04.02.2026
Memphis fängt von vorne an
Dass ausgerechnet die Utah Jazz Jaren Jackson Jr. ertraden würden, kam überraschend. Dabei ergibt der Deal aus allen Perspektiven Sinn. Für die Grizzlies, weil sie sich nun völlig dem Neuaufbau widmen können und sich dafür bestens ausstatteten. Für die Jazz, weil sie eine Chance bekamen, die sich ihnen selten eröffnet.

Womöglich wollten die Grizzlies Desmond Bane gar nicht unbedingt traden. Das Angebot war einfach zu gut. Vier First-Round Picks, einen Pick Swap, dazu Kentavious Caldwell-Pope und Cole Anthony boten die Magic im Sommer. Zu gut. Memphis nickte ab und fuhr ab sofort zweigleisig. Banes Abgang gab der Franchise die Möglichkeit, ihre Zukunft zu rekalibrieren, sollte Ja Morant nicht regelmäßig gesund sein oder mit Tuomas Iisalos System nicht warm werden; sollte die Saison nicht laufen, wie gewünscht. Sie läuft nicht, wie gewünscht.
Morant fehlt regelmäßig - gerade mindestens drei Wochen wegen einer Ellbogenverletzung -, Streit mit seinem Headcoach gab es auch bereits. Derzeit stehen die Grizzlies auf Rang elf im Westen. Für das Play-in müssten sie Portland einholen. Es fehlen 2,5 Spiele. Weshalb also versuchen, am Laufen zu halten, was längst nur noch schleicht? Morant galt und gilt wegen seiner Verletzungsanfällligkeit und wiederkehrender persönlicher Differenzen als offensichtlichster Trade-Kandidat. Augenscheinlich existiert jedoch kein echtes Interesse.
Auch deshalb ergibt es durchaus Sinn, dass General Manager Zach Kleiman Jaren Jackson Jr. gemeinsam mit John Konchar, Jock Landale und Vince Williams Jr. für Walter Clayton Jr., Taylor Hendricks, Kyle Andersons für kommende Saison nicht vollständig garantierten, Georges Niangs auslaufenden Vertrag und drei First-Round Picks nach Utah schickte. Natürlich verlieren die Grizzlies damit ihren konstantesten und in den letzten Jahren damit besten Spieler. Gleichzeitig nutzen sie erneut eine günstige Gelegenheit.
| JAzz bekommen | Grizzlies bekommen |
|---|---|
| Jaren Jackson Jr. | Kyle Anderson |
| Jock Landale | Walter Clayton Jr. |
| Vince Williams Jr. | Taylor Hendricks |
| John Konchar | Georges Niang |
| - | Erstrundenpick 2027 (CLE/MIN/UTA) |
| - | Erstrundenpick 2027 (LAL) |
| - | Erstrundenpick 2031 (PHX) |
Noch im Sommer verlängerte Jackson seinen Vertrag vorzeitig um vier Jahre. Das neue Abkommen greift ab kommender Saison und verspricht dem Big Man über vier Jahre 205 Millionen Dollar. Ein solider Preis für einen der besten Verteidiger der Liga, ebenso für ein Team, das um die Playoffs, vielleicht sogar um den Heimvorteil mitspielen möchte. Das waren die Grizzlies im Moment der Unterschrift. Nun sind sie es nicht mehr. Die Entwicklung der laufenden Saison trieb sie in eine neue Zeitleiste: Schlecht sein, um wieder gut zu werden, statt gut bleiben, um besser zu werden, lautet der neue Auftrag.
In dieser Situation einen Hochbezahlten am Anfang seiner Prime zu beschäftigen, wäre eher kontraproduktiv. Einerseits ist Jackson zu gut für ein Team, das vor allem auf seine Position in der Lottery schielt und junge Spieler entwickeln möchte, andererseits ist Cap Space für Franchises im Wiederaufbau essenziell. Sie können schlechte Verträge anderer Teams aufnehmen, um dabei für sich First-Round Picks rauszuschlagen. Sie haben die Möglichkeit, Free Agents unter Vertrag zu nehmen. Beides ermöglicht der Deal Memphis. Die Grizzlies können ihren Weg nun klar verfolgen. Zumal sie über die kommenden sieben Drafts nun 13 First-Round Picks haben; gemeinsam mit OKC und den Nets Ligaspitze.
