zu haben, doch Verletzungen von Doncic und Austin Reaves sorgten auch hier für Ernüchterung und ein erneut schnelles Playoff-Aus.
Zwar powerte LeBron die Reste der Lakers zu einem Seriensieg, doch seine letzte Serie in L.A. endete mit einem Sweep gegen die Oklahoma City Thunder. Es war wie so oft: James brillierte, glänzte individuell, versuchte für sein Team alles, doch im Gesamtkonstrukt reichte es nicht.
Es bleibt der Titel 2020, doch im Vergleich mit anderen Lakers-Ikonen bleibt die Ausbeute dürftig. Bei anderen Teams wäre er so schon eine Ikone, doch in Los Angeles mahlen die Mühlen etwas anders. Es ist eben alles ein bisschen kompliziert.
Robert Arndt