vor 18 Stunden
Deutschlands Gegner im Check
Deutschland geht mit großen Ambitionen in die Heim-WM, bekommt es in der Gruppenphase aber mit drei völlig unterschiedlichen Gegnern zu tun. Spanien bringt internationale Erfahrung mit, Japan ein unangenehmes Spielsystem und Mali viel Physis. Wie stehen die Chancen des DBB-Teams und welche Duelle und wo drohen Probleme?

Nach Platz sieben bei den Olympischen Spielen 2024 und Rang fünf bei der EM 2025 möchte Deutschland bei der Heim-WM den nächsten Schritt machen. Bei der bislang einzigen WM-Teilnahme belegte die Auswahl 1998 den elften Platz. Diesmal soll es deutlich weiter gehen: Das Team selbst hat sich eine Medaille zum Ziel gesetzt.
Der Ausfall von Satou Sabally trifft das Team allerdings schwer. Ohne seinen größten Star verteilt sich die offensive Verantwortung auf mehrere Schultern. Leonie Fiebich bringt Größe, Shooting und Verteidigungsqualität mit, Nyara Sabally und Luisa Geiselsöder bilden einen starken Frontcourt. Frieda Bühner könnte nach ihren überzeugenden Leistungen in der Qualifikation zum X-Faktor werden.
Direkt zum Auftakt wartet der wohl stärkste Gegner der Gruppe. Spanien ist Sechster der Weltrangliste und gewann bei der EuroBasket 2023 und 2025 Silber. Nachdem die Mannschaft die WM 2022 verpasst hatte, soll in Berlin nun die vierte WM-Medaille der Verbandsgeschichte her. Die Mannschaft spielt kontrolliert, verteidigt aggressiv und verfügt über genügend Erfahrung, um enge Partien für sich zu entscheiden.
Das offensive Zentrum ist Megan DiLeo (früher Gustafson). Die kräftige Center-Spielerin der Portland Fire kann tief in der Zone abschließen, aus der Mitteldistanz treffen und mit ihrer Präsenz mehrere Verteidigerinnen binden. Dadurch entstehen Räume für Spaniens Schützinnen und für Alba Torrens, die auch im fortgeschrittenen Basketballalter noch zu den wichtigsten Entscheidungsträgerinnen des Teams gehört.
Spannend ist außerdem die Entwicklung von Awa Fam. Die junge Center-Spielerin der Seattle Storm bringt Länge, Athletik und Energie mit und gibt Spanien eine weitere gefährliche Option in Korbnähe. Gemeinsam mit DiLeo kann sie Deutschland besonders beim Rebound und durch ihre Physis unter Druck setzen.
Genau dort besitzt die DBB-Auswahl allerdings ebenfalls ihre größte Tiefe. Deutschland kann Spanien mit Nyara Sabally, Luisa Geiselsöder und seinen großen Flügelspielerinnen körperlich Paroli bieten. Problematisch wird es, wenn die Spanierinnen das Tempo kontrollieren und Deutschland in ein langsames Halbfeldspiel zwingen - dort könnten die größere Erfahrung und die eingespielten Abläufe des Favoriten den Unterschied machen.

Japan ist der stilistisch unangenehmste Gegner der Gruppe. Der Weltranglistenzehnte spielt schnell, bewegt den Ball konsequent und sucht früh den Abschluss von außen. Die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2021 zeigte, wie gefährlich dieses Konzept aufgehen kann.
Im Mittelpunkt steht Mai Yamamoto. Die Aufbauspielerin kam in der Quali auf durchschnittlich 15 Punkte pro Spiel und spielt in ihrer ersten WNBA-Saison für die Las Vegas Aces. Mit ihrer Schnelligkeit und ihrem Distanzwurf kann sie eine Defense über weite Strecken beschäftigen.
Auch Aika Hirashita passt hervorragend in das japanische System. Die 24-Jährige trifft schnelle Entscheidungen, bewegt sich gut ohne Ball und kam in der Quali auf 12,4 Punkte pro Partie. Deutschland muss deshalb aufmerksam durch Blöcke verteidigen und darf Japan keine offenen Würfe nach Ballverlusten ermöglichen.
Gleichzeitig besitzt die DBB-Auswahl klare Größenvorteile. Fiebich, Bühner, Nyara Sabally und Geiselsöder können Japan in Korbnähe und beim Rebound vor Probleme stellen. Deutschland sollte diese Überlegenheit konsequent ausspielen, ohne sich vom hohen Tempo des Gegners zu überhasteten Entscheidungen verleiten zu lassen.

Mali geht als Außenseiter in die Gruppe, darf aber nicht unterschätzt werden. Der Weltranglisten-18. nimmt zum dritten Mal an einer WM teil und ist erstmals bei zwei Endrunden nacheinander vertreten. Besonders unter dem Korb kann die Mannschaft jedem Gegner Schwierigkeiten bereiten.
Eine der wichtigsten Spielerinnen ist Sika Kone, die in der WNBA für Atlanta Dream aufläuft. Die 1,91 Meter große Forward kam im Qualifikationsturnier auf durchschnittlich 11,4 Punkte und 8,8 Rebounds. Gegen Brasilien legte sie mit 20 Punkten und elf Rebounds ein Double-Double auf. Ihre Energie beim Rebound und ihre Präsenz in der Zone machen sie zu Malis auffälligster Akteurin.
Für offensive Gefahr sorgt außerdem Maimouna Haidara. Sie führte Mali während der Qualifikation mit durchschnittlich 15,8 Punkten an. Gelingt es dem Außenseiter, über Physis, offensive Rebounds und Freiwürfe im Spiel zu bleiben, kann die Partie für Deutschland unangenehm werden.
Der deutsche Frontcourt sollte dennoch über genügend Größe und Tiefe verfügen, um dieses Duell zu kontrollieren. Entscheidend wird sein, Mali keine zweite und dritte Wurfchance zu erlauben. Spielt Deutschland konzentriert und bringt den Ball sicher nach vorne, ist ein Sieg zum Abschluss der Gruppenphase Pflicht.
Spanien geht aufgrund seiner Erfahrung und Kaderbreite als leichter Favorit in die Gruppe. Deutschland besitzt aber genügend Qualität, um den direkten Vergleich zu gewinnen und den ersten Platz anzugreifen. Der Heimvorteil könnte gerade in engen Phasen zum Faktor werden.
Japan dürfte mit seinem Tempo und den vielen Distanzwürfen um Rang zwei oder drei kämpfen. Mali ist zwar klarer Außenseiter, kann mit seiner Physis aber zumindest einzelne Spiele lange offenhalten.
| Platz | Nation |
|---|---|
| 1 | Spanien |
| 2 | Deutschland |
| 3 | Japan |
| 4 | Mali |
Sam Müller