Utah Jazz: Alle Verträge und Gehälter im Überblick
Memphis Grizzlies: Alle Verträge und Gehälter im Überblick
Memphis bekam eine Gelegenheit und nutzte sie. Die Jazz taten dasselbe. Ein Markt wie Salt Lake City hat es, unabhängig von seiner Gehaltsstruktur, schwer, Top-Free-Agents von einer Unterschrift zu überzeugen. Wollen die Jazz ihr Talentlevel nach oben katapultieren, müssen sie daher traden; müssen sie vor allem warten, bis sich eine Situation auftut wie der Grizzlies und Jacksons.
Nun kommt einer der besten Big-Man-Verteidiger der vergangenen Jahre, ein vielseitiger Defender, der sowohl den Ring beschützen, als auch kräftigere Gegenspieler im Post aufnehmen und sogar ein wenig Richtung Perimeter switchen kann, der Defensive Player of the Year 2023, der ab kommendem Sommer fix für drei Jahre unter Vertrag steht und für 29/30 eine Spieleroption über 53,5 Millionen Dollar besitzt. Das schafft Planungssicherheit. Und Chancen.

Jacksons Verpflichtung macht aus den Jazz eines der spannendsten Projekte der kommenden Jahre. Lauri Markkanen rutschte als einer der vielseitigsten großen Scorer der Liga, der von draußen werfen, zum Korb ziehen, Blöcke stellen, abrollen und rebounden kann, in den vergangenen Jahren immer wieder in Trade-Gerüchte hinein. Zu gut schien er für Utah zu sein. Vergangenheit. Einerseits machte Keyonte George in Jahr drei einen enormen Sprung (24,2 Punkte, 6,6 Assists), ist längst mehr als nur ein potenziell guter Point Guard, andererseits haben die Jazz noch Walker Kessler in der Hinterhand.
Wegen einer Schulterverletzung verpasst der Center fast die gesamte Saison. Fit gilt er jedoch als exzellenter Verteidiger, als Ringbeschützer, offensiv zudem als guter Screener; und passt damit hervorragend zu Jackson. Der spielt zwar ebenfalls immer wieder auf der Fünf. Am besten funktioniert er jedoch mit echtem Center neben ihm. So kann Jackson als freies Radikal Löcher stopfen, den Ring verteidigen, Drives stören, Passwege schließen. Mit Kessler, dessen Vertrag zwar ausläuft, mit dem die Jazz laut Gerüchten aber verlängern wollen, könnte der Weg durch die Zone für andere Teams damit zur schwer lösbaren Herausforderung mutieren.
Gleichzeitig kann mit Markkanen ein weiterer Langer vordergründig auf die Drei rutschen. Dass er das kann, hat er schon in Cleveland gezeigt. Utah wäre damit unglaublich lang - und vielseitig. Coach Will Hardy bevorzugt bereits jetzt das positionslose Spiel, beziehungsweise lässt die Grenzen verschwimmen. Die ersten fünf Spiele mit Kessler experimentierte er beispielsweise gern mit seinem Center, dazu Kyle Filipowski (2,11 Meter) und eben Markkanen (2,16 Meter). Durch Jackson werden die Jazz noch variabler.
Fertig ist das Team damit zwar längst nicht. Plötzlich hat Utah jedoch eine Perspektive, über Jahre einen Kern aufzubauen, der regelmäßig um die Playoffs mitspielen kann. Interessant könnte dafür auch Vince Williams Jr. werden, der in Memphis gute Ansätze zeigte, für den Utah kommende Saison nun eine 2,5 Millionen Dollar schwere Team Option besitzt.
Für derlei Aussichten drei First-Round Picks zu opfern, ist mehr als vertretbar. Zumal die Jazz ihren eigenen, Top-8-geschützten, 2026er Pick nicht involvieren mussten, und der kommende Draft gilt als besonders Talent-schwer. Eventuell stößt im Juni also eine weitere, verhältnismäßig günstige Verstärkung hinzu.
Es scheint, als hätte jeder bekommen, was er gerade anstrebt, womit am Ende potenziell sowohl die Grizzlies als auch die Jazz gewinnen. Es trafen sich einfach zwei Teams, die sich gegenseitig eine Gelegenheit boten, die sie nicht ablehnen konnten.
Max Marbeiter